Archivierter Artikel vom 03.06.2011, 15:42 Uhr

Bahrain wird nachgeholt – Stress für Vettel & Co

Barcelona (dpa). Weltmeister Sebastian Vettel & Co. müssen sich auf kurze Weihnachtsferien gefasst machen: Gegen den Willen der Formel-1-Teams und trotz heftiger Kritik von Menschenrechtlern wird der Große Preis von Bahrain doch noch in dieser Saison nachgeholt.

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Bahrain
Sebastian Vettel rast im März 2010 beim GP von Bahrain über die Rennstrecke in Sachir.
Foto: DPA

Der Internationale Automobilverband FIA setzte den wegen der politischen Unruhen ausgefallenen Saisonauftakt für den 30. Oktober neu an. Die eigentlich für diesen Termin geplante Formel-1-Premiere in Indien wird nun stattdessen wohl am 11. Dezember als Saisonfinale ausgetragen. Der Motorsport-Weltrat habe in Barcelona einstimmig entschieden, teilte die FIA mit.

Durch die Rückkehr von Bahrain wächst der Rennkalender wieder auf die Rekordzahl von 20 Grand Prix. Die Teams sehen wegen der Verlängerung der Saison jedoch noch Gesprächsbedarf. Vettels Red-Bull-Rennstall und Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug kündigten eine interne Debatte in der Teamvereinigung FOTA an.

Die Bahrain-Offiziellen reagierten dagegen erfreut auf den Erfolg ihrer wochenlangen Lobbyarbeit. «Im Namen von Bahrain danke ich Bernie Ecclestone, Jean Todt und der FIA und dem Rest der Motorsportgemeinde für die Unterstützung und das Verständnis, das sie uns in diesem Jahr entgegengebracht haben», sagte Zayed R. Alzayani, der Chef des Bahrain International Circuit in einer Pressemitteilung.

Zuvor hatte FIA-Vizepräsident Carlos Gracia im Auftrag von Verbandschef Todt eine Reise in den Golfstaat unternommen, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Die Neuansetzung des Rennens sei «ein Weg, um die Bürger des Landes zu einen», teilte die FIA mit. Der Weltverband hatte Bahrain zusammen mit Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone eine Fristverlängerung gewährt. Der Brite beteuerte vor der Sitzung des Weltrats, dass die Entscheidung keine Frage des Geldes sei.

Gleichwohl bedeutet die Neuansetzung des Rennens, das eigentlich für den 13. März geplant gewesen war, dass die Antrittsgage von rund 30 Millionen Euro nun doch in die Taschen des Rechteinhabers CVC und der Teams fließt. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass die Rennställe zum Start in Sachir verpflichtet sind – sonst drohen Strafgelder.

Unmut bei den Teams dürfte auch der voraussichtliche Termin für das Indien-Debüt am dritten Advent auslösen. Die Rennställe waren gegen diese Pläne schon vor der FIA-Entscheidung Sturm gelaufen. Mercedes-Teamchef Ross Brawn hatte ein Grand-Prix-Finale am 11. Dezember als «total inakzeptabel» bezeichnet.

Vor einer Rückkehr nach Bahrain hatte zuvor auch die Menschenrechts-Organisation Human Rights Watch in einem Brief an FIA-Präsident Todt und McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh, Chef der Teamvereinigung FOTA, eindringlich gewarnt. Im Zuge der Unruhen waren auch zahlreiche Mitarbeit des BIC verhaftet worden.

Insgesamt waren 24 Menschen bei den Protesten ums Leben gekommen. Erst am 1. Juni hatte das Königreich den zweieinhalbmonatigen Ausnahmezustand aufgehoben. Vier Oppositionsparteien hatten am Donnerstag das Angebot von König Hamad bin Issa al-Chalifa für einen «nationalen Dialog» begrüßt.

Auch in der PS-Gemeinde mehrten sich zuletzt die Stimmen gegen eine Bahrain-Neuauflage. Vettels Teamkollege Mark Webber twitterte: «Wenn die Menschen in einem Land zu Schaden kommen, gibt es wichtigere Dinge als Sport.» Ex-Weltmeister Damon Hill, Chef des British Racing Drivers Club, hatte gemahnt: «Wenn die Formel 1 in Bahrain fährt, wird sie immer den Schatten tragen, mit repressiven Methoden zum Erhalt von Ordnung verbunden zu werden.»

Ex-FIA-Präsident Max Mosley wurde am Tag der Entscheidung in der «Times» mit den Worten zitiert: «Wenn ich heute noch Präsident wäre, würde die Formel 1 nur über meine Leiche dort fahren. Der Grand Prix würde dann dazu benutzt werden, ein Bild von Bahrain darzustellen, dass einfach falsch ist. Dort anzutreten wäre ein PR-Desaster. Die Sponsoren würden wollen, dass man ihre Schriftzüge wieder entfernt.»

Erklärungsnot hin, Erklärungsnot her: Wie vor der Saison eigentlich geplant, wird der neue Weltmeister in der Rekordzahl von 20 Saisonläufen ermittelt. Vor dem Großen Preis von Kanada in gut einer Woche führt Titelverteidiger Vettel im Red Bull nach fünf Siegen in den ersten sechs Rennen die Gesamtwertung souverän an.