40.000
Aus unserem Archiv
München

Boom bei Zeitarbeit: So bleiben Beschäftigte «kleben»

dpa/tmn

Der wirtschaftliche Aufschwung wird größtenteils mit Aushilfskräften organisiert. Zeitarbeit boomt. Die IG Metall hat nun eine Kampagne dagegen angekündigt. Auch Leiharbeiter selbst können ihre Chance auf eine Übernahme erhöhen.

Zeitarbeit
Jobsuche auf einer Zeitarbeitsmesse: Wer als Leiharbeiter in einer Firma beginnt, sollte sich gut verkaufen. Das kann die Chancen auf eine Übernahme erhöhen. (Bild: dpa)

Viele Zeitarbeiter hoffen darauf, vom Entleiher übernommen zu werden. Um diesen «Klebe-Effekt» zu erzielen, müssen sie sich gut verkaufen können. Denn oft bleibt ihnen nur wenig Zeit, um den Chef von sich zu überzeugen. Dazu reicht es nicht, gute Arbeit abzuliefern – man muss auch darüber reden, sagte die Karriereberaterin Madeleine Leitner aus München. Eine als Sekretärin eingesetzte Zeitarbeiterin dürfe daher nicht nur still und leise ihren Job machen, wenn sie einen bleibenden Eindruck hinterlassen will. Denn ein «graues Mäuschen» habe schlechte Chancen, im Unternehmen «kleben» zu bleiben.

Vielmehr muss sie dafür sorgen, dass sie im Job persönlich wahrgenommen wird: «Ich sollte dem Chef die erledigten Sachen daher nicht einfach nur hinlegen», empfahl Leitner. «Stattdessen drücke ich sie ihm in die Hand und sage zum Beispiel: 'Bitte sehr, ich habe das für Sie erledigt.'» Konkurrenzdenken ist dabei fehl am Platz: So sollten Zeitarbeiter nicht die Ellbogen ausfahren, um sich zu beweisen, warnte Leitner. «Das geht nach hinten los.» Denn wer es sich mit den Kollegen verscherzt, verspielt womöglich seine Übernahmechancen, weil er offensichtlich nicht ins Team passt.

Außerdem sei die Unterstützung der Kollegen eine wichtige Hilfe, um den Chef von sich zu überzeugen. «Wenn die anderen einen mögen, tun die auch etwas für einen», sagte Leitner. Dazu müssten Zeitarbeiter sich den Kollegen gegenüber nicht nur fachlich beweisen. «Es kommt darauf an, einen persönlichen Draht aufzubauen.»

Groß ist die Chance für Leiharbeiter nicht, als reguläre Arbeitskraft übernommen zu werden. So ist die Zeitarbeit nach einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg eher ein «schmaler Steg» als eine breite Brücke zum ersten Arbeitsmarkt. Zwar erhöht sie für Langzeitarbeitslose die Wahrscheinlichkeit, später eine reguläre Beschäftigung zu finden. In einem Zeitraum von zwei Jahren nach der Leiharbeit schaffe es aber nur ein kleiner Teil der zuvor Arbeitslosen, überwiegend beschäftigt zu bleiben und die Zeitarbeit ganz hinter sich zu lassen.

Die meisten Zeitarbeiter sind nur für einige Wochen angestellt. Sie müssten daher rechtzeitig das Gespräch mit dem Chef suchen, empfahl Leitner. Denn am letzten Tag ist es dafür oft zu hektisch. Wer zu früh ankommt, bekommt aber auch schnell eine Abfuhr. Bei einem Einsatz über wenige Monate sei daher sei daher eine Woche vor dem Ende ein guter Zeitpunkt.

Dabei sollten Zeitarbeiter aber nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen. Wer zu forsch nachfragt, ob es Chancen auf eine Übernahme gibt, ernte schnell ein «Nein», erklärte Leitner. Besser sei es, die Suche nach einer regulären Stelle zunächst indirekt anzusprechen. «Ich kann zum Beispiel sagen: 'Wenn Sie mal was hören, denken Sie dann an mich?'» Darauf könne der Chef in jedem Fall eingehen. Ist das Thema dann erst einmal auf dem Tisch ist, lässt sich das Gespräch auch leichter auf die Stellenplanung im Betrieb lenken. Und vielleicht ergibt sich dadurch aus dem unbestimmten «was hören» am Ende sogar ein konkretes Jobangebot.

Zeitarbeit in Zahlen

Frankfurt/Main (dpa) – In Deutschland gibt es derzeit mehr als 660 000 sozialversicherungspflichtige Zeitarbeiter. Dazu kommen noch mindestens 80 000 geringfügig Beschäftigte. Die jüngste geschätzte Zahl der Bundesagentur für Arbeit stammt aus dem Mai. Die Zeitarbeit war im Juli 2008 mit 823 000 Leiharbeitern auf ein Rekordniveau geklettert, danach wieder eingebrochen.

In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der Verleihbetriebe auf 23 400 nahezu verdoppelt. Rund die Hälfte hat weniger als 20 Beschäftigte zu verleihen.

Der typische Arbeitnehmer in der Zeitarbeitsbranche ist ein Mann, der kurzfristig auf Anlernjobs in der Industrie vermittelt wird. Doch der Anteil an Frauen in Dienstleistungsberufen steigt kontinuierlich. Der Männeranteil betrug zuletzt rund 69 Prozent. Größte Abnehmerbranche ist die Metall- und Elektroindustrie.

Zeitarbeiter sind in aller Regel bei ihren Zeitarbeitsfirmen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, es gibt aber auch in stark steigender Tendenz geringfügig Beschäftigte. Neun von zehn Zeitarbeitern arbeiten Vollzeit. Zeitarbeitnehmer unterliegen dem selben Kündigungsschutz wie jeder andere auch.

Zeitarbeit ist ein Milliardengeschäft: Der Beratungsfirma Lünendonk zufolge erwarten die Firmen für 2010 eine Rückkehr in die Regionen des Rekordjahres 2008, als knapp 15 Milliarden Euro umgesetzt wurden. Im Krisenjahr 2009 sanken die Umsätze auf 12,1 Milliarden Euro. Einen großen Teil des Kuchens teilen sich die drei größten Anbieter Randstad, Adecco und Manpower, allesamt Töchter international agierender Unternehmen.

Anzeige
epaper-startseite
Anzeige
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
Das Wetter in der Region
Montag

5°C - 17°C
Dienstag

4°C - 17°C
Mittwoch

6°C - 19°C
Donnerstag

9°C - 23°C

Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

Anzeige
Wirtschaft im nördlichen Rheinland-Pfalz
Event-Kalender
Veranstaltungstipps

Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!