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Der „Teufelskreis“ des deutschen Curlings

Bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang schrubben die Curler in diesen Tagen konzentriert übers Eis. Kanadier, Russen, Schweizer und viele mehr. Nur die Deutschen fehlen. Aber warum eigentlich?

Curling
Deutsche Curler sind bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang nicht vertreten.
Foto: Peter Kneffel – dpa

Stuttgart (dpa). Gleichmäßig dreht sich der knapp 20 Kilo schwere Curlingstein um sich selbst und flutscht über das Eis. Zwei Athleten eilen ihm voraus, mit ihren Besen bearbeiten sie präzise die Spur, über die der Stein gleiten wird. Schreie des Teamkapitäns hallen in Pyeongchang über die Bahn, das Schrubben mit den Besen ist zu hören.

Die Weltspitze des Curling kämpft um Medaillen, Deutschland hingegen durfte gar nicht erst anreisen. Sowohl das deutsche Männer- als auch das Frauenteam verpasste beim Qualifikationsturnier in Pilsen das Olympia-Ticket. „Dass kein Team in der Lage war, sich für die Winterspiele 2018 zu qualifizieren, sehe ich als Spätfolge, sich nicht in aller Konsequenz neu aufstellen zu wollen“, sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann vor Beginn der Winterspiele.

Zu wenig Nachwuchs, zu wenig Infrastruktur, zu wenig Geld. Es gibt viele Antworten auf die Frage, warum es beim deutschen Curling nicht läuft. Ein Neustart soll das ändern.

Uli Kapp ist der Kopf, auf den das deutsche Curling nun hofft. Er war zweimal Vize-Weltmeister und dreimal Europameister, seit Anfang Februar ist er Bundestrainer. Sein Ziel: Das deutsche Curling aus dem „Teufelskreis“ befreien, 2022 wieder bei Olympia dabei sein, spätestens 2026 Medaillen nach Hause bringen.

Flexible Allrounder statt feste Teams mit klaren Rollen – so lautet das Rezept, mit dem Kapp die Konkurrenz ankurbeln und damit die Leistung steigern will. Nur ein Männer- und ein Frauenteam an die Spitze bringen zu wollen – so wie es in den vergangenen Jahren versucht wurde – hält er für zu riskant. Stattdessen will Kapp in den Kadern mehr Durchlässigkeit von unten nach oben und „zwei, drei Teams, die sich gegenseitig fordern“.

An Nachwuchs mit Talent mangelt es dem Trainer nicht. „Aber wer ist heute noch bereit, diese Doppelbelastung von Sport und Arbeit auf sich zu nehmen?“, fragt Kapp. „Man muss begreifen, dass Leistungssport auch Opfer fordert.“ Viele Athleten betreiben den Sport neben dem Beruf, denn „an Geld verdienen ist in unserem Sport nicht zu denken“.

Alle vier Jahre, wenn bei Olympia die Curling-Steine über die Bildschirme der Welt flimmern, hagelt es beim Deutschen Curling-Verband Anfragen von begeisterten Zuschauern: Wo kann ich den Sport lernen? Wo ist die nächste Eisbahn bei mir in der Nähe? „Dieses Interesse können wir leider gar nicht bedienen“, sagt Kapp.

Gerade mal eine Handvoll reine Curling-Bahnen gibt es in Deutschland, die meisten davon in Bayern. An anderen Orten bekommen die Curler ein, zwei Stunden in der Woche von anderen Eissport-Vereinen freigeräumt – wenn überhaupt. Das ist erstens nicht viel und ermöglicht zweitens nicht den Zustand der Eisbahn, den echtes Curling benötigt.

In der deutlich kleineren Schweiz ist das anders. Mehr als 40 reine Curling-Hallen hat das Land zu bieten. Von den Wintersportorten ist der Sport in die Schweizer Städte vorgedrungen, auch als beliebte Beschäftigung für ganze Familien. Mehr Begeisterung in der Gesellschaft, mehr Medaillen. Im Mixed-Curling in Pyeongchang holten die Schweizer am Mittwoch Silber.

Neben einer bessereren Infrastruktur wünscht sich der Chef-Curler Kapp auch, dass Schulen enger mit Sportvereinen zusammenarbeiten – denn „nur aus der breiten Masse kann eine breite Spitze entstehen“. Ob Kapp neuen Schwung bringt, wird sich erstmals im März bei den Weltmeisterschaften der Damen in Kanada zeigen. Er ist optimistisch: „Ich traue uns eine Menge zu.“

Deutscher Curling-Verband

DCV-Meldung zu Uli Kapp

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