Archivierter Artikel vom 06.06.2011, 10:22 Uhr

Coworking hilft Ein-Mann-Unternehmern

Köln/Jena (dpa/tmn). Laptop, Internet und Handy – mehr brauchen manche nicht, um sich selbstständig zu machen. Aber vielen Ein-Mann-Unternehmern fällt bei der Heimarbeit irgendwann die Decke auf den Kopf. Abhilfe schaffen soll ein Modell aus den USA: das Coworking.

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Gemeinsam statt einsam
Gemeinsam statt einsam: Beim Coworking kommen Beschäftigte aus ganz verschiedenen Branchen in Gemeinschaftsbüros zusammen. (Bild: Pedersen/dpa/tmn)
Foto: DPA

Von morgens bis abends alleine im Home-Office zu arbeiten, kann ganz schön einsam machen. Aber für viele Solo-Selbstständige gerade in Kreativberufen ist das der Alltag. Dabei ist das Arbeiten im stillen Kämmerlein Gift für die Inspiration. In fast allen großen Städten gibt es deshalb inzwischen «Coworking»-Räume, wo zum Beispiel Web-Entwickler, Übersetzer und Eventmanager nebeneinander arbeiten. Wer Gesellschaft und neue Anregungen sucht, ist dort genau richtig. Trotzdem ist das Modell für die meisten eher eine Ergänzung als ein Ersatz für das ruhige Büro zu Hause.

Peter Schreck hat sich mit seinem Laptop früher oft ins Café gesetzt, wenn ihm zu Hause die Decke auf den Kopf gefallen ist. «Ich brauche immer wieder neue Inspirationen», erzählt der Marken- und Innovationsberater aus Köln. Und die bekomme man eben nicht, wenn man alleine zu Hause herumsitzt. Ein Café sei aber auch keine perfekte Arbeitsumgebung. Dann wurde Schreck auf Coworking aufmerksam.

In den USA ist diese Arbeitsform schon seit ein paar Jahren voll im Trend. Aber auch in Deutschland gibt es schon rund 70 «Coworking-Spaces». Vor zwei Jahren hat Schreck mit einigen Bekannten «Coworking Cologne» ins Leben gerufen, ein Großraumbüro mit 35 Schreibtischen.

Die Coworking-Büros sind in der Regel mit einem Internetzugang, Drucker, Scanner, Fax und Kopierer ausgestattet. Oft haben Büros wie das Cluboffice in Berlin auch Räume, in die man sich für Besprechungen zurückziehen kann. Die Kosten für einen Platz sind auf jeden Fall niedriger als ein eigenes Büro: Monatstickets gibt es je nach Einrichtung schon ab 100 bis 150 Euro. Tagestickets kosten meist gut 10 Euro.

Praktisch ist dabei, dass man die Kollegen gleich mitmietet. Dadurch können Coworking-Büros echte Inspirationsquellen sein. «Alle, die hier sind, arbeiten nach Coworking-Prinzipien», sagt Sebastian Sooth vom Studio 70 in Berlin. Das heißt vor allem: Jeder ist willkommen – und man hilft sich gegenseitig. Verzweifelt ein Programmierer gerade an einer spanischen E-Mail, sitzt neben ihm vielleicht ein Spanisch-Übersetzer. Und will der Übersetzer eine Webseite erstellen, sitzt neben ihm vielleicht ein Web-Entwickler.

Die besten Ideen ergäben sich oft an der Kaffeemaschine im Coworking-Büro, erzählt Stefanie Döring, die sich in ihrer Diplomarbeit an der Fachhochschule Jena mit Coworking beschäftigt hat. «Viele erzählen, dass man oft von ganz fachfremden Leuten einen Anstoß oder eine Idee bekommt, auf die man selbst als Experte gar nicht gekommen wäre.»

Der ständige Austausch ist zugleich aber auch der größte Nachteil am Coworking-Prinzip: In Ruhe arbeiten lässt sich so kaum. «Coworking ist kein Büro-Ersatz. Wenn ich mich konzentrieren will, bleibe ich im Home-Office», sagt Schreck.

Viel Auswahl hat man in den meisten Städten aber noch nicht. Nur in Berlin ist das anders. «Da kann man überlegen, wie laut oder wie leise die Arbeitsumgebung sein soll, ob man lieber im Großraumbüro oder in kleineren Büros arbeiten will», sagt Sooth.

Wirtschaftswissenschaftlerin Döring ist allerdings auch auf Leute gestoßen, die mit der Atmosphäre in den Arbeitsräumen nicht so richtig klargekommen sind. «Man muss schon extrem kommunikativ sein.» Einige hätten sich deshalb am Ende doch wieder in ihr Home-Office zurückgezogen, weil ihnen der Kontakt einfach zu eng war.

Überblick über Coworking-Plätze

Coworking-Seite Hallenprojekt

Bundeswirtschaftsministerium zu Coworking

FH Jena zu Coworking (pdf)

Coworking mit Tagesticket testen

Grundsätzlich gilt beim Coworking: Alles ist flexibel. Das macht es leicht, diese Arbeitsform einfach mal zu testen. Die meisten Büros bieten Tagestickets an. «Da kann man ohne Voranmeldung hingehen und es einfach mal ausprobieren», erklärt Sebastian Sooth vom Studio 70 in Berlin.