Archivierter Artikel vom 14.01.2010, 12:20 Uhr

Bayern lockt Spitze – Van Gaal: «Angst verbreiten»

München (dpa). Gleich beim Neustart lockt Platz eins, aber bei der Jagd auf Herbstmeister Bayer Leverkusen wollen die großen Bayern gegen die Emporkömmlinge aus Hoffenheim mehr als die Tabellenführung für eine Nacht.

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Vorfreude?
Louis van Gaal (r) lacht beim Training mit Torhüter Hans-Jörg Butt.
Foto: DPA

«Wir können bestätigen, was wir am Ende der Hinrunde geleistet haben. Das wäre auch psychologisch wichtig. Wir können ein bisschen Angst verbreiten», verkündete Trainer Louis van Gaal vor dem Rückrunden-Eröffnungsspiel der Fußball-Bundesliga am 15. Januar an die Adresse der Titel-Konkurrenten.

Ein Spielball der Münchner, die bis auf ihr Dauer-Sorgenkind Franck Ribéry in Bestbesetzung auflaufen können, möchten die ersatzgeschwächten Hoffenheimer in der Allianz Arena aber nicht sein. «Es wäre keine Überraschung, wenn wir gewinnen», tönte Torhüter Timo Hildebrand und versicherte: «Auch die 15 Tore der Bayern in den letzten vier Spielen machen mir keine Angst.»

An den Hinrunden-Schlussspurt mit vier Siegen will der FC Bayern nahtlos anknüpfen nach der nur vierwöchigen Winterpause. «Es gilt jetzt für unsere Mannschaft, da weiter zu machen, wo sie im Dezember mit der erfolgreichen Serie aufgehört hat», forderte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. «Wir haben nicht viel Spiel-Rhythmus verloren», glaubt Ivica Olic. Der Stürmer gab aber zu, dass die Umstellung vom sommerlich warmen Trainingslager-Wetter in Dubai auf Schnee und Minusgrade im winterlichen München «schwer war».

Dass der Favorit womöglich noch nicht ganz winterfest sein könnte, hoffen die Hoffenheimer. «Die Bayern müssen schließlich 25 Grad Temperaturunterschied verkraften», gab Nationalspieler Andreas Beck zu bedenken. Die Nordbadener selbst sind kältefest nach der Vorbereitung daheim, und Trainer Ralf Rangnick sieht seine Mannschaft wieder in der Spur: «Vieles stimmt in der Truppe.» Ihm fehlen jedoch beim Start der gesperrte Luiz Gustavo sowie die Afrika-Cup-Teilnehmer Isaac Vorsah und Chinedu Obasi. Zudem plagen Regisseur Carlos Eduardo Patellasehnen-Probleme.

Wirklich geschwächt sieht van Gaal den Gegner aber nicht: «Hoffenheim hat sehr gute Spieler, verschiedene könnten auch bei Bayern München spielen.» Namen nannte er nicht, das übernahm Nationalspieler Bastian Schweinsteiger: «Hoffenheim hat Spieler mit Extraklasse wie Carlos Eduardo, Ibisevic, Demba Ba.»

Ein Makel der Hinrunde war, dass der Tabellensiebte gegen keines der Top-Teams gewinnen konnte. «Wir müssen endlich kapieren, dass es nicht geht, nur schönen Fußball zu spielen», mahnte Abwehrrecke Josip Simunic. Die Bayern wollen unbedingt die Möglichkeit nützen, mit einem Sieg Erster zu werden. Seit 51 Spieltagen führen die Münchner die Liga nicht mehr an, nur Ende 2008 waren sie ebenfalls mal für eine Nacht Spitzenreiter. «Es wäre schon gut, wenn wir für einen Tag oben stehen», sagte van Gaal. «Wichtig ist, am Ende oben zu sein», bemerkte jedoch Nationalspieler Philipp Lahm.

«Unser Ziel ist die Meisterschaft», erklärte van Gaal, der ohne Ballast wie den ausgeliehenen Weltmeister Luca Toni eine krisenfreie Rückrunde auch für sich selbst erhofft. Ballverlagerung, Tempo und das Zusammenwirken zwischen Flankengeber und Stürmer sind Dinge, die noch verbesserungswürdig seien, sagte er.

Sein größter Sorgenfall bleibt Ribéry: Der Franzose soll aber kommende Woche in Bremen sein Comeback feiern. Gegen Hoffenheim muss Arjen Robben noch allein auf den Flügeln wirbeln, der Niederländer ist nach seiner Fußblessur rechtzeitig fit geworden, wie van Gaal am Donnerstag berichtete. «Wir sind noch nicht top, aber viel besser als am Anfang», sagte Robben vor dem Start 2010: «Ich habe viel Lust auf die zweite Saisonhälfte.»

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Bayern München: Butt – Lahm, van Buyten, Demichelis, Badstuber – Robben, van Bommel, Schweinsteiger, Müller – Gomez, Olic

1899 Hoffenheim: Hildebrand – Beck, Simunic, Compper, Ibertsberger – Zuculini, Salihovic, Eduardo (Vukcevic) – Maicosuel, Ibisevic, Ba

Schiedsrichter: Kinhöfer (Herne)