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Berlin

Bahrain-Rennen stellt Formel 1 vor Zerreißprobe

dpa

Die umstrittene Neuansetzung des Bahrain-Rennens stellt die Formel 1 vor eine Zerreißprobe. Die Rennställe sind mächtig verärgert, Sebastian Vettels Teamkollege Mark Webber beklagt moralisches Versagen und der frühere Weltverbandschef Max Mosley fürchtet schwere Konsequenzen.

Kritisch
Formel-1-Fahrer Mark Webber hat Zweifel an der Neuansetzung des Bahrain-Rennens.
Foto: DPA

«Die Entscheidung, das Rennen auszutragen, ist ein Fehler, der nicht vergessen wird und, wenn er nicht aufgehoben wird, die Formel 1 am Ende teuer zu stehen kommt», schrieb Mosley in einer Kolumne für den «Sunday Telegraph».

Sogar Bernie Ecclestone ist sich seiner Sache nicht mehr sicher. «Letztlich müssen wir abwarten, was in Bahrain passiert. Wenn dort Frieden herrscht und keine Probleme sind, nehme ich an, dass sich die Teams damit anfreunden werden», sagte der Formel-1-Boss nach dem einstimmigen Beschluss des Internationalen Automobilverbands FIA eher vorsichtig. Angesichts der immer noch höchst ungewissen Lage im Golfstaat droht eine Hängepartie.

Die Teamvereinigung FOTA kündigte umgehend eine interne Debatte an. Sorgen um die Sicherheit, offene Versicherungsfragen und organisatorische Nöte wegen der Verlängerung der Saison bis in den Dezember lassen am Rande des Großen Preises von Kanada am Sonntag eine hitzige Diskussion erwarten. Red-Bull-Pilot Webber bezweifelt, dass es in dieser Saison tatsächlich ein Wüstenrennen in Bahrain gibt. «Auch wenn eine Entscheidung getroffen wurde, wäre ich sehr überrascht, wenn der Bahrain Grand Prix in diesem Jahr stattfindet», schrieb der Australier auf seiner Internetseite.

Der WM-Dritte übte scharfe Kritik am Motorsport-Weltrat. «Ob man es mag oder nicht, die Formel 1 und der Sport im Allgemeinen können sich ihrer sozialen Verantwortung und dem Gewissen nicht entziehen», befand Webber. Er fühle sich als Sportler unwohl, in Bahrain fahren zu müssen. Es sei nicht der richtige Zeitpunkt für eine Rückkehr in das jüngst von blutigen Unruhen erschütterte Königreich.

Ähnlich argumentierte Mosley. «Mit der Entscheidung, dort zu fahren, wird die Formel 1 zum Komplizen bei dem, was dort geschehen ist. Sie wird für Bahrains Regierung zum Instrument der Unterdrückung», schrieb der Brite auch an die Adresse seines Nachfolgers Jean Todt als FIA-Präsident.

Erst am 1. Juni war der Ausnahmezustand in Bahrain nach mehr als zwei Monaten aufgehoben worden. Danach gab es jedoch angeblich wieder Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten. Auch Menschenrechtler hatten die FIA vor einer Neuansetzung des Rennens gewarnt. Die Entscheidung sei ein «Schlag ins Gesicht», sagte der Chef des Kampagnen-Netzwerks Avaaz, Alex Wilks. Mit einer Online-Petition drängen die Aktivisten die Teams zu einem Boykott.

Ein Startverzicht aller Rennställe in Bahrain erscheint jedoch unwahrscheinlich. Da der Grand Prix in Sachir offiziell zurück im Kalender ist, sind die Teams vertraglich verpflichtet zu fahren. Sonst drohen Strafgelder in Millionenhöhe.

Ohnehin dürfte es kaum zu einer einheitlichen Front kommen. Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali trug als Mitglied des Weltrats das Votum mit. Der FOTA-Vorsitzende Martin Whitmarsh muss zudem als McLaren-Teamchef die Interessen des größten Anteilseigners beachten: des Finanzinvestors Mumtalakat aus Bahrain.

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