Archivierter Artikel vom 25.10.2010, 14:04 Uhr

Der «rote Hai»: Alonso, das Alpha-Tier

Yeongam (dpa). Die italienische Presse liegt ihm zu Füßen, die Tifosi erst recht und Scuderia-Boss Luca di Montezemolo würde Fernando Alonso wohl am liebsten einen ferrariroten Teppich ausrollen.

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Ferrari-Hai
Fernando Alonso hat den GP von Südkorea gewonnen.

Die Wunschehe zwischen Alpha-Tier aus Spanien und dem traditionsreichsten Formel-1-Team könnte noch vor dem ersten Jahrestag mit dem Weltmeistertitel ihren vorläufigen Höhepunkt finden.

«Alonso ist der Herr der WM. In Südkorea glückte ihm der Geniestreich eines Champions», lobte das spanische Sportblatt «As». Allerdings wurde das vermeintliche Husarenstück beim spektakulären Großen Preis von Südkorea von Mark Webbers Unfall und dem rauchenden Red Bull des 45 Runden führenden Sebastian Vettel begünstigt. Egal, Italien feierte seinen Ferrari-Star erst recht. «Alonso – Der rote Hai. Il Maestro. Ein Magier. Und jetzt den WM-Titel», schrieb «La Gazzetta dello Sport». Die Kollegen vom «Corriere dello Sport» befanden gar: «Der Spanier schmiedet Eisen mit bloßen Fäusten.»

Schon am 7. November beim vorletzten Saisonrennen in Brasilien kann sich Alonso nun die Trophäe sichern. Es wäre sein dritter Titel nach 2005 und 2006 für Renault. Vor drei Jahren war es sein Ferrari- Vorgänger Kimi Räikkönen, der in einem dramatischen Finale auf dem Kurs in Interlagos cool blieb und den Titel holte. Alonso war damals im McLaren-Mercedes ebenso wie sein Teamkollege Lewis Hamilton um einen Punkt geschlagen.

«Iceman» Räikkönen musste vor dieser Saison Alonso bei Ferrari weichen – trotz Vertrags. Und siehe da: Der einst als Störenfried verrufene Alonso ist bei Ferrari auf Erfolgs- und Kuschelkurs. Nicht zu vergleichen mit dem Intermezzo in Silber 2007, als er beim internen Duell mit dem damaligen Newcomer Hamilton das Nachsehen hatte und im Dauerclinch mit der Teamführung stand.

Aus diesen Zeiten stammt auch die Einschätzung des Ex-McLaren- Teamchefs Ron Dennis: «Er ist ein bemerkenswerter Einsiedler.» Und ein knallharter Rennfahrer durch und durch. Pressekonferenzen und Gespräche an einem Grand-Prix-Wochenende scheinen ihn dagegen oft zu langweilen. Als ein Journalist wissen wollte, was sich seit der Saisonmitte bei Ferrari geändert habe, meinte Alonso: «Glück.»

Auf dem Hockenheimring war es in diesem Jahr aber nicht nur Glück. Seinem vor ihm liegenden Kollegen Felipe Massa wurde vom Team ebenso simpel wie unmissverständlich mitgeteilt, dass Alonso schneller sei. Der Spanier konnte ohne Gegenwehr überholen und siegte; die Aufholjagd war eingeläutet. Für ihre umstrittene Aktion mussten die Italiener läppische 100 000 Dollar Strafe zahlen.

Alonso füllte anschließend weiter sein Punktekonto. Insgesamt vier Siege in den vergangenen sieben Rennen, dazu einmal Zweiter, einmal Dritter – und nur einmal nicht im Ziel. Zwei Läufe vor Schluss hat Alonso nun 231 Punkte und führt vor dem gestürzten Spitzenreiter Webber (Red Bull/220). Hamilton ist Dritter (McLaren-Mercedes/210), Vettel Vierter (Red Bull/206), Titelverteidiger Jenson Button (McLaren-Mercedes/189) als Fünfter fast raus.

In der Hand hat es nun Alonso. Ein Sieg in Sao Paulo und Webber kommt nicht über Platz fünf hinaus, dann steigt Alonso in den fünfköpfigen «Dreier»-Club unter anderem mit Ayrton Senna und Niki Lauda auf. Mehr als drei Titel schafften lediglich Rekordmann Michael Schumacher (7), Juan Manuel Fangio (5) und Alain Prost (4). Alonso ist aber auch erst 29 Jahre alt.