Weltcup in Östersund

Biathleten starten in zweiten Corona-Winter

Corona bestimmt auch die neue Saison der Biathleten, Hochfilzen und Oberhof finden ohne Fans statt. Aber erneute Geisterrennen sollen die Skijäger nicht von Erfolgen abhalten. Die könnten rar ausfallen, vor allem bei den Männern nach dem Rücktritt von Olympiasieger Peiffer.

Erik Lesser
Erik Lesser wird beim Weltcup-Auftakt in Östersund am Start sein.
Foto: Anders Wiklund/TT/AP/dpa

Östersund (dpa). Die Prognose von Erik Lesser dürfte nicht jedem Biathlon-Fan gefallen. Eine Staffelmedaille bei Olympia in Peking, drei bis vier Podestplätze im Weltcup und zwei Athleten unter den Top Ten – dann wäre die Saison für das deutsche Männerteam eine gute.

„Man kann keine Luftsprünge erwarten, wir müssen kleine Brötchen backen“, sagte der 33 Jahre alte Routinier vor dem Start des Olympia-Winters der Deutschen Presse-Agentur.

Nach den Rücktritten von Olympiasieger Arnd Peiffer und Simon Schempp wird es für Lesser, Benedikt Doll und Co. angesichts der wie immer starken Konkurrenz noch schwerer mit Podestplätzen. Von Siegen redet keiner. In der Vorsaison hatte Peiffer, der nun als ARD-TV-Experte dabei ist, für den einzigen deutschen Männer-Erfolg und insgesamt fünf Podestplätze gesorgt. „Ich will nicht sagen, dass wir die letzten Jahre nicht erfolgreich waren, wir sind eher auf der Stelle getreten. Vieles wurde kaschiert“, sagte Lesser, dessen letzte Erfolge zweimal WM-Gold 2015 waren. Das Team ist in einem gewissen Umbruch, wie Bundestrainer Mark Kirchner betonte.

Weltcup-Start in Östersund

Am Samstag geht es mit den Einzelrennen (ab 11.45 Uhr/ZDF und Eurosport) los, am Sonntag (ab 11.00 Uhr) folgen die ersten Sprintrennen des Olympia-Winters. Dabei können sich vor allem die Ex-Weltmeisterinnen Denise Herrmann und Franziska Preuß einiges ausrechnen. Preuß (27) holte in der Vorsaison vier, Herrmann drei Podestplätze. Vor allem Preuß war oft nah dran am Sieg, meist fehlte nur ein Treffer: „Ich will da anknüpfen, wo ich das letzte Jahr aufgehört habe. Hoffentlich mit mehr Ausreißern nach ganz vorne.“

Herrmann, kurz vor dem Saisonende noch an einer Gürtelrose erkrankt, will wieder an ihre Laufstärke anknüpfen. „Die letzte Saison war keine leichte. Diese ist einfacher zu planen, weil das Großereignis liegt im Februar. Was bis dahin passiert, ist der Weg zum Ziel, der Mittel zum Zweck“, sagte die 32-Jährige. Vorerst nicht ins Weltcupteam schafften es die Routiniers Maren Hammerschmidt, Franziska Hildebrand und Karolin Horchler.

Während bei den Herren der Norweger Johannes Thingnes Bö seine vierte große Kristallkugel als Gesamtsieger in Serie anstrebt, sind bei den Damen seine Teamkolleginnen Tiril Eckhoff und Marte Olsbu Röiseland vorn zu erwarten. Spannend ist die Frage, ob Sturla Holm Lægreid seinem Teamkollegen Bö wieder so einen großen Kampf liefert wie zuletzt.

Corona-Lage bedroht den Weltcup

Auch in dieser Saison bestimmt Corona die Szenerie. Vor dem Auftakt in Östersund sind 98 Prozent der Teammitglieder, einschließlich Athleten, Trainer, Offizielle und Techniker vollständig geimpft oder kürzlich davon genesen, wie der Weltverband mitteilte. Die restlichen zwei Prozent müssen alle 72 Stunden einen PCR-Test durchführen. Im Deutschen Skiverband liegt die Quote nach Verbandsangaben bei hundert Prozent. Die IBU selbst lässt bei den Veranstaltungen bei den eigenen Mitarbeitern und Offiziellen nur geimpfte Menschen zu.

Eine generelle Impfpflicht würde den coronabedingt „extremen“ Organisationsaufwand deutlich vereinfachen, sagte IBU-Sportdirektor Felix Bitterling (44) der Deutschen Presse-Agentur: „Aber ich bin da mittlerweile relativ emotionslos. Wir müssen sicherstellen, dass die Veranstaltungen sicher sind für alle Beteiligten, dass sie die Grundlage für ihren Lohnerwerb haben. Und die muss so sicher sein, wie sie nur kann.“

Ein zweite Corona-Saison ohne Fans wäre für die IBU als Verband, „der gut gewirtschaftet hat und gut dasteht, teuer, aber das wäre die deutlich bessere Variante als Veranstaltungen abzusagen“, sagte Bitterling. „Wenn ein oder zwei Weltcups ausfallen würden, könnten wir das finanziell wohl aushalten, wenn es mehrere sind, wäre das vor allem finanziell schon hart für unsere Biathlonfamilie.“

Die IBU sei mit ihren Vorkehrungen gut aufgestellt, auch Zuschauer sind bisher – je nach Land unter unterschiedlichen Vorgaben – zumindest nicht kategorisch ausgeschlossen wie in der letzten Saison. „Aber das ist ein Thema, in dem je nach nationalen Maßnahmen extrem viel Bewegung ist“, bekannte Bitterling. Und Corona schlägt gleich wieder zu. Der zweite Weltcup in Hochfilzen findet wegen des Lockdowns in Österreich nun erneut ohne Fans statt wie auch die Rennen in Oberhof Anfang Januar. Beim Saisonstart in Östersund ab Samstag gibt es keine Restriktionen für Fans ebenso wenig wie eine Zuschauerlimitierung.

© dpa-infocom, dpa:211126-99-151485/3

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