Archivierter Artikel vom 18.01.2021, 04:48 Uhr

Bundesliga-Tabellenführer

Bayern auch dank Triple-Tugend Wintermeister

Der FC Bayern wird zu 87,5 Prozent wieder Meister – zumindest wenn man das bisherige Abschneiden nach Platz eins in den Hinrunden zum Maßstab nimmt. Auf Lewandowskis Tore und Müllers Vorlagen bleibt Verlass. Vorstand Kahn bekräftigt die Linie bei Wintertransfers.

Torschütze Müller
Bayerns Robert Lewandowski (l-r), Thomas Müller und Leroy Sane jubeln über das Tor zur 2:1-Führung gegen den SC Freiburg.
Foto: Sven Hoppe/dpa

München (dpa). Eine Triple-Tugend lebt bei Wintermeister FC Bayern wieder auf. Hansi Flick freute sich bei der erfolgreichen Reaktion nach dem „brutalen Weckruf“ im Pokal nicht nur über die Tore von Rekordmann Robert Lewandowski und Vorlagenkönig Thomas Müller.

Dass es auf dem Platz wieder lautstärker als bei den Pleiten in Kiel und Mönchengladbach zur Sache ging, gefiel dem Münchner Trainer ebenfalls. „Genau so stelle ich mir das vor“, sagte Flick über eine Stärke seiner Geister-Champions im Vorjahr. „Das war gutes Coaching zwischen den Spielern. Das war genau die richtige Entwicklung.“

Das wegen eines Lattentreffers in der Nachspielzeit erzitterte 2:1 über den SC Freiburg taugte zwar nicht zum großen Befreiungsschlag nach schwierigen Tagen. Doch angesichts eines Vorsprungs von vier Punkten auf Leipzig als erstem Verfolger bringt der Erfolg etwas Ruhe beim vorzeitig als Hinrundenmeister feststehenden FC Bayern zurück.

„Es ist schon gut, dass wir uns die vier Punkte Vorsprung erarbeitet haben. Gerade in dieser Phase ist das ganz enorm wichtig“, sagte Flick. Zum 24. Mal insgesamt und wie zuletzt 2018 stehen die Münchner zum Hinrunden-Ende oben. 21 Mal feierten die Bayern-Stars am Saisonende danach mit der Schale. Nur von Mönchengladbach (1971), Bremen (1993) und Dortmund (2012) wurden sie noch abgefangen.

„Mich interessiert die Konkurrenz aktuell nicht“, sagte Flick. „Abgerechnet wird eh zum Schluss.“ Das gilt auch für Lewandowski, der den legendären Gerd-Müller-Rekord von 40 Toren in einer Saison jagt. Vor dem 1:0 bekam der Weltfußballer fast schon wie gewohnt von Müller die Vorlage serviert. Insgesamt ist Müller mit 125 Vorlagen die Nummer 1 in dieser Bundesliga-Statistik. Lewandowski baute seine Bestmarke auf 21 Hinrunden-Tore aus, das gelang nicht einmal Gerd Müller. „Es ist eine unglaubliche Quote“, staunte der zufriedene Teamkollege Leon Goretzka. „Es war auch aufgrund der Ergebnisse der Konkurrenz ganz wichtig, dass wir unser Spiel positiv gestalten.“

Der Reset-Knopf ist vier Monate nach der Triplekür gedrückt, zur Titelform des Triumphjahres fehlt den Bayern aber noch einiges. „Das war alles klasse, aber Fußball ist ein Tagesgeschäft und wir befinden uns im Hier und Jetzt“, betonte Vorstand Oliver Kahn. „Wir sind Bayern München und deswegen verpflichtet, in jeder Saison so erfolgreich wie möglich zu sein.“ Das soll mit dem aktuellen Aufgebot gelingen, wie der designierte Vorstandschef bekräftigte. „Wir sind voll überzeugt von diesem Kader und beschäftigen uns deswegen im Moment auch überhaupt nicht mit irgendwelchen Wintertransfers.“

Flick, der gegen Freiburg auf die Neuzugänge Bouna Sarr und Douglas Costa im Spieltagskader verzichtete, gefielen Einsatz, Laufbereitschaft und Zweikampfverhalten. Besserungsbedarf mahnte er beim Torabschluss und bei der Balance an, auch die wieder einmal überwundene Defensive muss sich weiter bessern. Wenngleich das Gegentor durch Nils Petersen nach einem Eckball und nicht nach dem Muster der Gegentore in den Vorwochen fiel.

„Wir wollen wieder dominanter spielen und uns das Leben nicht ganz so schwer machen“, sagte Flick. „Da gehört eine Entwicklung dazu, das kann man nicht von Heute auf Morgen mit einem einfachen Schalter ein- und ausschalten.“ Spätestens im Achtelfinale der Champions League gegen Lazio Rom am 23. Februar und 17. März soll der Titelverteidiger zum alten Selbstverständnis zurückgefunden haben.

Erstmal will Flick aber mit seinem Starensemble in der Liga nachlegen, in der am Mittwoch das letzte Hinrunden-Spiel beim FC Augsburg aussteht. „Wir sind auf einem guten Weg und es geht darum, dass wir diesen Weg weiter bestreiten und in den Spielen gegen Augsburg und Schalke noch mal einen Tick an unserer Leistung drehen“, forderte der 55-Jährige.

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