Archivierter Artikel vom 18.09.2010, 17:52 Uhr

Davis-Cup-Team souverän – Kühnen soll verlängern

Stuttgart (dpa). Dem deutschen Davis-Cup-Team winkt nach dem souveränen Klassenverbleib eine üppige Belohnung: Teamchef Patrik Kühnen hat dank des Erfolgs über Außenseiter Südafrika beste Chancen auf eine schnelle Vertragsverlängerung – und seine Schützlinge gute Karten für ein Knallerspiel.

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Erstklassig
Andreas Beck (l) und Christopher Kas besiegten die Südafrikaner deutlich.

Bei der Erstrunden-Auslosung für 2011 am 22. September ist Deutschland nicht gesetzt, weil der dreimalige Sieger nicht zu den besten acht Tennis-Nationen gehört. Mit Losglück könnte es damit im März ein Heimspiel gegen einen Großen geben. Nur eine Formalie ist die Einigung zwischen dem seit acht Jahren als Teamchef fungierenden Kühnen und dem Deutschen Tennis Bund (DTB), der auch mit Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner verlängern will.

«Im Vorfeld haben positive Gespräche begonnen. Wir haben diese Hürde jetzt genommen und werden in den nächsten Tagen die Gespräche wieder aufnehmen», verkündete Kühnen geschäftsmäßig, nachdem Andreas Beck und Christopher Kas in Stuttgart mit dem Sieg im Doppel den entscheidenden dritten Punkt geholt hatten.

Lokalmatador Beck kommt gegen Südafrika auch zu einem Einsatz im Einzel. Nach dem entscheidenden Sieg im Tennis-Doppel ersetzt Beck Philipp Kohlschreiber, der von Teamchef Patrik Kühnen geschont wird. Beck trifft zum Auftakt des Schlusstages auf Izak van der Merwe, danach tritt zum Abschluss Florian Mayer gegen Rik de Voest an.

DTB-Sportdirektor Klaus Eberhard ließ indes durchblicken, dass wohl nur noch wenig Zeit nötig sei, um den bereits fertigen Vertrag mit Kühnen unter Dach und Fach zu bringen. Der 6:4, 3:6, 6:3, 6:4-Erfolg von Beck und Kas über Wesley Moodie und Rik de Voest beseitigte die letzten Zweifel und sorgte für riesige Erleichterung und großen Jubel auf dem idyllischen Stuttgarter Weissenhof.

«Wer mich kennt, glaubt mir nicht, wenn ich sage, dass ich nur ein Glas trinke. Ich werde Gas geben», sagte der einmal mehr erfrischend agierende und auftretende Kas. Der Doppel-Spezialist, der im Einzel nicht mehr gebraucht wurde, durfte sich ebenso wie Beck über seinen ersten Erfolg als Davis-Cup-Spieler freuen – und das auch noch in einem extrem wichtigen Moment. «Eigentlich fehlen mir immer noch die Worte. Wir haben gefightet wie die Schweine», meinte Beck.

Der einstige Davis-Cup-Sieger Kühnen betonte nach seinem insgesamt sechsten Relegationsspiel als Teamchef, wie wichtig der Verbleib in der Weltgruppe der besten 16 ist. Allerdings entfaltet sich die Magie des Davis Cups in den entscheidenden K.o.-Runden und nicht im Abstiegskampf gegen Südafrika. Die braven Stuttgarter Fans sorgten für nette Stimmung, doch zum Doppel waren nur rund 1500 der 4000 Plätze besetzt – kein Vergleich zum Viertelfinale im vorigen Jahr, als 13 000 Spanier in einer Stierkampfarena nahe Marbella alles gegeben hatten, weil das DTB-Team sich beim knappen 2:3 großartig wehrte.

Zwar lobte Kühnen einmal mehr die große Anzahl deutscher Tennis-Profis unter den Top 100 der Welt, die unterschiedliche Stärken auf unterschiedlichen Belägen hätten. Doch der 44-jährige Saarländer räumte erneut ein, dass zwei, drei Akteure in der Spitze gut tun würden. Dieses Manko soll durch Teamgeist wettgemacht werden. «Es gab selten eine Generation von Spielern, die sich so gut versteht und auch auf Turnieren beieinander ist», unterstrich Kas.

Immerhin will Philipp Kohlschreiber als unangefochtene deutsche Nummer eins immer kommen, wenn Kühnen ruft. «Der Davis Cup steht nach den Grand Slams bei mir an oberster Stelle. Ich spiele gern für mein Land», betonte der 31. der Weltrangliste. Auch Doppel-Wimbledonsieger Philipp Petzschner steht 2011 nach Lage der Dinge wieder zur Verfügung. Selbst das verdienstvolle Ü 30-Trio Thomas Haas, Nicolas Kiefer und Rainer Schüttler mochte Kühnen noch nicht abschreiben, obwohl aus gesundheitlichen, familiären oder sportlichen Gründen zuletzt keiner mehr für die Nationalmannschaft infrage kam.