Marcus-H

Komödie

„Beckenrand-Sheriff“: Milan Peschel als schräger Bademeister

-Rosenmüller-Filme bestechen oft durch einen witzigen wie romantischen Blick auf deutsche Eigenheiten. Das ist auch in seinem neuen Werk so.

«Beckendrand Sheriff»
Keine Frage, wer hier der Chef ist: Der «Beckendrand Sheriff» Karl (Milan Peschel).
Foto: -/Leonine/dpa

München (dpa). Solche Bademeister gibt es wohl in fast jedem Schwimmbad. Pedantisch, nörgelig und immer gern für eine strenge Lautsprecher-Ansage zu haben. Auch Karl Kruse (Milan Peschel) ist so einer.

Er öffnet sein Freibad erst Punkt 9.00 Uhr und keine Sekunde früher, verbietet im sonst leeren Becken dem Dauergast das Kraulen auf Bahn sechs und holt den ängstlichen Doch-Nicht-Springer (Rick Kavanian) eigenhändig vom Fünf-Meter-Turm. Ist ja schließlich ein Sprung- und kein Stehturm. Dieser Freibad-Chef steht im Mittelpunkt der neuen Komödie „Beckenrand Sheriff“ von Marcus H. Rosenmüller („Wer früher stirbt ist länger tot“).

Die besticht – wie so oft bei Rosenmüllers Filmen – durch einen liebevoll-satirischen Blick auf die Eigenarten der Deutschen, der Bayern, der Gesellschaft. Dabei punktet sie nicht nur mit dem tollen Hauptdarsteller, der den Bade-, äh Schwimmmeister bis zum kleinsten Augenzucken wunderbar spielt, sondern auch durch die bis in die kleinste Nebenrolle perfekt besetzten Side-Kicks.

„Beckenrand Sheriff“ nimmt allerdings deutlich mehr in den Fokus als den grantigen Schwimmmeister. Denn das ziemlich marode Freibad soll abgerissen werden, damit auf dem Gelände neue Häuser entstehen können. Ein Bürgerbegehren mit 600 Unterschriften könnte helfen, blöderweise hat sich Kruse zuletzt mit seinen Eigenarten eher wenig Freunde gemacht. Nur die leicht burschikose und rigorose Wasserball-Trainerin Frau Wilhelm (erfrischend anders: Johanna Wokalek) ist von dem Perfektionisten angetan.

Und dann ist da auch noch der nigerianische Flüchtling Sali (Dimitri Abold). Der kann noch nicht einmal schwimmen, will aber trotzdem im Schwimmbad mithelfen – um die heimlich im Freibad trainierende Lisa (Sarah Mahita) sehen zu können. Ausgerechnet ihr Vater (Sebastian Bezzel) ist zudem der Bau-Löwe, der die Häuser auf Freibad-Grund errichten will. Am Ende müssen sie alle Grenzen überwinden, um Liebe, Freundschaft, Heimat und Familie entdecken oder beschützen zu können.

Dieser Film macht einfach Spaß. Das liegt nicht nur an den Schauspielern, sondern auch an den Bildern. Fast schon romantisch zeichnet Rosenmüller die Freibad-Idylle nach und schaut zudem leicht überzeichnet und ohne ins Lächerliche abzudriften in den Alltag der Normalos der bayerischen Idylle. Dabei klingen auch leichte politische Töne in Sachen Gentrifizierung oder Flüchtlingskrise an. Gedreht wurde im Freibad von Pleystein im Osten von Bayern, unweit der Grenze nach Tschechien sowie in Weiden, Mühldorf am Inn und Waldkraiburg.

Außerdem begeistern in dem Heimat-Film nach dem Drehbuch von Marcus Pfeiffer die kleinen Witze am Wegesrand. Die quietschenden Badelatschen des Schwimmmeisters auf seiner „Alles muss perfekt sein“-Runde, die Pistole tragende, taffe Bürgermeisterin, die Puzzle-Leidenschaft der Wasserball-Trainerin, das strenge Polizisten-Duo, die kleinen Regungen und Bewegungen der Darsteller – wer den Humor der Rosenmüller-Filme bislang mochte, dürfte auch bei „Beckenrand Sheriff“ viel Freude haben.

- Beckenrand Sheriff, 2021, Deutschland, 114 Minuten, FSK 6, von Marcus H. Rosenmüller, mit Milan Peschel, Dimitri Abold, Sebastian Bezzel, Rick Kavanian, Gisela Schneeberger, Johanna Wokalek, Sarah Mahita, Frederic Linkemann

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Trailer zum Film “Beckenrand Sheriff"