Archivierter Artikel vom 09.08.2010, 12:22 Uhr
München

Christine Wenzel: Baby-Auszeit für beste Schützin

Die Beste fehlt am Schießplatz: Christine Wenzel hat bei allen Meisterschaften Medaillen geholt und gilt als derzeit erfolgreichste deutsche Schützin. Bei der Heim-WM in München sitzt sie allerdings nur abseits am Zaun der Wurftauben-Anlage und schießt Fotos – von ihrem Mann.

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Sie ist schwanger. Mit geschultem Blick feuert sie ihren Liebsten an und fiebert mit. «Selber schießen ist nicht so nervenaufreibend wie zuschauen. Immerhin ist man von diesem Sport infiziert», sagte Christine Wenzel, deren Mann Tino am 10. August im Skeet um die Medaillen kämpft.

Für die Olympia-Dritte von Peking 2008 und zweifache Weltmeisterin aus Ibbenbüren, die diese Erfolge noch unter ihren Mädchennamen Brinker holte, kommt die «Auszeit» zum richtigen Zeitpunkt, nachdem sie am 9.9.2009 geheiratet haben. «Das ist eine neue Herausforderung für uns, die wir gerne annehmen. Wir freuen uns riesig, am 10. Oktober ist Termin. Und nach der Mutterpause geht es wieder los. Unser Ziel: Gemeinsam mit Kind und Mann nach London 2012. Das wird mit einem Kindermädchen schon gehen. Andere Schützinnen machen das ja auch», sagte die 29 Jahre alte Wenzel, deren Mann als früherer Entdecker und Lehrmeister nun auch offiziell ihr Heimtrainer ist. Bundestrainer ist nach wie vor Wilhelm Metelmann.

Christine Wenzel ist die Aufsteigerinnen der letzten Jahre im Deutschen Schützen-Bund (DSB). Der rasante Aufstieg hat sie aber nicht abheben lassen. Dazu ist sie zu sehr geerdet, durch ihr Elternhaus, durch ihre Umgebung in Westfalen, wo die Menschen erstmal nicht so viel reden und die Dinge recht trocken zu betrachten pflegen, und durch ihren Ehemann. Denn Tino Wenzel ist die Ruhe in Person. Wenn er spricht, dann zunächst leise, fast vor sich hinbrummelnd. Seine bedachten Worte sind für sie von großer Bedeutung. «Er sieht die Fehler, die ich mache, er hat die Fähigkeit, die Schrotgabe zu verfolgen und damit mir genau zu sagen, wo ich getroffen oder wo ich vorbei geschossen habe.»

Beide kommen aus Ibbenbüren, dem nördlichsten Zipfel von Westfalen, und trainieren auf der etwa 30 Kilometer entfernten Anlage des SSC Schale. Ihr Mann brachte sie auch zum Flintenschießen. Kennengelernt hatten sie sich 2000 auf einer Party, als ihre jeweiligen Cliquen einen gemeinsamen Berührungspunkt fanden. Bis dahin hatte sie sportlich ganz andere Interessen. Sie stand auf Kreisebene bei Schwarz-Weiß Esch im Fußballtor. Es dauerte nicht lange, schon stand sie auf dem Schießplatz, das war 2001. Zwei Jahre später ging die gelernte Arzthelferin als Sportsoldatin zur Bundeswehr. Vom Schießstand hält sie momentan einen Sicherheitsabstand: «Zum Wohle des Kindes stehe ich nie direkt dahinter, sondern immer abseits mit einer entsprechenden Entfernung», sagte sie.