Archivierter Artikel vom 12.11.2010, 18:24 Uhr

Boy dominiert am Reck – 13 Turnfinals zum Abschied

Stuttgart (dpa). Die vom neuen Turn-Star Philipp Boy angeführten deutschen Turn-Riegen verabschieden sich am Samstag in Stuttgart mit dem Rekordergebnis von 13 Final-Teilnahmen vom bisherigen Weltcup-Modell.

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Seit 1993 gehörte der DTB-Pokal zur unübersichtlichen Serie mit bis zu 20 Veranstaltungen innerhalb von zwei Jahren. Nun soll die Reform der Serie mehr Transparenz bringen. «In der neuen Serie kann man richtig Kohle verdienen. Bis zur WM habe ich das verdrängt, aber jetzt werde ich immer wieder darauf aufmerksam gemacht», meinte Boy, der als Vize-Weltmeister für die neue, nur noch vier Mehrkampf-Turniere in Jacksonville, Glasgow, Tokio und Stuttgart umfassende Serie gesetzt ist. Im Moment haben trotz seines großartigen WM-Erfolges noch nicht viele neue Sponsoren angeklopft. «Aber das kann ja noch kommen», hofft der Cottbuser. Dem Sieger der Weltcup-Serie winkt 2011 ein Jackpot von 100 000 Schweizer Franken, jedes der vier Turniere ist mit 50 000 Franken dotiert.

Am Reck und am Barren zog Boy ins Weltcup-Finale ein, am 14. November trägt er die deutschen Hoffnungen bei der 3. Champions Trophy, dem letzten Testlauf für die neue Mehrkampf-Serie. «Ich hatte in den vergangenen Wochen viele Termine, da hat das Training etwas gelitten», gab Boy zu. Dennoch turnte der WM-Vierte mit 15,50 Punkten den Bestwert am «Königsgerät». «Ich bin damit meinem Ziel, dem ersten Weltcup-Sieg, wieder etwas näher gekommen», meinte er.

«Aber auch in der Trophy werde ich alles geben. Immerhin gibt es dreimal soviel zu verdienen wie bei der WM», sagte der 23-Jährige, der mit dem sicheren Platz im neuen Weltcup seinem Rivalen Fabian Hambüchen, der in Stuttgart wegen einer entzündeten Achillessehne fehlt, einen Schritt voraus ist. Für die Weltcup-Serie sind nur noch die besten acht Mehrkämpfer der WM gesetzt.

Neu ist auch, dass ab 2011 auch die Damen um einen gleichsam dotierten Mehrkampf-Weltcup streiten. Dort muss aber die derzeit beste Deutsche Elisabeth Seitz um eine Teilnahme bangen. Als zwölftbeste Allrounderin der WM muss die 16-jährige Mannheimerin nun auf Absagen der vor ihr liegenden Top-Turnerinnen hoffen. Beim Abschied des Einzel-Weltcups aus Stuttgart überzeugte Seitz mit einer blitzsauberen Barren-Übung, für die sie den Bestwert von 14,600 Punkten kassierte und sich nun auch Hoffnungen auf ihren ersten Weltcup-Sieg machen darf. Am Boden scheint Weltmeisterin Lauren Mitchell (Australien), die Vorkampf-Beste, hingegen für sie ein unüberwindliches Hindernis.

Insgesamt erreichten die deutschen Turnerinnen gegen nicht übermäßig starke Konkurrenz fünf Finalplätze. Die Männer hatten es da schon schwerer, sich gegen Turner aus 31 Nationen zu behaupten. Sie holte dennoch acht Finalplätze. Gleich dreimal (Boden, Ringe, Sprung) ist WM-Teilnehmer Thomas Taranu aus Straubenhardt dabei. Lokalmatador Sebastian Krimmer (Backnang) setzte sich am Barren und Pauschenpferd durch, Robert Weber (Ehmen) feierte mit dem Ringe-Finale ein gutes Comeback nach seinem Kreuzbandriss.