Archivierter Artikel vom 17.06.2013, 07:00 Uhr
Boppard

Debatte: Frauenrechtlerin fordert Strafen für Freier

Die Vorsitzende der Menschenrechtsorganisation Solwodi, Lea Ackermann, fordert ein Ende der legalen Prostitution. Nach Auffassung der Ordensschwester war das Prostitutionsgesetz der rot-grünen Bundesregierung ein schwerer Fehler. „Die Legalisierung hat den Menschenhändlern Tür und Tor geöffnet“, sagt Ackermann unserer Zeitung.

Lea Ackermann
Lea Ackermann

Stattdessen empfiehlt sie ein Modell nach schwedischem Vorbild. In dem skandinavischen Land ist nicht die Prostitution an sich illegal, sondern der Kauf und die Vermittlung sexueller Dienste. Während Frauen, die Sex für Geld anbieten, nicht bestraft werden, müssen Freier eine Art Bußgeld bezahlen. „Vielleicht denken Familienväter noch einmal über ihr Handeln nach, wenn ein Bußgeldbescheid ins Haus flattert“, sagt Ackermann, die 1985 Solwodi zunächst in Mombasa (Kenia) gegründet hat und seit 16 Jahren auch mehrere Beratungsstellen in Deutschland koordiniert.

Mit der Forderung, die Prostitution wieder zu verbieten, vertritt Solwodi eine dezidiert andere Position als die meisten Frauenrechtsorganisationen. „Ich habe sehr viele Frauen getroffen, die zunächst sagten, dass sie freiwillig anschaffen gehen. Als sie jedoch etwas mehr Vertrauen fassten, gaben sie zu, aus irgendeiner Notsituation heraus in das Rotlichtmilieu gerutscht zu sein und jederzeit aufhören zu wollen.“

Mit Sorge beobachtet Ackermann eine zunehmende Verharmlosung der Prostitution in Deutschland. In Schweden sei man dagegen einen völlig anderen Weg gegangen. „Studien zeigen klar, dass der überwiegende Teil der Schweden Prostitution mittlerweile strikt ablehnt.“ Tatsächlich steht Schweden in Sachen Menschenhandel im EU-weiten Vergleich sehr gut da: Während in Deutschland allein 2010 596 weibliche Opfer von Menschenhandel ermittelt wurden, waren es in Schweden nur 21.

Das nordeuropäische Land schneidet auch dann noch besser ab, stellt man die unterschiedliche Einwohnerzahl in Relation zur Opferzahl. „Es gibt Leute, die brauchen das Verbot, um zu wissen, dass etwas falsch ist. Prostitution hat doch ganz oft nichts mit Sexualität zu tun, sondern es geht um Machtmissbrauch“, erklärt Ackermann. Ihrer Auffassung nach ist Prostitution eine Form der Sklaverei.

Die Nichregierungsorganisation Solwodi setzt sich für die Einhaltung der Menschenrechte in Afrika, Deutschland, Österreich und Rumänien ein und steht der katholischen Kirche nahe.

htz