Archivierter Artikel vom 04.06.2012, 22:35 Uhr

Blut-Manipulations-Affäre: WADA kritisiert NADA

Hamburg (dpa). David Howman, Generaldirektor der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), hat die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) im Zusammenhang mit der Erfurter Blut-Manipulations-Affäre kritisiert.

WADA-Chef
David Howman kritisierte die NADA.
Foto: Jean-Christophe Bott – DPA

In einem Gespräch mit Zeit online und der ARD-Sportschau ging der Neuseeländer auf Distanz zu Aussagen der NADA vom Ende April. Damals hatte die deutsche Agentur unter Berufung auf eine WADA-Mitteilung bekanntgegeben, dass die UV-Bestrahlung von Blut erst seit dem 1. Januar 2011 verboten sei. Die NADA hatte das Schreiben der WADA als «finale Einschätzung» bezeichnet.

Howman warf nun der nationalen Agentur vor, sie habe nicht alle relevanten Informationen nach Montreal in die Zentrale der WADA übermittelt. Sie habe beispielsweise Ermittlungsakten der Erfurter Staatsanwaltschaft «nie zu Gesicht bekommen». Man solle dann «von uns keine Meinung erwarten, wenn man uns so wichtige Informationen vorenthält», sagte Howman. Deshalb sei die damalige Einschätzung der WADA «nichts wert».

Der Sportmediziner Andreas Franke soll am Olympia-Stützpunkt (OSP) Thüringen in Erfurt das Blut von rund 30 Sportlern einer unzulässigen UV-Bestrahlung unterzogen und dann reinfundiert haben – angeblich, um Infekten vorzubeugen. Erst gegen zwei der 30 Athleten hat die NADA Verfahren eingeleitet. Beide möglichen Verstöße gegen Anti-Doping-Bestimmungen beziehen sich auf die Zeit nach dem 1. Januar 2011.