Archivierter Artikel vom 14.09.2010, 21:34 Uhr
Ostrau

Boll-Express im EM-Finale – Ovtcharov verletzt

Der deutsche Tischtennis-Express fährt bei der EM in Ostrau in Richtung Gold. Die Mannschaft um Star-Spieler Timo Boll qualifizierte sich mit einem 3:1-Zittersieg gegen Frankreich zum neunten Mal in der EM-Geschichte für das Finale.

Lesezeit: 2 Minuten
Überragend
Timo Boll returniert einen Ball des Franzosen Emmanuel Lebesson.

Fast wäre der Top-Favorit in Ostrau aus der Spur geraten, doch der überragende Weltranglisten-Zweite Boll behielt gegen die hitzigen Franzosen kühlen Kopf und verhinderte ein sensationelles Aus im Halbfinale. In einer Neuauflage der Endspiele von 2003 und 2008 winkt nun gegen Weißrussland der vierte Titel in Folge.

«Unser Ziel ist die Goldmedaille. Man hat aber gesehen, wie schwer die hier zu holen ist», betonte Herren-Bundestrainer Jörg Roßkopf den Siegeswillen der Auswahl des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB). Die DTTB-Herren haben seit fünf Jahren kein EM-Match verloren, müssen aber wahrscheinlich den angeschlagenen Dimitrij Ovtcharov ersetzen. «Wahrscheinlich ein Sehnenanriss im Sprunggelenk. Ich glaube, das Turnier ist für mich gelaufen», klagte Ovtcharov.

«Wir sind gut drauf, aber man darf sich nie zu sicher sein», erklärte Boll. Der zehnfache Europameister, der in Ostrau noch unbesiegt ist, hatte vor zwei Jahren in St. Petersburg das Spitzeneinzel gegen Weißrusslands Top-Mann Wladimir Samsonow verloren. Dennoch gewann damals die ausgeglichen besetzte DTTB-Vertretung. Samsonow führte sein Team am Dienstag im anderen Halbfinale zu einem 3:1-Sieg gegen Gastgeber Tschechien.

«Ich freue mich total, aber das Endspiel wird kein Selbstgänger», erklärte Ex-Bundestrainer Richard Prause. Er drückte auf der Tribüne in der CEZ-Arena seinem ehemaligen Team und seinem Nachfolger Roßkopf in einem packenden Halbfinale die Daumen. «Jörg macht einen tollen Job», lobte Prause den deutschen Rekordnationalspieler, der die DTTB-Asse auch nach einem 0:1-Rückstand gegen den spielstarken Außenseiter immer wieder motivierte.

«Die Franzosen sind ein klassisches Heißläuferteam», hatte Boll vor dem ersten Aufschlag zurecht gewarnt. Die Auftaktniederlage von Ovtcharov wirkte wie ein Schock. Boll geriet gegen Emmanuel Lebesson mit 0:2-Sätzen in Rückstand, verhinderte aber mit einer Energieleistung eine Niederlage. Christian Süß mit einem Fünf-Satz-Sieg und Boll, der sein zweites Match gegen Adrien Mattenet in vier Sätzen gewann, machten den Finaleinzug perfekt.

Die DTTB-Damen beendeten das EM-Turnier nach einem 2:3 gegen Ungarn und einem 3:0 gegen die Türkei auf Platz sieben. Das war vier Monate nach Sensations-Bronze bei der WM ein Rückschlag. Das bittere Aus im Viertelfinale mit vier ungenutzten Matchbällen gegen Rumänien wirkte nach. «In engen Situationen spielen wir ziemlich stupide, da fehlt uns eine gute Idee. Das ist ein mentales Problem», analysierte Damen-Coach Jörg Bitzigeio. Das Finale erreichten Titelverteidiger Niederlande und Rumänien.