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Ruhpolding

Biathlon und Ruhpolding: Eine gewachsene Liebe

Biathlon und Ruhpolding – das passt. Zum vierten Mal werden im bayrischen «Ruapading» Weltmeisterschaften ausgerichtet. Tausende Fans werden das Biathlon-Mekka in ein Tollhaus verwandeln. Früher war das nicht so – da waren die Biathleten noch Exoten.

Stimmung
Nach Ruhpolding werden die Biathlon-Fans zur WM in Scharen strömen.
Foto: Marc Müller – DPA

1979 kämpften die weltbesten Biathleten erstmals in Ruhpolding um WM-Edelmetall, das mediale Interesse tendierte jedoch gen Null. «Eine Fernsehübertragung gab es nicht, Biathlon war noch nicht so richtig salonfähig, alles war ein wenig amateurhaft», erinnert sich Ruhpoldings Bürgermeister Claus Pichler. 43 Jahre später wird bei der vierten WM der Ausnahmezustand herrschen: Ins Biathlon-Mekka werden weit über 200 000 Zuschauer pilgern, fast 300 Journalisten haben sich akkreditiert, zudem berichten 22 TV- und Radioanstalten über die letzten WM-Rennen von Superstar Magdalena Neuner.

Heute ein Massenspektakel, war das Flair beim Weltchampionat 1979 familiär. Im Stadion bejubelten die 83 Starter aus 23 Nationen fast ausschließlich Verwandte und Bekannte – man war unter sich. «1000 Zuschauer waren vielleicht da», sagte Weißrusslands Damen-Coach Klaus Siebert, der 1979 für die DDR Gold im Einzel und mit der Staffel gewann. Für die Gastgeber gab es nichts holen. In allen – damals nur drei – Wettbewerben trumpften die Rivalen aus dem sozialistischen Osten groß auf. Den Titel über die 10 Kilometer holte der ehemalige Männer-Bundestrainer Frank Ullrich. «Es ist schön, dass wir wieder in Ruhpolding eine WM haben. Da werden Erinnerungen wach», meinte Siebert, der mit Neuner-Kontrahentin Darja Domratschewa eine der aussichtsreichsten Medaillenkandidatinnen im Kader hat.

Sechs Jahre später erlebte der Biathlon seine erste Renaissance. Dank des Olympiasieges 1984 von Peter Angerer (zudem einmal Silber) und der Bronzemedaille in der Staffel (Angerer, Ernst Reiter, Fritz Fischer und Walter Pichler) brach in Deutschland ein erster kleiner Biathlon-Boom aus. Zur zweiten WM in Bayern kamen an drei Wettkampftagen 30 000 Zuschauer ins Stadion am Zirmberg, und das Fernsehen übertrug live. 77 Teilnehmer aus 24 Nationen waren dabei. Doch auch diesmal gingen die Gastgeber ohne Gold nach Hause. In den Einzelrennen siegten der Russe Juri Kaschkarow und Frank Peter Rötsch. In der abschließenden Staffel reichte es für Deutschland hinter Russland und der DDR zu Bronze.

1996 toppten die Ruhpoldinger Ausrichter alles bisher Dagewesene. 88 Herren aus 28 Nationen und 72 Frauen aus 22 Nationen gingen an den Start. Nie zuvor war das Zuschauerinteresse und Medienaufgebot so groß. Über 50 000 Zuschauer strömten an den sieben Wettkampftagen in die Arena. ARD und ZDF meldeten bei ihren Liveübertragungen 17 Millionen Zuschauer, was einem Marktanteil von 28 Prozent entsprach.

Doch die Fans mussten Geduld haben. In den Einzelrennen liefen die deutschen Frauen nur hinterher. Aber in der Staffel schlugen Uschi Disl, Petra Behle, Simone Greiner-Petter-Memm und Katrin Apel zu und holten Gold wie auch beim damals noch ausgetragenen Team-Wettbewerb. Die Männer fuhren «nur» mit Staffel-Silber durch Ricco Gross, Peter Sendel, Frank Luck und Sven Fischer nach Hause. «Dass war genau die Zeit, wo Biathlon angefangen hat, sich zu entwickeln. Da ist Biathlon von einer Randsportart ein Stück weit zum Publikumsrenner geworden. Es ist eine schöne Spirale, die sich nach oben gedreht hat», sagte Groß rückblickend. Seit 1991 wohnt er in Ruhpolding und ist nun mit Gerald Hönig deutscher Frauen-Coach.

Auf die vierten Welttitelkämpfe in seiner Wahlheimat freut sich Groß besonders. «Es wird sicherlich eine ganz tolle Veranstaltung. Wir versuchen vom sportlichen Teil dafür zu sorgen, dass die ganzen Fans auch zu recht die Fahnen schwenken können», sagte der neunmalige Weltmeister. Und Ruhpolding ist bestens vorbereitet für das Rekord-Teilnehmerfeld von über 400 Athleten aus 45 Ländern. Die ChiemgauArena wurde für über 16 Millionen modernisiert – der WM-Slogan verspricht: «Mia san Freunde für immer – we are one family».

Biathlon und Ruhpolding – das gehört zusammen. «Ich spüre in unserem Dorf immer noch, dass mein oft zitierter Ausspruch "Biathlon mog a jeda!" immer noch Gültigkeit hat», sagte Pichler, dessen Bruder Wolfgang als Trainer der Russinnen in seine Heimat zurückkehrt. «Bis zu einer weiteren Bewerbung sollten schon einige Jahre Pause eingelegt werden. Aber andererseits ist eine schöne WM bestimmt die beste Motivation für eine weitere Bewerbung.»

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