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    Berlin

    Altes wieder aufleben lassen – Modeschätze aus alten Zeiten

    Schlaghosen oder Fußkettchen: Jeder hat sie, die Modeperlen der Vergangenheit, an die man sich mit den Freunden bei einem Glas Wein zurückerinnert.

    Tattookette am Hals
    Ein Tattoo am Hals - dank Plastikkette: Einige Jahre war sie verschwunden, jetzt gibt es die Tattoo-Kette wieder zu kaufen.
    Foto: Andrea Warnecke - dpa

    «Weißt du noch, als wir damals alle diese Tattoo-Ketten getragen haben?» Oder: «Erinnert ihr euch noch daran, als wir uns alle Bandanas um den Kopf gebunden haben?»

    Hotpants für den Alltag
    Hotpants wie hier von Rich&Royal sind heute längst alltagstauglich (Pullover und Shorts je ca. 100 Euro).
    Foto: Rich&Royal/Bernhard Frei - dpa

    Diese modische Nostalgie ist unter anderem darin begründet, dass die Gegenwart häufig als glanzlos und schwierig wahrgenommen, die Vergangenheit aber idealisiert wird, sagt Anita Krizanovic, Stylistin aus Berlin. Und das passiert ganz unabhängig davon, in welcher Zeit man eigentlich gerade lebt.

    Trainingsjacke neu aufgelegt
    Immernoch da: Die Trainingsjacke war in den 90ern nicht wegzudenken, Lacoste haucht ihr in gewagten Kombinationen wieder neues Leben ein (Mantel: Preis auf Anfrage, Sportjacke 215 Euro, Hose 175 Euro)
    Foto: dpa

    Aber nicht nur darin liegt die Mode-Nostalgie begründet. Denn meist erinnert man sich an Kleidung und Accessoires, die man als Teenie und als früher Twen trug. Sie sind eben aus einer Zeit, in der man viel erlebt und experimentiert hat, erklärt Inka Müller-Winkelmann, Stilberaterin aus Schildow (Brandenburg). «Da hatte man so seine Sachen, mit denen man Zugehörigkeit demonstrieren wollte.»

    the little black dress
    Das kleine Schwarze - hier eine Variante von Heine - ist ein modisches Evergreen (ca. 70 Euro).
    Foto: Heine - dpa

    Teils waren diese Klamotten auch den damaligen Vorbildern nachempfunden. Daher ist das Erinnern an diese Modeschätze der Vergangenheit auch ein Erinnern an das Lebensgefühl von damals und die emotionale Verbindung mit den Ikonen, sagt Christine Halina Schramm, die an der Internationalen Modeschule Esmod in Berlin Marketing unterrichtet.

    Fußkettchen
    Ein Fußkettchen kann bei Jugendlichen noch schick aussehen - ab einem gewissen Alter läuft man aber Gefahr, dass es albern wirkt.
    Foto: Franziska Gabbert - dpa

    Für die heute 30-Jährigen waren das zum Beispiel die Grunge-Musiker, die sie in ihrer Jugend begleiteten. Sie denken zurück ans klassische Tank Top, an zerschnittene Hosen mit Löchern und an Karo-Hemden. Auch ein Symbol der 90er: die gute alte Trainingsjacke. «Jeder hat sie geliebt», sagt Schramm. Wer heute in den 50ern steckt, hat ganz andere modische Erinnerungen und hütet vielleicht noch diverse Schätze im Schrank. Etwa eine Lederjacke aus rauerem Material, oder Schuhe mit Pfennigabsätzen, beschreibt Schramm.

    Bunte Doc Martens
    Heute tragen Kinder bunte Doc Martens. Früher trugen sie Jugendliche und Erwachsene wegen ihres rebellischen Statements (ca. 90 Euro).
    Foto: Doc Martens - dpa

    Doch nicht nur die individuellen Schätze wecken in der Mode nostalgische Gefühle. Es gibt auch Reminiszenzen an Kleidungsstücke früherer Zeiten, die man eben nicht selbst miterlebt hat, sagt Krizanovic. Es sind dann Erinnerungen an eine Idee, erklärt die Stylistin. So lassen sich die heute 30-Jährigen in ihrer jetzigen Mode gerne von den 70ern und dem Boho-Schick inspirieren.

    Schlaghosen kommen wieder
    Die Schlaghose kommt immer wieder - heute allerdings eher in Denim als in Breitcord - hier von 7 For All Mankind (Mantel 600 Euro, Bluse 260 Euro, Hose 240 Euro).
    Foto: 7 For All Mankind - dpa

    Die Nostalgie macht sich die Branche auch zunutze. So kommen manche Motive und Schnitte immer wieder. Die Mode bringt eigentlich selten Innovationen hervor, sagt Schramm. Sie lebe aus der Kombination von dem Alten mit dem Neuen. Deshalb ist die Schlaghose auch schon mehrfach wieder aufgetaucht. Deshalb sieht man in diesem Sommer auch wieder die Blümchenkleider.

    Was das aber nicht bedeutet: dass die alten Schätze tatsächlich genau in ihrer alten Erscheinungsweise wiederkommen. So wird etwa am Material geschraubt. Eine Schlaghose kommt jetzt seltener als Breitcord-Variante daher, sondern gerne als Denim. Und die Schnitte sind angepasst, sagt Krizanovic.

    So gibt es zwar das Powerdressing für die Frau nach wie vor - aber nicht mit den überdimensionalen Schulterpartien, gibt Krizanovic ein Beispiel. Die guten alten Blümchenkleider sind heute weiter geschnitten, zeichnen eine andere Silhouette. Und waren die Hot Pants in den 70ern noch ein Skandal und gleichzeitig Rebellion für mehr Freiheit, sind sie heute alltagstauglich geworden.

    Und was passiert nun mit den eigenen Modeperlen, die noch im Schrank hängen? Für manche Dinge ist die Zeit tatsächlich einfach abgelaufen, sagt Müller-Winkelmann. So wirken Fußkette und Hüftkette bei Frauen ab 30 schon etwas seltsam, ab 40 seien diese Stücke dann ganz passé. «Man sollte nicht mehr versuchen, auszusehen wie 18», sagt die Stilberaterin. «Das ist albern.» Ist die Zeit für das spezielle Stück aber wiedergekommen, könnten zum Beispiel die eigenen Kinder von den Schätzen im Schrank profitieren.

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