Archivierter Artikel vom 31.05.2011, 11:24 Uhr
Berlin

Der IOC-Skandal um Salt Lake City

Die massiven Korruptionsvorwürfe an führende Funktionäre der Fußball-Weltverbandes FIFA erinnern an den Skandal des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) vor mehr als zehn Jahren.

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Er hatte für die 1894 gegründete olympische Weltorganisation erschütternde Wirkungen und war zugleich ein Alarmsignal. Erstmals wurde öffentlich und dokumentiert, wie groß im kommerzialisierten Sport die Gefahr von Käuflichkeit und Betrug ist.

Im Dezember 1998 hatte IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch das Exekutivkomitee seiner Organisation über einen Verdacht aus Salt Lake City informiert. Danach wurden 1995 der amerikanischen Stadt die Winterspiele 2002 mit Hilfe von Stimmenkauf zugesprochen. Das Schweizer IOC-Mitglied Marc Hodler machte den Verdacht öffentlich und behauptete, Korruption sei im internationalen Sport weit verbreitet.

Samaranch kündigte eine «Säuberung» an. Im März 1999 setzte eine Außerordentliche Vollversammlung eine Ethik-Kommission und die Reformkommission «IOC 2000» ein. Die Vollversammlung schloss sechs IOC-Mitglieder nach Korruptionsvorwürfen aus, vier weitere Mitglieder waren zuvor zurückgetreten, zehn Olympier erhielten eine Verwarnung. Samaranch wurde von der Vollversammlung mit 86:2 Stimmen das Vertrauen ausgesprochen.

Der umstrittene Spanier, der das IOC seit seiner Wahl 1980 kommerzialisiert und zu finanziellem Wohlstand geführt hatte, setzte sich an die Spitze der Reformbewegung. Am 14. April forderte ein Ausschuss des US-Senats seinen Rücktritt, ohne den jeder Reform die Glaubwürdigkeit fehle. Die internen amerikanischen Untersuchungen ergaben, dass von Salt Lake City rund 1,2 Millionen Dollar für IOC-Mitglieder an Geld und geldwerten Leistungen ausgegeben worden waren.

An der Spitze der vom Bewerbungskomitee in Salt Lake City Bestochenen stand der Kongolese Jean Claude Ganga. Er erhielt 70 000 Dollar an Direktzahlungen. Dazu kamen medizinische Rechnungen für ihn und seine Familie in Höhe von 17 000 Dollar und 14 000 Dollar für Geschenke. Für Reisekosten der Familie gab Salt Lake City 115 00 Dollar aus. Über Grundstücksspekulationen verdiente Ganga noch einmal 60 000 Dollar hinzu.

Als Zeichen neuer Offenheit tagte im Juni erstmals eine Vollversammlung durch eine Video-Übertragung in ein Pressezentrum öffentlich. Die Session legte zudem ein Strafenregister für Mitglieder fest. Zur weiteren Erneuerung der führenden Organisation des olympischen Weltsports machte die Kommission «IOC 2000» im September 1999 umfassende Reformvorschläge.

Am 12. Dezember verabschiedete schließlich die zweite Außerordentliche Vollversammlung in Lausanne ein umfassendes Reformpaket für IOC-Mitglieder: Besuchsverbot von Olympiabewerbern, Vorprüfung von Anwärtern durch eine Kommission, Herabsetzung des Maximalalters von 80 auf 70 Jahre, Bestätigung der Mitgliedschaft nach acht Jahren, maximale Amtszeit für Präsidenten von zwölf Jahren. Dazu wurde eine neue Struktur des IOC festgelegt. Von maximal 115 Mitgliedern sind 70 «unabhängig». Dazu kommen jeweils 15 Spitzenvertreter der internationalen Verbände, der Nationalen Olympischen Komitees und der Athleten.