Archivierter Artikel vom 19.03.2011, 10:08 Uhr

Comeback-Königin Riesch vollendet Meisterstück

Lenzerheide (dpa). Die Comeback-Königin hat ihr Meisterstück vollendet: Zwei Olympiasiege und einen WM-Titel konnte Maria Riesch schon erringen – nun wandert auch die Große Kristallkugel für die Gewinnerin des Gesamtweltcups in ihren Besitz.

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Nervenstark
Maria Riesch ist ihrem Ruf als «Comeback-Königin» gerecht geworden.
Foto: DPA

Und wie bei ihren bisherigen Erfolgen musste die 26-Jährige erst durch eine Krise gehen, um am Ende dank ihrer Nervenstärke zu triumphieren. Wer die Partenkirchenerin drei Tage zuvor beobachtet hatte, mochte kaum noch an eine solche Rückkehr glauben. Geschlagen fiel Riesch zunächst in den Schnee auf der schweizerischen Lenzerheide, blieb mehrere Sekunden liegen und vergrub ihr Gesicht. Platz 17 in der Abfahrt, sechs Rennen in Serie von Lindsey Vonn bezwungen, erstmals im Jahr 2011 die Führung in der Wertung für die beste Allrounderin abgeben. «Ich dachte, ich kenne sie sehr gut», meinte Alpin-Direktor Wolfgang Maier. «Aber sie hat in den vergangenen Rennen nun auch einmal unter hohem Druck Nerven gezeigt.»

Gerade ihre mentale Nervenstärke, das schnelle Abhaken von Rückschlägen hatten Riesch in ihrer Karriere bislang zu einer Ausnahmestellung verholfen. Bei der WM 2009 im französischen Val d'Isère verpasste sie in den ersten vier Wettbewerben die angepeilte Medaille, um dann im abschließenden Slalom überlegen Gold zu holen. Auch vor dem olympischen Doppel-Gold von Vancouver in der Super-Kombination und im Torlauf misslang der Abfahrtsauftakt gründlich.

Und diese Saison mit zweifachem Bronze bei den Heim-Weltmeisterschaften, während der sie von einer Virusgrippe geplagt wurde, hätte ohne das Happy End wohl insgeheim nicht den eigenen, hohen Ansprüchen entsprochen. Dass der Triumph letztlich durch eine Rennabsage perfekt wurde, war sekundär.

Nun steht sie auch im Weltcup mit den beiden anderen deutschen Doppel-Olympiasiegerinnen Rosi Mittermaier und Katja Seizinger auf einer Stufe. Seizinger war ihr Idol, Mittermaier, «die Mutter vom Felix (Neureuther)». Die beiden deutschen Ski-Asse gingen in den selben Kindergarten und waren in der Grundschule in einer Klasse. «Gold-Rosi» erkannte «unglaubliches Skigefühl» und «gnadenlose Willensstärke» bereits bei der kleinen Maria, die vielleicht ein paar goldene Gene schon in der Wiege liegen hatte. Onkel Wolfgang Zimmerer holte 1972 in Sapporo Gold mit dem Bob.

Bei aller Ernsthaftigkeit für ihren Sport liebt Riesch aber auch die Welt von Glitzer und Glamour. Wer Riesch schon auf dem Promi- Parkett sah, weiß, dass sie auch im Abendkleid eine elegante Figur abgeben kann. Das wird sie sicherlich auch bei ihrer Hochzeit im April, wenn sie ihren Verlobten und Manager Marcus Höfl heiratet. Wie sie danach heißen wird, hat die «Sportlerin des Jahres» noch nicht verraten.

Nicht nur auf dem Weg zum Gesamtweltcupsieg musste Riesch Rückschläge wegstecken. Nach zwei Kreuzbandrissen im Januar und Dezember 2005 erlebte sie die Schattenseiten des Alpin-Sports. Bei der WM 2009 und bei Olympia 2010 erntete sie den Lohn für all die Mühen «und wenn man einmal Doppel-Olympiasiegerin geworden ist, von der Wolke kommt man nie mehr runter, weil das immer bleibt.» Jetzt schwebt sie in Lenzerheide weiter.