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Berlin

Dancefloors und Darkrooms: Was «die Szene» bewegt

dpa

Im Sommer machen sich viele locker. Szenegänger reden über coole Citys und dunkle Räume. Und dann gibt es da noch eine Droge namens «Miau». Ein Überblick über den Smalltalk-Stoff des Sommers 2010.

«Schland» – in diesem Jahr das «In»-Wort für Deutschland – schwadroniert nicht nur über Sport. Vergangenen Sommer sprachen viele über Intimrasuren. Dieses Jahr beleuchten Szene-Gänger gern das Sex-Sujet Darkroom. Was man beim Ausgehen zurzeit wissen muss:

Das Stadtgespräch des Sommers: Abgesehen vom National-Blabla, wie es bei jeder Fußball-WM gang und gäbe ist, sind Gespräche über Städte angesagt. Metropolen-Rankings erfreuen viele, weil sie Ordnung schaffen, wo eigentlich keine ist. Das britische Fachmagazin «DJ Mag» kürt jedes Jahr die «besten Clubs der Welt». An der von Clubgängern und DJs erwählten Liste lesen manche die Orte mit dem besten Nachtleben ab. Und da sieht es immer noch gut aus für London: Die Stadt ist gleich zehnmal in den Top 100 vertreten, die spanische Ferieninsel Ibiza fünfmal. Auf Platz eins liegt aber keine London-Location, sondern das «Sankeys» in Manchester. 2009 lag Berlins «Berghain» an der Spitze (dieses Jahr Platz acht).

Berlin ist fünfmal bei den «besten Clubs» vertreten – außer dem «Berghain» gibt es noch das «Watergate» auf Platz 13, das «Weekend» auf 40, den «Tresor» auf 46 und die «Bar 25» auf Platz 57. Andere deutsche Städte sind Frankfurt/Main – mit «Cocoon» (26) und «U60311» (88) – sowie Hamburg mit dem «Baalsaal» (47) und dem «Neidklub» (70). München schafft es mit dem «Harry Klein» (23) und Offenbach mit dem «Robert Johnson» (29) unter die Top 100. Natürlich kommen auch New York (drei Clubs) sowie Paris, Tokio, Los Angeles, Amsterdam, Miami und Montréal (jeweils zwei) vor. Für manchen vielleicht überraschend als Nightlife-Metropolen: Antwerpen, Beirut, Belfast, Bukarest, Dubai, Lima, Sofia oder Zürich. Erstaunlich: Clubs in Tel Aviv, Reykjavik, Kopenhagen oder Marrakesch fehlen.

Das schlüpfrige Gespräch des Sommers: Deutschlands Clubber reden über Darkrooms, also Sex-Räume in Bars und Clubs, die kaum oder gar nicht beleuchtet sind. Dort geht es anonym zur Sache. Seit Jahrzehnten existieren sie vor allem in der schwulen Subkultur. Doch vorbei die Zeit, in der die Mehrheitsgesellschaft die dunklen Sexplätze ihrem Schattendasein überließ oder sie als Gefahr brandmarkte, wie es während der Aids-Krise in den 80ern war. In einer Zeit, in der sich Homos wie Heteros übers Internet private Sex-Treffen organisieren, schrecken Darkrooms – zumindest als Thema – weniger ab. Ärzte warnen jedoch regelmäßig vor einer neuen Sorglosigkeit und der Gefahr von Geschlechtskrankheiten. Für Gesprächsstoff sorgt etwa die Berliner Schwulenbar «Ficken 3000», die ihren Darkroom mit Partys oder einem Kunst-Projekt für jeden zugänglich machte. Und in der Diskothek «Dice Club» hat Berlin seit ein paar Monaten einen Darkroom, der auch Heterosexuellen offensteht.

Berlin gilt als «Hauptstadt der Darkrooms», hier kann man mehr als 30 von ihnen zählen. Mancher Szenegänger benutzt für die dunklen Labyrinthe belustigt Behördenbegriffe wie «beruhigter Gastraum» oder «Vergnügungsstätte». Das «Berghain» mit seinen Sex-Nischen lockt viele Neugierige, die das Treiben im ehemaligen Heizkraftwerk bestaunen oder ausprobieren wollen. Berlins freizügiges Nachtleben, das sich auch bis zum nächsten Mittag ziehen kann, lebt von einer Art Sex-Tourismus.

Das rauschhafte Gespräch des Sommers: Manche reden nur drüber, andere nehmen sie, sogenannte Modedrogen. Im vergangenen Jahr verzeichnete die EU-Drogenbeobachtungsstelle über ihr Frühwarnsystem eine Rekordzahl neuer Drogen – insgesamt wurden 24 psychoaktive Substanzen erstmals offiziell gemeldet. Alle waren synthetisch, die meisten lagen im «Spice»-Trend und waren zu rauchende Kräuterprodukte. 2008 waren 13 neue Drogen aufgetaucht. Ein besonderes Augenmerk von der EU bekommt Mephedron (4- Methylmethcathinon), das auch als «Miau Miau» (Meow Meow) oder «M-Cat» bezeichnet wird. In Deutschland ist «4-MMC» seit dem 22. Januar als nicht verkehrsfähiges Betäubungsmittel eingestuft – also im Klartext: verboten.

Bis Ende Juli soll es eine europaweite wissenschaftliche Untersuchung der gesundheitlichen und sozialen Risiken von Mephedron geben. Der Beschluss basiert auf einem Bericht von Europol und der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD). Seit 2008 wurde Mephedron von Online-Lieferanten zunächst noch als erlaubte Alternative zu Ecstasy, Amphetaminen oder Kokain vermarktet und beispielsweise als «Badesalz» oder «Pflanzendünger» beworben.

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