Archivierter Artikel vom 20.07.2011, 17:30 Uhr

Contadors Mut nicht belohnt – Norweger Hagen siegt

Pinerolo (dpa). Alberto Contador stürzte sich unerschrocken in die halsbrecherische Abfahrt. Er kämpfte sich auf holpriger Straße und schlechter Sicht Meter um Meter von seinen Konkurrenten los – wurde im Ziel der 17. Etappe der Tour de France aber nicht belohnt.

Lesezeit: 3 Minuten
Tagessieger
Der Norweger Edvald Boasson Hagen feierte in diesem Jahr seinen 2. Etappensieg bei der Frankreichrundfahrt.
Foto: DPA

Auf der brutalen Sekundenhatz nach dem Gelben Trikot konnten seine Hauptrivalen Andy und Frank Schleck sowie Cadel Evans kontern und rollten zusammen mit dem Spanier über die Ziellinie. 27 Sekunden danach kam Thomas Voeckler ins Ziel und verteidigte damit das Gelbe Trikot.

Titelverteidiger
Vorjahressieger Alberto Contador versuchte sein Glück auf der gefährlichen Schluss-Abfahrt.
Foto: DPA

«Alle wussten, dass ich attackieren werde», meinte der dreimalige Tour-Sieger, den ein Sturz im Feld kurz vor dem letzten Anstieg aus dem Rhythmus gebracht hatte. «Ich musste viel investieren, um wieder heranzukommen. Ich musste etwas versuchen, aber die Schlecks waren nach gestern natürlich gewappnet», sagte der Madrilene.

Auf der Flucht
Die 17. Etappe wurde von einer großen Ausreißergruppe geprägt.
Foto: DPA

Den Tagessieg hatte sich nach 179 Kilometern in Pinerolo zum zweiten Mal bei dieser Tour Edvald Boasson Hagen gesichert. Er machte den insgesamt vierten Etappensieg eines Norwegers perfekt. Am Vortag war er von Landsmann Thor Hushovd in Gap geschlagen worden. «Nach der knappen Niederlage ist es heute ein großartiges Gefühl», sagte er.

In Gelb
Auch Thomas Voeckler stürzte sich die Abfahrt hinunter und verteidigte sein Gelbes Trikot.
Foto: DPA

Nach den Sekundenverlusten vom Vortag hatten die Brüder Schleck nur dank eines mutigen Kraftaktes auf der finalen Abfahrt einen erneuten Rückschlag vermieden. «Heute haben die Jungs gezeigt, dass sie sich nach der Enttäuschung vom Dienstag zurückkämpfen können. Contador ging auf der Abfahrt die meisten Risiken ein und wurde dafür nicht belohnt», stellte Schlecks Teamchef Brian Nygaard fest.

Malerisch
Die 17. Etappe führte das Fahrerfeld vorbei an idyllischen Bergseen.
Foto: DPA

In der Gesamtwertung trennen Contador weiter 1:39 Minuten von Frank Schleck und 39 Sekunden von Andy Schleck. Die besten Aussichten auf den Tour-Sieg hat aber weiterhin der Australier Evans, der 1:57 Minuten Vorsprung auf Contador hat.

Cool
Mitfavorit Frank Schleck war vor dem Start noch ganz entspannt.
Foto: DPA

Der Franzose Voeckler verteidigte seine Position an der Spitze noch einmal mit 1:18 Minuten Vorsprung vor Evans, obwohl er sich auf der Abfahrt vom Pramartino zweimal folgenschwer versteuerte. Einmal landete er auf einem Auto-Parkplatz. Seine Tage im Gelben Trikot scheinen gezählt, wenn an den drei folgenden Tagen die Entscheidung bei der 98. Tour de France fallen wird.

Wie am Vortag hatte Contador wieder sein Heil im Angriff gesucht. Bergab über einen dunklen, schmalen Waldweg mit schlechtem Asphalt setzte er alles auf eine Karte, setzte sich zeitweise von seinen Widersachern ab, verlor dann aber wieder seinen Vorsprung. Bei Regen – zum Glück war es am Mittwoch bei wieder typischem Tour-Wetter trocken – hätten sich Sturz-Tragödien abspielen können. Schon an den Vortagen hatte Andy Schleck vor der halsbrecherischen, acht Kilometer langen Abfahrt gewarnt.

Knapp 60 Kilometer nach dem Start hatte sich eine 14-köpfige Spitzengruppe gebildet, die sich schnell einen großen Vorsprung erarbeitet hatte. Hagen übernahm elf Kilometer vor dem Ziel die Regie an der Spitze und kämpfte sich als Solist vor dem Niederländer Bauke Mollema (40 Sekunden Rückstand) ins Ziel.

Insgesamt standen am Mittwoch fünf Anstiege auf dem Tour-Menü- Plan. Die beiden schwersten Alpenetappen stehen am Donnerstag (Ziel auf dem 2645 Meter hohen Galibier) und Freitag (L'Alpe d'Huez) auf dem Programm. «Dann geht es richtig los», kündigte Andy Schleck an.

Die letzten 80 Kilometer führten am Mittwoch durch Italien – für Radprofis manchmal ein besonders gefährliches Terrain. Nach einer außerplanmäßigen Kontrolle des Italienischen Olympischen Komitees CONI war Alejandro Valverde im Jahr 2008 getestet worden. Anhand dieser Blutprobe war später seine Verbindung zum mutmaßlichen Dopingarzt Eufemiano Fuentes nachgewiesen worden. Im Anschluss führte das zu einer zweijährigen Dopingsperre, aus der der Spanier erst am Ende dieses Jahres zurückkehren kann.