Archivierter Artikel vom 02.03.2012, 16:10 Uhr
Frankfurt/Main

Beckenbauers Freund: Der neue DFB-Präsident Niersbach

Seinen ersten Auftritt als DFB-Chef meisterte Wolfgang Niersbach mit sehr viel Humor. «Ich weiß gar nicht, ob du dich freust, wenn er jetzt mehr zu Hause ist», sagte der 61-Jährige zur Ehefrau des scheidenden Präsidenten Theo Zwanziger.

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Gute Freunde
Bei der WM 1990 war Wolfgang Niersbach (l) DFB-Sprecher für die Mannschaft von Teamchef Franz Beckenbauer.
Foto: Oliver Multhaup – DPA

Nach einem Abschieds-Videobeitrag sagte Niersbach: «In dem Video über Theo Zwanziger hieß es, er ist bekennender Frauen-Fan. Tja, das bin ich auch. Das Wort Fußball kam da gar nicht vor.»

Der Rheinländer Niersbach wurde auf dem Außerordentlichen Bundestag einstimmig zum elften Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes gewählt. Der gelernte Journalist und frühere DFB-Pressesprecher hat nun eines der wichtigsten Ämter im deutschen Sport inne. «Das ist ein großer Moment für mich. Ich sage mit einem großen Dankeschön, dass ich die Wahl annehme», erklärte Niersbach um 15.15 Uhr, als im großen Sitzungssaal eines Frankfurter Flughafenhotels die Wahl in den DFB-Chefsessel vollzogen war.

Niersbach nennt Günter Netzer, UEFA-Präsident Michel Platini und vor allem Franz Beckenbauer enge Freunde. «Er ist in meinen Augen der Beste», sagte Beckenbauer, als Niersbach erstmals als möglicher Zwanziger-Nachfolger gehandelt wurde. Der DFB bekomme einen «sehr weltmännischen Boss», übermittelte der «Kaiser» via «Bild»-Zeitung. Niersbach gilt als Motor des größten Sportfachverbandes der Welt, genießt bei UEFA und FIFA großes Ansehen und hat ein hohes Standing bei der Deutschen Fußball Liga (DFL).

Als Beckenbauer mit der Nationalmannschaft 1990 Weltmeister wurde, war Niersbach DFB-Mediendirektor. Und als Beckenbauer als höchster Repräsentant des WM-Gastgebers 2006 glänzte, wirbelte Niersbach im Hintergrund als geschäftsführender Vizepräsident und Pressechef des Organisationskomitees. Er hat das «Sommermärchen» mit seinen Ideen, seinen Kontakten zu Sponsoren und zum internationalen Fußball maßgeblich geprägt.

Im Oktober 2007 wurde der in Nettesheim bei Düsseldorf geborene Manager als Nachfolger von Horst R. Schmidt DFB-Generalsekretär. «Ich bin in vielerlei Hinsicht ein Quer- oder Seiteneinsteiger. Einer, der sich diesem DFB seit 24 Jahren mit Haut und Haaren verschrieben hat», sagte Niersbach.

Seit 38 Jahren ist er im Geschäft, angefangen hat er als Sportjournalist. Kaum einer erlebte den Wandel im Fußball so hautnah mit. «Mein Ding ist Teamwork, ich bin ein Mannschaftsspieler», sagte Niersbach in seiner Grundsatzansprache und gab als Prämisse seines Führungsstils aus: «Ich war nie Revolutionär oder Revoluzzer.»