Archivierter Artikel vom 23.08.2010, 12:02 Uhr
Dortmund

Ballack will zurück ins DFB-Trikot: Teil des Teams

Seine Mitstreiter trumpften groß auf, doch der Star des Abends blieb weitgehend im Hintergrund – zumindest während der Partie. Erst beim Medienmarathon im Anschluss an das 2:0 von Bayer Leverkusen in Dortmund spielte Michael Ballack seine große Erfahrung aus.

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Rückkehrer
Michael Ballack will wieder Kapitän des DFB-Teams sein.

Konkrete Forderungen an Bundestrainer Joachim Löw, ihn am 27. August in den Kader für die beiden EM-Qualifikationsspiele zu berufen, kamen dem einstigen DFB-Leitwolf nicht über die Lippen. «Ich habe selbst gemerkt, dass noch einiges fehlt», bekannte er selbstkritisch, machte aber aus seinem Wunsch keinen Hehl: «Natürlich wäre ich gern dabei. Ich denke, ich bin ein Teil des Teams.»

Geduldig und lächelnd stellte sich Ballack den vielen Fragen nach seiner Zukunft im Nationaldress. «Wir wollen nicht spekulieren. Ich plane Schritt für Schritt und muss mich erst einmal auf Leverkusen konzentrieren», sagte er im Anschluss an sein erstes Bundesliga-Spiel seit gut vier Jahren. Doch ganz so bescheiden, wie es vordergründig wirkte, war der einstige Profi des FC Chelsea dann doch nicht. Zumindest zwischen den Zeilen machte er Ansprüche geltend: «Bis zu den Länderspielen bleibt noch ein bisschen Zeit. Und die nächsten beiden Partien im Verein bringen mich weiter.»

Harte Wettkampfpraxis soll helfen, die erkennbaren Defizite bis zu den Länderspielen in Belgien (3. September) und gegen Aserbaidschan (7. September) zu beheben. Zwar verlieh der Nationalmannschafts-Kapitän der Leverkusener Defensive mehr Stabilität, setzte aber im Spielaufbau nur wenig Impulse.

Mit nachdenklicher Miene verfolgte Tribünengast Joachim Löw, der seinem einstigen Leitwolf noch vor der Partie per SMS viel Glück gewünscht hatte und in Kürze mit ihm sprechen will, dessen Auftritt. Sky-Experte Franz Beckenbauer riet von einem zu schnellen Ballack-Comeback im DFB-Trikot ab: «Das wäre jetzt zu früh. Er muss richtig fit werden, aber er ist noch nicht richtig fit.»

Jupp Heynckes war weniger kritisch als der ehemalige DFB-Teamchef. Zwar sieht auch er noch Luft nach oben, bewertete den Auftritt seines prominentesten Profis aber insgesamt positiv: «Man merkt ihm an, dass es ihm Spaß macht. Und dass er mit dem Wechsel nach Leverkusen die richtige Entscheidung getroffen hat. Auf Sicht ist er für uns ein großer Gewinn», kommentierte der Bayer-Coach. Demonstrativ stärkte er Ballack den Rücken – nicht nur in der Diskussion um das Kapitänsamt in der Nationalmannschaft: «Für mich war er der beste deutsche Fußballer der vergangenen zehn Jahre.»

Auch ohne Geniestreiche des Neuzugangs untermauerte Bayer seinen Anspruch auf einen Spitzenplatz in der Bundesliga. Der Doppelschlag von Tranquillo Barnetta (19.) und Renato Augusto (22.) bescherte den verdienten Erfolg. Trotz aller Bemühungen der Dortmunder, das Blatt noch zu wenden, geriet der erste Leverkusener Bundesliga-Auftaktsieg seit 2006 nie ernsthaft in Gefahr. Daran hatte Ballack nach Meinung von Heynckes großen Anteil: «Er hat taktisch sehr klug gespielt und für mehr Stabilität gesorgt. Daran sieht man, dass er ein klasse Spieler ist.»