Archivierter Artikel vom 07.07.2010, 18:22 Uhr
Paris

Chanel setzt im Zeichen des Löwen auf junge Kundinnen

Nicht nur die «Gossip Girls» lieben die Couture-Schauen. Trotz weniger Präsentationen bei der Pariser Modewoche (5. bis 8. Juli) gibt es eine neue junge Kundschaft. Chanel setzt auf diese mit Löwenkraft, doch ohne Gebrüll.

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Chanel
Karl Lagerfeld hat bei der Chanel-Show in Paris den Löwen aus dem Käfig gelassen. (Bild: dpa)

Karl Lagerfeld ist in Hochform. Vielleicht liegt es an der gigantisch großen, acht Tonnen schweren Löwenfigur, die für die Schau der Haute-Couture-Kollektion des Chanel-Designers unter der Kuppel des Pariser Grand Palais aufgestellt worden ist. Vielleicht aber auch daran, dass er genau wie einst Coco Chanel selbst bereit ist, sich auch in fortschreitendem Alter stets neu zu verorten.

In jedem Fall zeigte er starke innovative Entwürfe für Herbst/Winter 2010/11 – trotz (oder wegen) seiner nun über 25-jährigen Tätigkeit für das legendäre Luxushaus. Eine neue Silhouette bei Kostümen und Tageskleidern, witzige Accessoires und schicke, kostbar bestickte Cocktailkleider wirkten frisch, jung und energiegeladen.

Chanels typische Tweedkostüme kamen diesmal in satten, dunklen Rot- oder Brauntönen, meist monochrom, mit kurzen Kastenjacken, kombiniert zu schwingenden A-Röcken in neuer Länge bis zur Wade. Einige Jacken waren nur scheinbar taillenkurz: Die Boleroform saß dann auf einer schmalen bis zur Taille gehende schmalen Unterjacke. Softe, goldfarbene Lederstiefeletten mit einer an Löwenmähnen erinnernden «gelockten» Struktur sowie mit Edelsteinen, Perlen und Ketten üppig besetzte Goldarmbänder peppten diesen eher strengen Look auf.

Abends ging es dann in die Vollen: Die Models zeigten schimmernde und schillernde Kleider, ob in Beige mit Borten aus Kristallen und Steinen, in Nachtblau mit Goldornamenten wie auf einem Renaissance-Gemälde oder in Weiß- und Cremetönen, schlauchartig schmal und mit langen Perlenschnüren besetzt. Einziger Haken: Vieles davon steht nur jungen, sehr schlanken Frauen. Wohl fast zum Zeichen dafür saßen viele junge Schauspielerinnen im Publikum: etwa Jessica Alba, die Österreicherin Nora von Waldstätten und die «Gossip Girls» Blake Lively und Leighton Meester.

Trotz der Anspielungen auf die Wildnis kam in dieser Kollektion nichts ungezähmt daher. Selbst die offenen Haarmähnen der Models wirkten perfekt in Form gebracht. «Der Löwe ist ein sehr zivilisiertes Tier», sagte Lagerfeld nach der Schau. Und so stand die Pranke der Löwenfigur auch auf einer Perle: Ein Verweis auf die Eleganz von Coco, die Perlen liebte, und im Übrigen im Sternzeichen des Löwen geboren wurde.

Der Libanese Elie Saab startete in seiner Schau mit granatroten theatralischen Roben mit betonten Schultern, schmaler Taille und Bleistiftröcken. Es folgten lockere Nymphenkleider in Brauntönen und Meergrün mit sehr schönen Drapé-Effekten, gesmokten Volants und feinen Stickereien.

Saabs Entwürfe wirkten dann am Besten, wenn er Glitzereffekte, Spitze oder Pailletten auf einem relativ neutralen Untergrund – etwa Beige oder Pistaziengrün – sparsam einsetzte. Allzu viel Gold oder Silber, wie bei wehenden Roben, deren Oberfläche an schillernde Fisch-Schuppen erinnerte, wirkten leicht gewollt.

Bei Basil Soda gab es eine üppige Kollektion mit drapierten Bustierkleidern, wahlweise in Mini- oder Bodenlänge, die mit von den Phöniziern inspirierten Goldplättchen sowie Versatzstücken der Moderne wie Reißverschlusszähnen geschmückt waren. Die Farben: Schwarz, Schlamm, Weiß, Zartgrau, Ozeanblau und Pink.

Auch wenn diesmal nur 17 Couture-Schauen auf dem offiziellen Programm stehen: Die «Hohe Schneiderkunst» muss nicht ums Überleben fürchten. Neuere unbekannte Couturiers wie Stephane Rolland oder Alexis Mabille ziehen junge Kundinnen an. Und: Auch wenn vielleicht die Zahl der Auftraggeberinnen für maßgeschneiderte, handgefertigte Entwürfe zurückgeht, schwindet nicht unbedingt ihre Kaufkraft.

«Der Typ der Kundin ist heute ganz anders», sagte Lagerfeld. «Früher kauften sie vielleicht ein Kleid. Heute kommen junge Frauen und nehmen gleich 40 Entwürfe.» Ob er damit die Couture oder das preiswertere Prêt-à-Porter meinte, blieb offen.

Website der Pariser Modewoche (engl. / franz.): www.modeaparis.com

Website mit Bildern der Schauen: www.style.com