20 Jahre Friedwald

Baumbestattungen liegen im Trend

Vor 20 Jahren wurde im Norden Hessens der erste Friedwald eröffnet. Die zwei größten Anbieter von Bestattungswäldern haben inzwischen bundesweit mehr als 150 Standorte gegründet.

Friedrichsweg
Im Friedwald gibt es keine Toiletten und die Wege sind oft unbefestigt. Infrastrukturell bietet der konventionelle Friedhof vor allem für ältere Menschen Vorteile.
Foto: Swen Pförtner/dpa

Kassel (dpa). Ein Grab mitten im Wald, naturnah, ruhig und pflegeleicht – Bestattungswälder werden als letzte Ruhestätte immer beliebter. Seit 20 Jahren gibt es das Angebot der Waldbestattung in Deutschland.

Friedwald Reinhardswald
Blick in den Friedwald Reinhardswald in Nordhessen. Ein Grab mitten im Wald, naturnah, ruhig und pflegeleicht. Diese Ruhestätte wird immer beliebter.
Foto: Swen Pförtner/dpa

Den ersten Wald dieser Art in Deutschland gründete die Darmstädter Friedwald GmbH am 7. November 2001 im Reinhardswald bei Kassel. „Ich war – im Gegensatz zu einigen Menschen in meinem juristischen Umfeld – fest überzeugt, dass die Idee Zukunft hat und zu den gesellschaftlichen Veränderungen der Zeit passt“, erinnert sich Gründerin und Geschäftsführerin Petra Bach, die von Haus aus Juristin ist.

Friedwald Reinhardswald
Der Schriftzug «FriedWald Reinhardswald» ist auf einem Stück Holz zu lesen. Der Friedwald Reinhardswald war der erste deutsche Bestattungswald und wird am 01.11.2021 20 Jahre alt.
Foto: Swen Pförtner/ – dpa

Nachfrage steigt – immer mehr Friedwälder entstehen

Tatsächlich haben sich Waldbestattungen 20 Jahre später etabliert. Laut einer Studie der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas aus dem Jahr 2019 liegt der Wunsch nach einer Baumbestattung deutschlandweit mit 19 Prozent inzwischen auf Platz zwei der bevorzugten Bestattungsarten. Nur die pflegefreie Beisetzungsform auf einem Friedhof ist mit 21 Prozent bei den Befragten beliebter.

Waldbestattungen machten inzwischen „einen nennenswerten Anteil“ der Bestattungen aus, sagt Pressesprecher Alexander Helbach. Konkrete Zahlen lägen Aeternitas nicht vor, der Trend nehme aber von Jahr zu Jahr spürbar zu und es würden immer mehr Bestattungswälder eröffnet. So betreibt die Friedwald GmbH aktuell bundesweit 76 Standorte. Der zweite große Anbieter in Deutschland, die Ruheforst GmbH aus Erbach im Odenwald, hat bislang 75 Standorte gegründet.

Allein im Friedwald Reinhardswald haben seit seiner Gründung laut Pressesprecherin Carola Wacker-Meister 7950 Beisetzungen stattgefunden. Mehr als 16.100 Menschen haben sich demnach für eine Stätte in dem 116 Hektar oder ungefähr 162 Fußballfelder großen Friedwald entschieden. Sie haben die Wahl zwischen einem Platz ab 490 Euro und einem eigenen Baum ab 2490 Euro. Hinzu kommen laut Wacker-Meister jeweils die Beisetzungskosten in Höhe von derzeit 350 Euro inklusive Graböffnung und -schließung sowie biologisch abbaubarer Urne.

Beweggründe zur Waldbestattung sind vielfältig

Voraussetzung für eine Waldbestattung ist eine Einäscherung. Laut einer Umfrage der RAL Gütegemeinschaft Feuerbestattungsanlagen wurden im Jahr 2019 in Deutschland ohnehin 75 Prozent der Verstorbenen eingeäschert. Vor der Eröffnung durchlaufe jeder Standort aufwendige Genehmigungsverfahren, erklärt Wacker-Meister. „Hier wird durch die verschiedenen Behörden umfänglich geprüft, dass die Beisetzungen von Verstorbenen in biologisch abbaubaren Urnen unbedenklich für das Waldgebiet und die Umwelt sind.“ Die Asche der Verstorbenen gehe – je nach Bodenbeschaffenheit – nach etwa fünf Jahren in den Waldboden über. Bei einer monatlichen Waldführung können sich Interessenten über Kosten, Baumgrabarten, Vorsorgemöglichkeiten und Beisetzungen im Friedwald informieren.

Die Gründe für eine Waldbestattung sind vielfältig: „Während der eine die Nähe zur Natur sucht, wünscht sich die andere eine Alternative zum konfessionellen Friedhof. Ein anderer wiederum möchte seinen Angehörigen ein Grab ohne Pflegeaufwand ermöglichen“, erläutert Wacker-Meister. Denn Grabschmuck und -pflege gibt es in Bestattungswäldern nicht. Lediglich eine kleine Tafel kann am Baumstamm angebracht werden.

Auch die individuellen Gestaltungsmöglichkeiten der Trauerfeier, etwa mit oder ohne kirchlichen Beistand, Trauerredner oder Musik, seien für viele ausschlaggebend, sagt Wacker-Meister. Zwar sind in vielen Ruheforsten oder Friedwäldern Priester bereit, an der Zeremonie teilzunehmen. Die Deutsche Bischofskonferenz allerdings steht Waldbestattungen nach wie vor skeptisch gegenüber, da die Konzeption „zentrale Elemente einer humanen und christlichen Bestattungskultur vermissen“ lasse.

Naturnaher Friedhof – Trend wird auch von Friedhöfen erkannt

Einen Trend zur Waldbestattung bestätigt auch der Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Bestatter, Stephan Neuser. Seit der Wiedervereinigung seien Feuerbestattungen in Deutschland zunehmend beliebter geworden, erläutert er. In der DDR war die Einäscherung die gängige Bestattungsform und wurde vom Staat gefördert, während in der Bundesrepublik die Sargbestattung favorisiert wurde. Im Zuge dieser Entwicklung seien auch alle Unterformen der Einäscherung wie Baumbestattungen beliebter geworden, erklärt Neuser.

Die entfallende Grabpflege sei dabei ein wichtiger Punkt. „Wir leben in einer mobilen Gesellschaft. Viele Angehörige leben weit entfernt und können sich nicht darum kümmern.“ Auch die demografische Entwicklung verstärke den Trend. „Die Menschen werden immer älter und können nicht mehr ohne Weiteres gewährleisten, nach dem Tod eines Angehörigen dessen Grab noch weitere 20 oder 30 Jahre pflegen zu können.“

Diese Entwicklung hätten inzwischen auch die Betreiber herkömmlicher Friedhöfe erkannt und machten entsprechende naturnahe Angebote. Neuser rät dazu, sich bei der Wahl der Bestattungsform gut beraten zu lassen. „Das Für und Wider einer Waldbestattung ist gut abzuwägen“, sagt er. Angehörige sollten sich bewusst sein, dass eine Grabstätte im Wald nicht die Infrastruktur eines Friedhofs biete. „Es gibt im Zweifel keine Wege für Menschen, die beispielsweise auf einen Rollator angewiesen sind. Es gibt vielleicht keine Bänke und Toiletten, kein Wasser.“ Man solle bedenken, dass unter diesen Bedingungen nicht jeder Angehörige ein Grab im Wald aufsuchen könne.

© dpa-infocom, dpa:211022-99-692674/3