Archivierter Artikel vom 08.07.2010, 17:26 Uhr

Bereits 60 Minuten Sprachförderung helfen Kindern

Garbsen (dpa/lni). Bereits 60 Minuten Sprachförderung in der Woche sorgen bei kleinen Kindern für große Lernerfolge. Dies geht aus einer Studie hervor, in der das Sprachförderprogramm der Region Hannover für Drei- bis Fünfjährige drei Jahre lang untersucht wurde.

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Sprachförderung
Durch Sprachförderung erzielen Kinder große Lernerfolge. Das beweist eine Studie in Niedersachsen. Das hat auch Nordrhein-Westfalen und bemüht sich um eine gezielte Sprachförderung, wie hier in einem Kindergarten in Düsseldorf. (Bild: dpa)

Kinder haben der Studie zufolge nach einem Jahr Förderung bereits erkennbare Fortschritte, nach zwei Jahren verbesserte sich ihre Sprache sogar wesentlich. «Es wirkt umso besser, je länger die Kinder Sprachförderung bekommen», sagte Erwin Jordan, Sozialdezernent der Region.

Auch das Interesse an der Lektüre von Büchern ist bei den geförderten Kindern laut Studie deutlich gestiegen. In den untersuchten Bereichen, darunter schreiben, verstehen und sprechen, würden jüngere Kinder größere Fortschritte als ältere Kinder machen. Die Förderung sollte deshalb in möglichst jungen Jahren beginnen, erklärt die bei der Studie durchführende Beratergruppe. Weiterhin stellten die Experten fest, dass Mädchen etwas stärker von der Förderung profitieren als Jungen.

Das Förderprogramm richtet sich sowohl an Kinder aus Migrantenfamilien als auch an Sprösslinge aus armen Familien. Ihre Sprachkompetenz wird zu Beginn der Förderung als «dramatisch schlechter» als bei durchschnittlich gebildeten Kindern aus Deutschland eingestuft. Nur 9 Prozent der Kinder aus armen Familien zählen zu den Leistungsstarken, bei den Migrantenkinder sind es dagegen 45 Prozent. Bei den deutschen Kindern sind es 50 Prozent.

Nach zwei Jahren Förderdauer gehören sogar schon 67 Prozent der Migrantenkinder zu den Leistungsstarken. Dagegen liegen die Kinder armer Eltern mit 27 Prozent noch immer deutlich hinten.

Für viele Kinder ist die deutsche Sprache eine ganz besondere Herausforderung. «Kinder mit Migrationshintergrund haben keine Sprachprobleme, sondern sie müssen eine neue Sprache lernen», sagte Ingrid Niehoff, Leiterin der Sprachförderung in Kindertagesstätten in der Region Hannover. Ein Großteil der Kinder höre und spreche die deutsche Sprache in der Kindertagesstätte zum ersten Mal. Niehoff hält die ausländischen Eltern mit mangelnden Deutschkenntnissen trotzdem dazu an, zu Hause ihre Heimatsprache zu sprechen. «Sonst lernt das Kind die grammatischen Strukturen einer Sprache nicht sicher.»

Trotz der deutschen Muttersprache ist fehlende Kommunikation im Elternhaus ein großes Problem für die Kinder aus armen Verhältnissen. Die Kinder würden dort häufig wegen fehlendem Spielzeug und mangelnder Beschäftigung kaum sprachlich gefordert und gefördert.

Mit 1323 Kindern nehmen rund ein Drittel der Kinder an Kindertageseinrichtungen die Sprachförderung teil. Die Förderung erreicht aber nicht alle Kinder im Land. 2009 gingen immerhin 24 Prozent der Kinder mit Migrationshintergrund und 10 Prozent der Kinder mit deutschen Wurzeln weder in einen Kindergarten noch in eine vergleichbare Bildungseinrichtung, stellte die Bertelsmann Stiftung in ihrem Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme fest. Damit liege das Land bei den Migrantenkindern acht Prozent hinter dem Bundesdurchschnitt von 84 Prozent.

An dem Sprachförderprogramm der Region Hannover beteiligten sich laut der Region Hannover im vergangenen Kindergartenjahr 59 Kindertageseinrichtungen. Die Region finanziert das Projekt seit 2008 mit jährlich 250 000 Euro. Etwa die gleiche Summe wird vom Land gezahlt. Insgesamt investiert Niedersachsen laut Kultusministerium rund 15 Millionen Euro in die Sprachförderung vor der Einschulung.