Archivierter Artikel vom 23.01.2014, 15:35 Uhr

Bob-Rennen offen: «Material- und Startschlacht»

Sotschi (dpa). Die deutschen Bob-Teams haben den Start-Rückstand zur Weltspitze aufholen können, von ihrer einstigen Souveränität im Eiskanal sind sie jedoch noch entfernt. Daher scheint der Ausgang der olympischen Rennen in Russland offener denn je.

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Flaggschiff
Der deutsche Viererbob mit Maximilian Arndt, Marko Hübenbecker, Alexander Rödiger und Martin Putze ist Medaillenanwärter.
Foto: Jan-Philipp Strobel – DPA

«In Sotschi wird es eine Material- und Startschlacht», sagte der deutsche Cheftrainer Christoph Langen voraus.

Der Zweierbob-Olympiasieger von 2002 durfte sich nach dem Winterberg-Weltcup zu Jahresbeginn bestätigt fühlen. Seine Piloten hatten sich mit einem beeindruckenden Dreifach-Erfolg im Vierer eindrucksvoll zurückgemeldet. «Wir wollen am Ende der Saison stark sein, nicht am Anfang», meinte Langen. Auch 2006-Olympiasiegerin Sandra Kiriasis, die die Generalprobe in Sotschi vor einem Jahr gewonnen hatte, nährte in Winterberg mit ihrem ersten Saisonsieg Hoffnungen. Cathleen Martini schafft in St. Moritz als Zweite endlich ihren ersten Podestplatz in diesem Winter. In Innsbruck/Igls zog Anja Schneiderheinze als Dritte nach.

Die teilweise schwachen Ergebnisse in Übersee, wo US-Pilot Steven Holcomb alle sieben Rennen disziplinübergreifend gewann, hatte Langen ohnehin nicht überbewertet: Daher erwartete er in den letzten Wochen vor den Rennen in Sotschi eine stetige Steigerung. Bisweilen musste er seine schweren Jungs sogar in ihrem Trainingseifer bremsen. Viererbob-Weltmeister Maximilian Arndt aus Oberhof «trainierte teilweise so hart, dass er schon Probleme mit den Beinen hatte», erklärte Langen.

Seine Zielvorgabe für Sotschi lautet vier Medaillen – davon zwei goldene. 2010 in Vancouver hatte André Lange mit Kevin Kuske Olympia-Gold im Zweierbob geholt und in der Königsklasse hinter Holcomb Silber. Thomas Florschütz – nun mit Kuske im Bob – schaffte Platz zwei im kleinen Schlitten, während die Frauen nach dem Sturz von Cathleen Martini im Finallauf erstmals ohne Medaille geblieben waren.

Beim Weltcup-Finale im Vorjahr in Sotschi hatte Florschütz Platz zwei in beiden Disziplinen geschafft. Daher ist Langens Vorgabe – auch nach den Ergebnissen der WM 2013 in St. Moritz – durchaus realistisch. Zweierbob-Weltmeister Francesco Friedrich schaffte mit zwei zweiten Plätzen in Winterberg endlich auch den Durchbruch mit dem großen Gefährt. Allerdings blieb er in seiner Paradedisziplin Zweierbob bislang ohne Saisonsieg.

Für die erfolgreichste Pilotin der Welt, Sandra Kiriasis, wird es im Februar die letzte Olympia-Teilnahme sein. Die ehemalige Winterbergerin, die nun für den Bobclub Stuttgart Solitude startet, möchte in Russland einen perfekten Abschluss ihrer einzigartigen Karriere erleben. Bis dahin heißt es für sie: «Bloß nicht verletzen und die Zeit bis dahin genießen. Die Bahn in Sotschi fetzt. Da ist alles möglich.»