Archivierter Artikel vom 10.04.2010, 18:08 Uhr

«Brutaler Druck»: Kempter als Referee zurück

Sandhausen (dpa). Erstmals seit Bekanntwerden der Affäre Amerell hat Schiedsrichter Michael Kempter wieder ein Fußballspiel geleitet.

Lesezeit: 2 Minuten

Als er um 12.52 Uhr den Rasen betrat, um sich auf das Drittliga-Spiel zwischen dem SV Sandhausen und Holstein Kiel (1:1) vorzubereiten, waren mehr Journalisten, Fotografen und Kameraleute im Hardtwaldstadion als Zuschauer. «Es war natürlich ein sehr außergewöhnliches Spiel», sagte Kempter. «Es lastete ein brutaler Druck auf mir, weil man als Schiedsrichter immer sein Bestes geben will. Aber vor strittigen Situationen ist eben niemand gefeit, die wird es immer geben. Deshalb bin ich nach Spielende jetzt froh, dass alles gut ging.»

Nach der Partie bekam der 27-Jährige Beifall vom Sandhausener Publikum und anerkennende Schulterklopfer der Spieler. Kempter verließ den Platz mit einem kurzen Lächeln. In diesem Moment sei es ihm eiskalt den Rücken heruntergelaufen, bekannte er später. Gravierende Fehler hatte er in den 90 Minuten auch nicht gemacht, da waren sich Trainer, Spieler und Beobachter einig.

«Und das ist eigentlich das größte Kompliment, das ein Schiedsrichter erhalten kann», meinte Kempter. Die Reaktionen an diesem Nachmittag hatten etwas von der Rückkehr zur «absoluten Normalität», die sich DFB-Präsident Theo Zwanziger am Vortag gewünscht hatte.

Kempter wirft dem ehemaligen Schiedsrichter-Funktionär Manfred Amerell sexuelle Belästigung vor. Der DFB hatte zwischenzeitlich auch ein Verfahren gegen ihn eingeleitet, nachdem eine E-Mail an Amerell bekanntgeworden war, in der er sich abfällig über Bayern München geäußert hatte.

In der Vorwoche hatte der DFB-Kontrollausschuss das Ermittlungsverfahren gegen ihn eingestellt. In die Entscheidung, Kempter das Comeback zu ermöglichen, waren auch der designierte Chef der Schiedsrichterkommission, Herbert Fandel, sowie die ehemaligen Referees Lutz Michael Fröhlich und Hellmut Krug aus der Arbeitsgruppe «Neustrukturierung im Schiedsrichterwesen» eingebunden. «Ich halte die Entscheidung für absolut richtig», hatte Krug betont.

Vor dem Spiel in Sandhausen hatte Kempter noch angespannt im schwarzen Anzug die Interview-Anfragen der Medienschar mit einem kurzen, stummen Kopfschütteln abgelehnt. Die Ordnungskräfte hatten gleichzeitig darauf geachtet, dass niemand der 1370 Besucher provozierende Plakate mit ins Stadion brachte. Nach Angaben des Sandhausener Sicherheitsdienstes hatte niemand etwas dabei.

Auch während der Partie interessierte sich das Publikum mehr für das Spiel als für Kempter. Beleidigungen oder Schmährufe blieben aus. «Wichtig ist für mich nun der Ausblick. Zurück muss man keine Blicke mehr werfen», sagte der Sauldorfer. Und ergänzte: «Für mich zählt, dass ich topfit bin. Ich habe mich auf meine Wiederkehr vorbereitet, wusste aber nicht, wann ich wieder eingesetzt werde. Ich kann nur als Schiedsrichter meine Leistung anbieten und hoffen, dass die dann mit weiteren Spielansetzungen abgefragt wird.»