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Berthold Beitz – ein Brückenbauer im Sport

Berlin (dpa)- Neben seiner «Lebensaufgabe» Krupp sei der Sport «wichtiges Hobby» gewesen – so hat der am Dienstag verstorbene deutsche Jahrhundertmann die Wirkungsbereiche seines 99 Jahre währenden Lebens beschrieben.

Brückenbauer
Berthold Beitz ist im hohen Alter von 99 Jahren am 30. Juli verstorben.
Foto: Stephanie Pilick – DPA

Es war ein Hobby, das ihn bis ins biblische Alter fit hielt und in die Spitze des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) führte. Dort war der bedeutende Unternehmer, Juden-Retter und Stifter zu einem west-östlichen Brückenbauer geworden. Zu einem Brückenbauer im Kalten Krieg, der den Weltsport lähmte und den olympischen Sport fast an sein Ende brachte.

Zum Sport war Beitz durch Alfried Krupp und Willi Daume gekommen. Der letzte Krupp-Erbe hatte mit seiner Germania III 1936 bei den Olympischen Spielen in Berlin eine Bronzemedaille ersegelt. Mit der Germania VI, der letzten von Alfried 1963 in Kiel erbauten Traditionsyacht des Hauses Krupp, war Beitz zum Großsegler und Stammgast der «Kieler Woche» geworden. Daume, der Gestalter des westdeutschen Nachkriegssports, gewann Beitz als Organisator der olympischen Segel-Regatten 1972 vor Kiel. Und er hatte Beitz im selben Jahr über den damaligen amerikanischen Präsidenten Avery Brundage auch die IOC-Mitgliedschaft besorgt.

Die unmittelbare Nähe zu den gekrönten und ungekrönten Häuptern, die Ergänzung der drei Krupp-Ringe durch die fünf olympischen Ringe, das gefiel dem Herrn Beitz und das schmeichelte ihm auch. Von 1980 an, mit der Übernahme der Präsidentschaft durch den Spanier Juan Antonio Samaranch vom irischen Lord Killanin, begann für ihn eine intensive olympische Zeit. Der Boykott der Spiele in Moskau durch den Westen und der Gegenboykott der Spiele 1984 in Los Angeles durch den Osten brachte Olympia an den Abgrund, das bettelarme IOC stand vor dem Bankrott. Einer wie Beitz war wie geschaffen für das Krisenmanagement, es fand 1984 Ausdruck durch seine Berufung zum Vizepräsidenten.

Als entschiedener Kämpfer für eine westliche Olympia-Teilnahme in Moskau stand Beitz national auf verlorenem Posten. Er, der Mann der Wirtschaft, der Anhänger der Ostpolitik von Willy Brandt, dem in Ost-Berlin und Moskau gleichermaßen Geschätzten, mochte nicht einsehen, warum ausgerechnet der Sport, und nur der Sport als politisches Kampfmittel benutzt werden sollte. Doch Kanzler Helmut Schmidt setzte sich mit seinem Boykottbegehren durch, aus Solidarität mit der westlichen Schutzmacht USA.

Sehr schnell war Beitz klar, dass eine sowjetischer Boykott-Revanche für die Los-Angeles-Spiele unabwendbar sein würde. So konzentrierte er sich darauf, den Schaden zu begrenzen. 1985 nutzte Erich Honecker die IOC-Vollversammlung in Ost-Berlin dazu, die Teilnahme der DDR an den Spielen 1988 in Seoul anzukündigen. Dieses Vorprellen wirkte wie ein Schachzug gegen Moskau mit präjudizierender Wirkung. Der im pommerschen Zemmin geborene Beitz, ein vom DDR-Chef immer wieder gern begrüßter Gast, bewegte dabei die Figuren mit.

Als Mitglied der IOC-Kommission zur Erschließung neuer finanzieller Ressourcen wurde Beitz zu einem Mitschöpfer der Sponsorenprogramme. Die Kommerzialisierung führte aus finanzieller Abhängigkeit, das IOC wurde zu einem Umsatzmilliardär. Die Organisationskosten Olympischer Spiele, zunächst gänzlich getragen vom Steuerbürger, finanzieren sich nun teilweise selbst. Beitz begleitete die Führerschaft von Samaranch mit Respekt und unterstützte auch dessen Vorstellung, dass das IOC für den Sport mehr sein müsse als nur Organisator Olympischer Spiele.

Zugleich sah er sich auch als Korrektor gegen das Übermaß des Spaniers. 1988 endete die IOC-Mitgliedschaft des damals 75-jährigen Krupp-Managers aus Altersgründen. Als lebenslanges Ehrenmitglied und Vorsitzender der Stiftung für das Olympische Museum sammelte er jene 110 Millionen Mark mit ein, mit denen sich Samaranch in Lausanne 1993 ein schönes Denkmal setzten konnte.

Manchmal kann die Nebensache eines «wichtigen Hobbys» auch zu einer Hauptsache werden, verbindende Wirkungen erzielen und das Leben sehr bereichern. Das hat Berthold Beitz mit einem Bekenntnis bei seinem letzten öffentlichen Auftritt im Rahmen des Sports eingeräumt, als ihn die Stiftung Deutsche Sporthilfe 2008 im Berliner Nobelhotel Adlon in die deutsche «Hall of Fame» beförderte. Er habe seine Frau Else auf dem Tennisplatz kennengelernt, berichtete Beitz vergnügt, «da kann man mal sehen, wozu der Sport gut ist».

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