Archivierter Artikel vom 12.03.2011, 17:08 Uhr

Bundesliga trauert – Judoka werden zurückgeflogen

Tokio (dpa). Schweigeminuten in der Fußball-Bundesliga, eine Rückholaktion für die deutschen Judokas – aber noch keine Absage der Eiskunstlauf-WM: Das verheerende Erdbeben in Japan trifft auch die Sportwelt.

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Schweigeminute
Fußballfans und Mannschaft legen vor Spielbeginn eine Gedenkminute für die Erdbebenopfer ein.
Foto: DPA

Bei den Bundesliga-Spielen FC Bayern München gegen den Hamburger SV sowie VfL Wolfsburg gegen den 1. FC Nürnberg gedachten die Teams mit Trauerflor und einer Minute der Stille der Opfer.

Wolfsburg-Profi Makoto Hasebe stammt aus Japan, seine Verwandten leben etwa 150 Kilometer von Tokio entfernt. Ihnen soll es aber gut gehen. Trainer Pierre Littbarski ist mit einer Japanerin verheiratet. Während seiner Zeit in der J-League hat er in der Millionenstadt Sendai gelebt und gespielt, die in der Nähe des Epizentrums liegt.

Die deutschen Judokas absolvierten zum Zeitpunkt des Erdbebens ein Trainingslager in Japan. Am Sonntag werden die Nationalmannschaften der Männer und Frauen nach Deutschland zurückgeflogen. «Uns geht es gut, obwohl man natürlich beunruhigt ist», sagte Bundestrainer Michael Bazynski. «Die Sache mit dem Reaktor ist der Punkt, an dem man sagen muss: Jetzt sollte man schnellstmöglich weg von hier.»

Die Männer bereiteten sich seit einer Woche in Tenri bei Osaka auf die Europameisterschaften im April vor, die Frauen in Tokio. «Wir sind nicht direkt betroffen, haben aber alles auch live mitgekriegt. Unser Sportzentrum war richtig in Bewegung. Auf dem Parkplatz sind Autos und Busse hin- und hergehüpft. Ich habe mich gewundert, dass nichts kaputt gegangen ist», schilderte Bazynski.

Die Internationale Eislauf-Union (ISU) zögert derweil noch mit einer Absage der Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften vom 21. bis 27. März in Tokio. «Durch die radioaktive Gefährdung der Umgebung von Tokio ist eine neue Situation entstanden, deswegen sind neue Informationen aus Japan nötig», sagte der sichtlich betroffene ISU- Präsident Ottavio Cinquanta am Rande der Eisschnelllauf-WM in Inzell.

Man wolle so schnell wie möglich über die definitive Austragung der Titelkämpfe entscheiden, doch in Absprache mit dem japanischen Eislauf-Verband sei dies erst im Laufe der kommenden Woche möglich. «Wir warten auf präzise Angaben der japanischen Behörden», so Cinquanta. Die Wettkampfhalle Yoyogi Stadium sei unbeschädigt und einige Athleten seien bereits nach Asien geflogen.

Auf die deutschen Sportler trifft das noch nicht zu, aber die sind nach Angaben von Elke Treitz, Vizepräsidentin der Deutschen Eislauf-Union (DEU), sehr nervös. «Das ist ja unverantwortlich, eigentlich muss man jetzt Hilfe leisten und keine Sportler hinschicken», sagte sie am Samstag.

Während der asiatische Fußballverband AFC für die kommende Woche alle Champions-League-Spiele in Japan abgesagt hat, wollen die Skijägerinnen des Landes bei der Biathlon-WM in Chanty-Mansijsk am Sonntag im Staffel-Rennen an den Start gehen. Japans Biathleten kommen fast alle aus Sapporo, sind von der Katastrophe also nicht unmittelbar betroffen. «Wir sind mit dem Herzen dort», sagte ihr Pressesprecher Misao Kodate aber zur Situation in der Heimat.