Archivierter Artikel vom 27.10.2010, 09:18 Uhr

Den Körper spüren mit der Feldenkrais-Methode

Braunschweig/München (dpa/tmn) – Regelmäßig verspannt und angespannt? Immer wieder Schmerzen im Nacken, am Rücken oder an den Gelenken? Verschiedene Menschen schwören bei diesen Beschwerden auf unterschiedliche Behandlungsmethoden. Eine davon ist Feldenkrais.

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Die Feldenkrais-Methode
In Einzelstunden lernen Feldenkrais-Schüler, ihren Körper neu wahrzunehmen. (Bild: FVD/Mayer/dpa/tmn)

Dabei handelt es sich um eine körperbetonte Anwendung, bei der der Patient mehr über sich und seine Bewegungen erfahren soll – und lernen kann, diese zu verändern. «Die Idee stammt von Moshé Feldenkrais», erklärt die Autorin Carola Bleis aus Braunschweig, die selbst seit rund 15 Jahren als Feldenkrais-Lehrerin arbeitet. Feldenkrais habe festgestellt, dass das Lernen von Bewegungen mit der Jugend beendet ist und Menschen dann ein festes Bewegungsrepertoire haben.

An diesem Punkt will die Feldenkrais-Methode ansetzen. «Es ist keine Therapie im herkömmlichen Sinn, sondern eine Lernmethode mit therapeutisch sehr wirksamen Effekten», betont Dierk Wichmann vom Feldenkrais Network International in Rottendorf. «Man kann lernen, Bewegungen leichter, zweckmäßiger und effektiver als bisher angenommen durchzuführen.» Dadurch können Bewegungsabläufe so verändert werden, dass Beschwerden weniger oder gar nicht mehr auftreten.

Wie aber funktioniert Feldenkrais genau? «Es gibt zwei unterschiedliche Herangehensweisen», erklärt Bleis, «die Arbeit in Gruppen oder mit einzelnen Patienten.» Bei der Kursarbeit in Gruppen werde man vom Lehrer verbal zu bestimmten Bewegungen angeleitet.

Zum Beispiel das Stehen: «Der Lehrer kann fragen 'Spürst du beide Fußsohlen gleich? Wie ist die Spannung in den Waden? Und hängen die Schultern?'», berichtet Bleis. Die Einzelstunden laufen etwas anders ab, wie Wichmann beschreibt. «Wie in der Gruppenlektion sitzt oder liegt der Patient in einer bestimmten Position, zum Beispiel auf dem Rücken, dem Bauch oder auf der Seite.» Anders als bei den Gruppensitzungen nimmt bei dieser Variante aber der Lehrer Bewegungen beim Patienten vor.

Egal, ob einzeln oder in der Gruppe: Durch die Lektionen könne man lernen zu merken, was man wie macht und Alternativen ausprobieren. Bleis ergänzt: «Man lernt auch, im Alltag Veränderungen des Körpers schneller zu registrieren, beispielsweise, wenn man lange Zeit einseitig sitzt oder die Augen müde werden.»

Damit eignet sich Feldenkrais für Menschen, die ihre Beweglichkeit verbessern oder ihre körperliche und psychische Anspannung reduzieren wollen. «Allerdings ist es nichts für Menschen, die Powerbewegungen lieben und sich nicht auf teilweise kleine, feine Bewegungen einlassen mögen», sagt Bleis.

Die Kosten für die Sitzungen muss man häufig selbst übernehmen. «Einige private Krankenkassen zahlen Feldenkrais-Anwendungen jedoch», sagt Tanja Leis, Sprecherin des Feldenkrais-Verbands in München. «Teilweise erkennen es auch gesetzliche Krankenkassen als Präventionsmaßnahme an.» Aber das müsse im Einzelfall geklärt werden. Wie viele Stunden man braucht, müsse ebenfalls individuell geklärt werden. Gruppensitzungen würden allerdings meist in bestimmter Anzahl – etwa acht oder zehn – angeboten, bei Einzelstunden könne man das mit dem Lehrer besprechen.

Feldenkrais Network International

Feldenkrais-Verband Deutschland

Den richtigen Lehrer finden

Die Bezeichnung Feldenkrais-Lehrer ist nicht geschützt, wie Tanja Leis vom Feldenkrais-Verband erklärt. Tatsächlich gebe es zahlreiche verschiedene Ausbildungen von unterschiedlichem Umfang. «Deswegen sollte man sich seinen Lehrer genau aussuchen und sich erkundigen, welche Ausbildung derjenige gemacht hat.» Der Verband habe für seine Mitglieder feste Ausbildungsrichtlinien – sie müssen eine vierjährige Weiterbildung mit mehreren hundert Stunden absolviert haben.