Archivierter Artikel vom 18.05.2010, 12:44 Uhr

Babbel: Hertha nicht mehr Jäger, sondern Gejagter

Berlin (dpa). Ruhig, verbindlich, freundlich – doch der neue Hertha-Trainer Markus Babbel scheut bei der Mission Wiederaufstieg auch nicht vor Härte zurück.

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Gespann
Trainer Markus Babbel (r) und Manager Michael Preetz wollen Hand in Hand arbeiten.

Beim VfB Stuttgart habe er im Umgang mit den Spielern gelernt, «dass man schon mal die Peitsche rausholen muss», sagt der ehemalige Abwehrspieler, der die Berliner in den nächsten zwölf Monaten zurück in die Fußball-Bundesliga führen soll.

Ein unangenehmer Gegenspieler sei Babbel einst gewesen, erklärte Herthas Sport-Geschäftsführer und Ex-Torjäger Michael Preetz bei der Vorstellung. «Das kann ich bestätigen», fügte Babbel hinzu. Von seinem neuen Team, an dem der 37-Jährige und sein einstiger Nationalmannschaftskollege Preetz gemeinsam mit Hochdruck arbeiten, will der Europameister von 1996 eiserne Disziplin verlangen.

Babbel begründete das mit einer ganz anderen Rolle, die nun auf den Absteiger nach der monatelangen, vergeblichen Aufholjagd zukommt. «Die Mannschaft wird gejagt werden. Hertha BSC ist der größte Name in der 2. Liga, alle sind heiß darauf, dass man den ehemaligen Erstligisten schlägt. Man muss sich drauf einstellen, dass man nichts geschenkt bekommt», sagte Babbel.

Damit hatten schon viele Absteiger Probleme. Babbel verlangt daher: «Man muss sich alles knallhart erarbeiten. Das werden wir tun, damit sich die Mannschaft am Saisonende belohnt.» Und ihren Trainer, dessen Vertrag sich nur im Aufstiegsfall um eine Saison verlängert.

Nach 13 Jahren Erstklassigkeit kommen brisante Partien auf das neue Hertha-Team zu, darunter die Stadtmeisterschaft gegen den 1. FC Union und das Derby gegen Energie Cottbus. «Wir müssen darauf vorbereitet sein, größtenteils das Spiel zu machen. Nichtsdestotrotz erwarte ich ein hohes Maß an Disziplin, um die Mission erfolgreich abzuschließen. Das wird ein unglaublich harter Kampf», unterstrich der einstige Bayern- und England-Profi, der auch Demut von seinen Schützlingen vor der schwierigen Aufgabe erwartet.

In die Mannschaft will Babbel schnellstmöglich Korsettstangen einziehen. Linksverteidiger Lewan Kobiaschwili hat schon verlängert, mit Innenverteidiger Roman Hubnik soll in Kürze alles klar sein. Zudem würde Babbel für die Offensive gern Raffael und Adrian Ramos behalten, die allerdings erst die zuweilen raue Gangart in der 2. Liga kennenlernen müssen.

Auf dem Trainingsplatz wird Babbel den Spielern nach ihrem Urlaub ab dem 5. Juli klarmachen, was er verlangt. Bis zum Freitag hält noch Friedhelm Funkel die Profis fit und Babbel sich nach außen zurück. Der Umgang des Clubs mit dem gescheiterten Retter imponierte dem Nachfolger, doch wie schnell sich die Zeiten ändern können, erlebte zuvor der geschasste Fast-Meistertrainer Lucien Favre.