Archivierter Artikel vom 25.01.2013, 07:15 Uhr

Da ist Durchhaltevermögen gefragt: Die Kappensitzung dauert nur noch sechs statt acht Stunden

Nicht genug Akteure, zu wenige Zaungäste, und auch hinterher ist nicht mehr viel los: In der Vorderhunsrücker Karnevalshochburg Gondershausen (Rhein-Hunsrück- Kreis) fällt der Rosenmontagszug aus. „Weil das Interesse von Jahr zu Jahr immer geringer geworden ist, haben wir uns dazu entschlossen, den Umzug abzusagen“, erklärt Stefanie Eisenbrand-Löffler, Vorsitzende des Karnevalsvereins „Gonderscher Besembenner“.

Nicht genug Akteure, zu wenige Zaungäste, und auch hinterher ist nicht mehr viel los: In der Vorderhunsrücker Karnevalshochburg Gondershausen (Rhein-Hunsrück- Kreis) fällt der Rosenmontagszug aus. „Weil das Interesse von Jahr zu Jahr immer geringer geworden ist, haben wir uns dazu entschlossen, den Umzug abzusagen“, erklärt Stefanie Eisenbrand-Löffler, Vorsitzende des Karnevalsvereins „Gonderscher Besembenner“.

An ihrer Kappensitzung halten die Gonderscher jedoch fest. Und als Ersatz für den Rosenmontagszug wird es an Fastnachtsamstag einen „Lumpenball“ geben.

Auch in Bad Marienberg (Westerwald) ist die Karnevalskrise angekommen. „Wir haben bereits im vergangenen Jahr einen Rückgang bemerkt, die Nachfrage für die Sitzungen wurde schwächer“, erklärt Günter Hüsch vom MCV Bad Marienberg. „Sicherlich ist die Überalterung innerhalb des Vereins ein Problem, aber auch die Überfrachtung mit Veranstaltungen zur Karnevalszeit. Außerdem ist die Bürgergesellschaft zerbröckelt.“ Und er legt noch nach: „Ein Problem ist sicherlich auch, dass viele jungen Leute eine gänzlich andere Auffassung von Karneval haben und eine Sitzung mit einer Saufparty gleichsetzen.“ Aufgrund mangelnder Resonanz musste der MCV Bad Marienberg in diesem Jahr eine Sitzung kurzfristig absagen. Dabei stehen die schwindenden Gästezahlen im krassen Gegensatz zu den Mitgliederzahlen. 170 Aktive engagieren sich im MCV, 80 davon sind Kinder und Jugendliche.

Im Kreis Altenkirchen kann von Krise (noch) keine Rede sein, allerdings wandelt sich der Karneval hier und da. Einige Veranstalter setzen auf die bewährte Tradition der Sitzungen mit heimischen Büttenrednern, andere holen dagegen Profis aus dem kölschen Karneval auf die Bühne oder aber feiern statt einer Prunksitzung lieber eine Party.

In Ettringen (Kreis Mayen-Koblenz) hat man die Sitzungsdauer reduziert; wurde früher ein fast achtstündiges Bühnenprogramm geboten, so sind es heute nur noch sechs Stunden. Vielerorts rückläufig ist die Zahl der Büttenredner, stattdessen herrschen Tanzvorführungen vor. Einige Karnevalisten machen dafür aber auch undisziplinierte Zuschauer verantwortlich: Statt dem Redner zuzuhören, würden die Besucher an den Tischen lieber ein Schwätzchen mit dem Nachbarn halten, sagt ein Insider. So gab es beispielsweise in St. Johann bei Mayen bis vor einigen Jahren immer zwei Sitzungen mit zahlreichen Büttenrednern. Heute spielen Büttenreden keine große Rolle mehr. Es gibt noch „die Geschwister Fürchterlich“, die jedes Jahr mit Sketchen zum Programm beitragen.

In Altlay (Kreis Cochem-Zell) fällt der Umzug aus, weil es einen kurzfristigen Wechsel im Vorstand gegeben hat. Dagegen sieht es in Hambuch rosig aus. „Es boomt bei uns, wir haben regelrechte Cliquen, die sich einbringen“, freut sich Karnevalschef Lothar Wilhelmy. Die Kappensitzung war ausverkauft und mit vielen Rede- und Tanzbeiträgen gespickt.

Im Rhein-Lahn-Kreis ist von einer Krise wenig zu spüren: Die großen Karnevalsvereine wie das Carneval Comité Oberlahnstein, der Niederlahnsteiner Carneval Verein oder die Bad Emser Karnevalsgesellschaft melden alle ausverkaufte Sitzungen. Mancherorts sind Kappensitzungen allerdings nicht so gut besucht, etwa die des Karnevalsvereins Gäsevertelche St. Goarshausen (KVG). Die Loreleyhalle war nur halb gefüllt. Auch auf dem Dorf gibt es vereinzelt Probleme: In der kleinen Gemeinde Winden (Verbandsgemeinde Nassau) musste erstmals eine Kappensitzung wegen mangelnder Nachfrage abgesagt werden. Allerdings ist die zweite Sitzung des Bürgervereins ausverkauft – 300 Narren werden am 2. Februar in dem 700- Einwohner-Ort erwartet. In Klingelbach (Verbandsgemeinde Katzenelnbogen) veranstalten die Klingelbacher Fassenachter erstmals keine Kappensitzung, sondern einen Preismaskenball. Dies hat allerdings in erster Linie organisatorische Gründe. Der Verein legt in diesem Jahr eine kreative Pause ein, 2014 soll es aber definitiv wieder eine Kappensitzung geben.