Archivierter Artikel vom 25.08.2010, 12:12 Uhr
Singapur

Bach findet keinen Makel: Exzellente Jugendspiele

Für Thomas Bach sind die Olympischen Jugendspiele in Singapur einen Uraufführung ohne Makel gewesen.

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Thomas Bach findet die Olympischen Jugendspiele klasse.

«Wir haben exzellente Jugendspiele erlebt. Das Konzept ist aufgegangen», resümierte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) einen Tag vor dem Schlusstag. «Den Athleten sind begeisternde Spiele geboten worden», sagte Bach. «Da ist einem das Herz aufgegangen, wie der olympische Geist gelebt wurde.»

Ein Haar in der Suppe der zuvor von zahlreichen internationalen Sportspitzenverbänden mit großen Vorbehalten erwarteten Mini-Olympiade konnte er nicht finden. «Normalerweise gibt es immer jemanden, der etwas blöd findet, hier habe ich niemanden gefunden», meinte der frühere Weltklassefechter. «Wer hier in die Augen der Athleten geschaut hat, weiß, dass es ein Erfolg war.» Dies gelte für die sportlichen Wettbewerbe mit neuen Formaten genauso wie für das üppige Kultur- und Erziehungsprogramm.

Profitieren könnten von dieser Experimentierfreudigkeit die traditionellen Spiele. «Die innovativen Wettkämpfe haben sich bewährt. Es sollte überprüft werden, was für die Olympischen Spiele übertragbar ist», forderte Bach. «Diese Begeisterung würde den Olympischen Spielen gut tun.»

Zu den Neuheiten gehörten eine Art Streetball-Basketball (FIBA33), multinationale Staffeln oder kurvige statt gerade Kurse bei den Kanu-Regatten. Für nicht ausgeschlossen hält Bach sogar eine teilweise Übernahme des pädagogischen Jugendspiele-Programms für die «großen» Spiele: «Ein Versuch wäre es wert.»

Die 70 deutschen Nachwuchssportlerin unter den rund 3600 Athleten aus 204 Ländern zwischen 14 und 18 Jahren haben in Singapur einen olympischen Schnupperkurs erlebt. «Alle nehmen die Motivation mit, dran zu bleiben oder noch eine Schippe draufzulegen», sagte DOSB-Leistungssportdirektor Ulf Tippelt. «Wir sehen diese Athleten auf dem Weg zu Olympischen Spielen, Singapur war da ein Meilenstein.»

Vehement hatte die deutsche Teamführung den Blick auf den täglich in den Zeitungen veröffentlichten Medaillenspiegel verweigert. Die einzelne Leistung sollte gewürdigt werden, nicht der Kampf der Nationen auf Jugend-Ebene. «Mit war es wichtig, dass unser Sportler in der Weltspitze dabei gewesen sind, nicht aber, ob sie eine Medaille gewonnen haben oder nicht», so Tippelt.

Abzuleiten ist aus dem Medaillenspiegel jedoch, dass die großen Sport-Nationen den «kleinen» Spielen höchst unterschiedliche Wichtigkeit beimessen. China, Jugendspiele-Gastgeber 2014 in Nanjing, nahm das Kräftemessen der Talente sehr ernst und stand mit 49 Medaillen (davon 29 Mal Gold) vor Russland (37) einen Tag vor Ende von Mini-Olympia klar auf Rang eins. Sport-Supermacht USA dagegen lag mit gerade viermal Gold und insgesamt 20 Medaillen an elfter Stelle – direkt hinter Aserbaidschan. Mit der gleichen Anzahl an ersten Plätzen gehörte auch Deutschland nicht zu den Top Ten der Nationen.

Bestätigt sich vielleicht schon in Nanjing die Furcht, dass die Jugendspiele mehr und mehr zur Leistungsschau immer jüngerer Athleten werden? «Die Gefahr besteht. Es wird die Aufgabe des IOC und der Verbände sein, zu bestimmen, wohin die Reise geht», meinte Tippelt. «Uns geht es darum, Jugendliche nicht zu früh zu verheizen. Wenn man langfristig Erfolg haben will, sollte man diesen Weg gehen.»