Archivierter Artikel vom 19.09.2010, 15:38 Uhr
Köln

ARD: Trömer stellt Strafanzeige gegen Köhler

Uwe Trömer, Sprecher des Dopingopfer-Hilfevereins (DOH), will juristisch gegen den ehemaligen Vizepräsidenten des Deutschen Turn- und Sportbundes (DTSB), Thomas Köhler, vorgehen.

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Thomas Köhler das Buch «Zwei Seiten der Medaille» geschrieben.

«Ich werde in den nächsten Tagen bei den Berliner Behörden Strafanzeige gegen Thomas Köhler stellen. Der Grund ist die falsche Darstellung historischer Fakten. Verbunden ist damit eine Verhöhnung der Dopingopfer», sagte Trömer der ARD-Sportschau und der WDR-Sendung «sport inside». Laut Trömer prüfe zudem der DOH derzeit die Möglichkeit einer Sammelklage gegen Köhler.

Der zweimalige Rodel-Olympiasieger Köhler hat in seinem in der vergangenen Woche erschienenen Buch «Zwei Seiten der Medaille» das Staatsdoping in der DDR zugegeben und Minderjährigen-Doping eingeräumt. Von Kinderdoping will er nichts gewusst haben.

Aus einem Strafbefehl gegen Köhler aus dem Jahr 1999, der der ARD vorliegt, gehe allerdings hervor, so die WDR-Pressemitteilung, dass unter den dort aufgeführten zumeist minderjährigen Sportlerinnen sogar eine elfjährige Schwimmerin aus Dresden gewesen sein soll, die Anabolika zur Leistungssteigerung erhalten habe. Köhler habe in 99 Fällen Hilfe geleistet, die Gesundheit von Menschen zu schädigen.

Köhler bestätigte auf Rückfrage die 99 Fälle. Die meisten der aufgeführten Athleten kenne er aber nicht, sondern habe die Namen «nach der Wende aus den Stasi-Akten erfahren». Die Vorwürfe, auch eine elfjährige Schwimmerin sei darunter gewesen, bestreitet er: «In meinem Strafbefehl steht nichts von einer elfjährigen Schwimmerin. Sonst hätte ich etwas dagegen unternommen», sagte Köhler, «ich werde diesen Fall prüfen.»

Nach Köhlers Veröffentlichungen ist die politische Debatte um eine Rente für DDR-Dopingopfer neu entbrannt. Daher fordert der Vizepräsident des Deutschen Bundestags, Wolfgang Thierse (SPD), eine solche Rente. «Das halte ich für absolut angemessen. Dopingopfer sind so wie andere Opfer des DDR-Unrechtssystems Opfer. Das muss man nun anerkennen», sagte Thierse der ARD. «Wir sind dafür, dass die Bundesregierung die Dopingopfer in das Opfer-Entschädigungsgesetz mit einbezieht», bestätigte Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), dem WDR. Bislang waren anerkannte Opfer des DDR-Dopingsystems nach dem Dopingopfer-Hilfegesetz mit Einmalzahlungen abgefunden worden.