40.000
  • Startseite
  • » Aus purem Spaß am Motorrad - Cafe Racer-Szene am Glemseck 101
  • Aus unserem Archiv
    (Ralf Schütze/SP-X)

    Aus purem Spaß am Motorrad – Cafe Racer-Szene am Glemseck 101

    Cafe Racer bringen frischen Wind in die Motorradbranche. Gerade strömten über 50.000 Fans zum achten „Glemseck 101“ bei Leonberg, wo sich Szene und Mainstream gegenseitig den Gasgriff in die Hand drücken. Die aus England stammende Cafe Racer-Mischung aus puristischen Bikes, schwarzem Leder, Karo-Hemden und Haargel könnte der langersehnte Jungbrunnen für die motorisierte Zweiradbranche sein.

    Beim Glemseck 101 trifft sich die Cafe Racer Szene
    Beim Glemseck 101 trifft sich die Cafe Racer Szene

    Zunehmend lassen nicht nur die heute rund 50jährigen diese Art des Bikens wiederaufleben
    Zunehmend lassen nicht nur die heute rund 50jährigen diese Art des Bikens wiederaufleben

    Viertelmeile-Rennen, Rock'n'Roll und üppig gegeltes Haar: Mit Strömungen wie sogenannten Scramblern und Bobbern, vor allem aber mit „Cafe Racern“ weht eine coole, bunte und frische Brise durch die Motorrad-Szene. Jörg Litzenburger, Initiator des mittlerweile achten Biker-Treffens „Glemseck 101“ bei Leonberg,benannt nach dem Hotel Glemseck an der legendären Solitude-Rennstrecke,  hat die Erklärung parat: „Hier geht’s um den puren Spaß am Bike – wie damals in den 60er Jahren, als in England die Cafe Racer entstanden: Einfach drauflos fahren mit wenig Gepäck und kaum Geld in der Tasche. Dazu schwarzes Leder und Rock'n'Roll statt Koffer und Goretex. Motorradfahren ist cool, und es darf unvernünftig sein.“

    Blindnieten_ heißt die Schnapsglasklasse für junge Fahrer beim Glemseck 101
    Blindnieten_ heißt die Schnapsglasklasse für junge Fahrer beim Glemseck 101

    Zunehmend lassen nicht nur die heute rund 50jährigen diese Art des Bikens wiederaufleben. Laut Litzenburger gibt es in der Szene sehr viele Biker zwischen 20 und Mitte 30: „Die jungen Leute sind bis vor kurzem Skateboard gefahren, jetzt können sie sich relativ leicht einen erschwinglichen Cafe Racer leisten. Und beim Glemseck 101 dürfen sie auch in den Sprints fahren, können Gas geben. Das ist der besondere Reiz an unserer Veranstaltung.“ Einen vertretbaren Grad an Unvernunft kann Litzenburger sehr gut abschätzen, koordiniert er doch hauptberuflich im Landkreis Böblingen die Drogen- und Suchtprävention. Mit Glemseck 101 hat er eine Veranstaltung ins Leben gerufen und seit acht Jahren behutsam vergrößert, die offensichtlich voll den Nerv der Zeit trifft. Das bestätigt Hans-Peter Rütter, der in Deutschland das legendäre, am Glemseck mit einem großen Stand vertretene „Ace Cafe London“ vertritt: „Cafe Racing ist Motorrad pur. Nur Du und das Bike. Ein Motor, ein Lenker, zwei Räder, mehr brauchst Du nicht, um Dich mit Gleichgesinnten von anderen abzugrenzen. Genau das suchen auch immer mehr Kids.“

    Motorradfahren ist cool, und es darf unvernünftig sein
    Motorradfahren ist cool, und es darf unvernünftig sein

    Die Cafe Racer-Szene kennt kaum jemand so gut wie Mark Wilsmore, Wiederbegründer des 75 Jahre alten Ace Cafe in London. Ihn erinnert die heutige Szene an die Aufbruchstimmung und Rebellion nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals hätte die demographische Explosion und die bis dahin ungekannte Möglichkeit, sich unabhängig mit einem Fahrzeug zu bewegen, zur simplen Erkenntnis geführt: „Enjoy!“. Ähnlichen Spaß am Bike merkt man auch heute den Tausenden Besuchern am Glemseck 101 drei Tage lang an. Einige Wochen zuvor hatten Viertelmeile-Rennen zwischen Cafe Racern auch neuen Schwung in die BMW Motorrad Days in Garmisch-Partenkirchen gebracht. Ungewohnte Rockabilly-Musik mischte sich in die gesamte Klangkulisse, schwarzes Leder konkurrierte in den Menschenmengen auffällig mit der neonleuchtenden Protektorenkleidung von heute. Das brachte eine neuartige Leichtigkeit unter die oft traditionsorientierten BMW-Fans.

    Cafe Racer bringen frischen Wind in die Motorradbranche
    Cafe Racer bringen frischen Wind in die Motorradbranche

    Starkes Wachstum erkennt in der Cafe Racer-Szene auch Jo Soppa, Chefredakteur des Fachmagazins MO. „Diese Kultur hat in den sechziger Jahren ihren Ursprung. Und heute  richten ältere wie auch junge Biker wieder hundsnormale Motorräder her, die günstig zu bekommen sind. Die Honda CB 400 ist so ein Beispiel. Die peppen sie vor allem optisch auf in der Ästhetik der Rennmotorräder von damals, weil das einfach schöne Motorräder waren. Wer mit wenig Geld so einen Cafe Racer baut, kann nichts dabei verlieren, sondern gewinnt stattdessen den reinen Spaß am Motorradfahren.“  

    Mit Strömungen wie sogenannten Scramblern und Bobbern, vor allem aber mit „Cafe Racern“ weht eine coole, bun
    Mit Strömungen wie sogenannten Scramblern und Bobbern, vor allem aber mit „Cafe Racern“ weht eine coole, bunte und frische Brise durch die Motorrad-Szene

    Es passt nur allzu gut, dass zu den meistverbauten Motorrädern unter den Cafe Racern die alten Zweiventil-Boxer von BMW gehören. Denn: Auch die großen Motorradhersteller haben längst die Zeichen der Zeit erkannt und bieten neue Cafe Racer ab Werk an. Die Triumph Thruxton mit klassischer Höckersitzbank ist ein Paradebeispiel. Und Marktführer BMW wird schon bald folgen. 2008 stellten die Münchner mit der „Custom Concept“ einen Vorgeschmack auf so ein Motorrad auf die Räder. Später folgte mit der „Concept Ninety“ ein weiterer Appetithappen für die Fans. Eine der treibenden Kräfte: Matthias Runde, verantwortlich für die mittleren Enduros bei BMW und privat passionierter Cafe Racer. Er bringt das Phänomen auf den Punkt: „Diese 'alten Kisten' benötigen vielleicht mehr Zuwendung in der Wartung und Pflege und unter Umständen auch einen engagierteren Einsatz im Fahrbetrieb, als ein modernes Motorrad. Aber genau diesem rauen Charme erliegen viele Motorradfans und seit einiger Zeit auch mehr und mehr junge Motorradfahrer.“

    Aus genau dieser Faszination heraus entstand laut Runde 2008 die Custom Concept, für die BMW „sehr viel positives Feedback“ erhalten habe. Seitdem sei die Traditionsmarke immer wieder aufgefordert worden, tatsächlich etwas in dieser Richtung auf die Beine zu stellen. Und nun sei es bald soweit, verrät Runde: „Wir werden einen klassischen Roadster bringen, der einige Modelle aus unserer 90-jährigen Geschichte zitiert und alle Fans und Kunden ansprechen wird, die auf der Suche nach einem puristischen Motorrad voller Emotionen sind.“

    Glemseck-Chef Jörg Litzenburger betont zwar die außergewöhnlich günstige Situation, in der sich sein Event in Leonberg seit 2006 allmählich entwickeln konnte. Er ist dennoch davon überzeugt, dass solche Veranstaltungen bundesweit auf ähnliche Art die Motorradbranche auffrischen könnten. Vielleicht bringen neue Modelle wie die Mitte Oktober bevorstehende Cafe Racer-BMW entscheidende Impulse, damit sich die neue Freude am puren Motorradfahren erst so richtig breit machen kann.

    Anzeige
    Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

    Onliner vom Dienst
    Eugen Lambrecht
    0261/892448
    Kontakt per Mail
    Fragen zum Abo: 0261/98362000

    epaper-startseite
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    Anzeige
    Das Wetter in der Region
    Dienstag

    8°C - 22°C
    Mittwoch

    10°C - 21°C
    Donnerstag

    13°C - 21°C
    Freitag

    11°C - 17°C

    Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

    Anzeige
    Event-Kalender
    Veranstaltungstipps

    Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!