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Adé, ihr schmutzigen Laster – 5x: Elektro-Lkw

Lange Jahre hat die Logistikbranche einen großen Bogen um die E-Mobilität gemacht. Doch es deutet sich ein Durchbruch auch für elektrisch getriebene Nutzfahrzeugen an.

2019 soll der rein elektrisch angetriebene Lastwagen in den USA auf den Markt kommen
2019 soll der rein elektrisch angetriebene Lastwagen in den USA auf den Markt kommen

MAN und das österreichische „Council für nachhaltige Logistik“ (CNL) wollen den Einsatz von E-Lastern in Öst
MAN und das österreichische „Council für nachhaltige Logistik“ (CNL) wollen den Einsatz von E-Lastern in Österreich vorantreiben

Nicht nur im Pkw-Markt dürfte sich in naher Zukunft in Sachen E-Mobilität einiges bewegen, auch die Lkw-Branche befindet sich im Aufbruch. Neben branchenfremden Start-ups haben auch etablierte Nutzfahrzeughersteller Elektrolaster und Zukunftspläne verkündet.

Das Start-up Nikola will Tesla in den USA ab 2021 mit einem Brennstoffzellen-Lkw Konkurrenz machen
Das Start-up Nikola will Tesla in den USA ab 2021 mit einem Brennstoffzellen-Lkw Konkurrenz machen

Die Post hat eine Langversion seines Elektrotransporters Streetscooter entwickelt
Die Post hat eine Langversion seines Elektrotransporters Streetscooter entwickelt

Erst kürzlich sorgte Tesla für großen Wirbel. Der im November offiziell enthüllte Semi Truck könnte bereits ab 2019 die Logistikbranche in den USA ein Stück weit revolutionieren. Der für Lasten bis 36 Tonnen entwickelte Sattelschlepper soll nicht nur Energie und CO2 einsparen, sondern zudem im Unterhalt günstiger als klassische Diesel-Trucks sein. Laut Tesla soll sich der Semi Truck zudem 1,6 Millionen Kilometer quasi pannenfrei einsetzen lassen. Außerdem bietet die Zugmaschine teilautomatisierte Fahroptionen. Die angegebenen technischen Daten und Fahrleistungen sind beeindruckend. So soll die Zugmaschine aus dem Stand auf Tempo 100 nur fünf Sekunden brauchen, mit Hänger sollen es weniger als 20 Sekunden sein. Eine Batterieladung soll für 800 Kilometer reichen, Strom für weitere 640 Kilometer lässt sich in 30 Minuten in die Akkus füllen. Einige Unternehmen in den USA hat das Zahlenspiel jedenfalls so überzeugt, dass sie bereits Bestellungen abgegeben haben. Der US-Ableger von DHL hat 10 Semi Trucks geordert, der Bier-Gigant Anheuser-Busch, der seine CO2-Emissionen bis 2025 um 30 Prozent reduzieren will, hat sogar 40 E-Laster bei Tesla in Auftrag gegeben. Ob sich Teslas Versprechen realisieren lassen, wird in der Branche mit Spannung erwartet.

Ebenfalls aus einem Uni-Projekt heraus entwickelt wurde der Kleinlaster aCar. 2019 soll das Low-Tech-Mobil in den Markt
Ebenfalls aus einem Uni-Projekt heraus entwickelt wurde der Kleinlaster aCar. 2019 soll das Low-Tech-Mobil in den Markt kommen

Ähnlich eindrucksvoll wie der Semi Truck ist der im September vorgestellte Brennstoffzellen-Lkw One des amerikanischen Start-ups Nikola, dessen Serienproduktion für 2021 angekündigt wurde. Nikola arbeitet bei seinem Projekt eng mit dem Zulieferer Bosch zusammen. Die Deutschen steuern unter anderem die Antriebseinheiten in Form der sogenannten E-Achse bei. Diese in Hinblick auf Leistung skalierbare Komponente bündelt Motor, Getriebe, Leistungselektronik und Achse in einem Bauteil. Für seine Zugmaschinen will Nikola Antriebe mit über 1.000 PS und über 2.700 Newtonmeter Drehmoment realisieren. Um sehr hohe Reichweiten zu ermöglichen, werden die Elektrolaster den Strom für den Vortrieb aus Batterien und aus einer Brennstoffzelle beziehen. Im Vergleich zu rein batterieelektrischen Antrieben erlaubt die Brennstoffzelle ein deutliches schnelleres „Aufladen“ und größere Reichweiten. Zwischen 1.300 und 1.900 Kilometer sollen die E-Laster mit einer Ladung kommen. Wie Tesla verspricht auch Nikola den Logistikunternehmen im Vergleich zu Diesel-Lkw deutlich bessere Fahrleistungen, geringe Kosten und eine hohe Effizienz.

Wesentlich bescheidener, dafür aber bereits in großer Zahl im täglichen Einsatz befinden sich die Streetscooter der Deutsche Post DHL Group. Das vor allem für seine Paketlieferungen bekannte Logistikunternehmen verfolgt schon seit einiger Zeit recht ehrgeizige Ziele zur Reduzierung seiner CO2-Emissionen, was unter anderem mithilfe der E-Mobilität gelingen soll. Schon vor Jahren hat sich DHL deshalb bei deutschen Autobauern nach Möglichkeiten zum Aufbau einer elektrisch getriebenen Lkw-Flotte erkundigt. Doch kein etablierter Hersteller wollte in die Serienproduktion einsteigen, weshalb die Deutschen Post DHL Group zusammen mit der TU Aachen ihren eigenen Elektrotransporter entwickelt und 2016 die Großserienproduktion in einer eigenen Fabrik gestartet hat. Bereits 5.000 dieser emissionslosen Streetscooter in verschiedenen Größen und Aufbauvarianten sind bei DHL und Deutscher Post hierzulande im Einsatz. Laut Unternehmensangaben haben sich die Streetscooter bislang bewährt. Die Eckdaten des Standardmodells Work, 85 km/h Höchstgeschwindigkeit und 80 Kilometer Reichweite, klingen zwar bescheiden, doch Upgrades sollen bereits in der Pipeline sein. Schon bald sollen Varianten mit einer Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h und einer Reichweite von 200 Kilometer folgen. Sogar eine Version mit Brennstoffzelle und einem 500-Kilometer-Radius ist geplant. Streetscooter sind übrigens nicht exklusiv DHL oder der Post vorbehalten, denn seit Frühjahr 2017 dürfen auch Drittkunden zu Preisen ab 32.000 Euro den Elektro-Transporter kaufen.

Wie der Streetscooter ist der für 2019 angekündigte Low-Tech-Transporter aCar aus einem Universitätsprojekt herausgeboren. In diesem Fall hat die TU München den rein elektrisch getriebenen Kleinlaster entwickelt, um ihn in bereits naher Zukunft vor allem in afrikanischen Ländern zu produzieren und anzubieten. Für 2019 ist parallel auch ein Marktstart in Deutschland angedacht. Hierzulande könnte der Kleinlaster dann 20.000 bis 25.000 Euro kosten, in Afrika rechnen die aCar-Verantwortlichen mit Preisen deutlich unterhalb von 10.000 Euro. Angetrieben wird das für modulare Aufbauten konzipierte Fahrzeug von 48-Volt-Motoren von Bosch an Vorder- und Hinterachse, die mit einer Leistung von 16 kW/22 PS eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h erlauben. Eine 20-kWh-Lithium-Ionen-Batterie soll Reichweiten von 80 Kilometer ermöglichen. Produzieren wird das aCar die frisch gegründete EVUM Motors GmbH. Zunächst will das Start-up in Süddeutschland eine kleine Manufaktur aufbauen, in der ab Mitte 2018 eine erste Vorserie von zehn Prototypen entstehen soll. Bereits Mitte 2019 könnte dann die Serienproduktion starten. Neben dem Produktionsstandort in Deutschland soll im gleichen Jahr in Afrika eine aCar-Manufaktur hochgezogen werden.

Auch wenn etablierte Lkw-Hersteller wie Mercedes oder MAN noch vor wenigen Jahren auf das Thema E-Mobilität mit Desinteresse reagierten, scheint seit einigen Monaten auch bei den Branchenriesen der Funke übergesprungen zu sein. So arbeitet MAN zusammen mit dem österreichischen „Council für nachhaltige Logistik“ (CNL) an der Entwicklung und Erprobung emissionsfreier Laster. Für 2017 wurde der Aufbau einer Versuchsflotte von neun Verteiler-Lkw angekündigt. Ab Ende 2018 will MAN mit der Produktion einer Kleinserie beginnen. Ein Jahr später kommen vollelektrische Stadtbusse dazu. Ab 2021 plant der Hersteller dann den Bau eines Serien-e-Trucks, der dank eines modularen Baukastens von Antriebskomponenten verschiedene Anwendungen ermöglichen soll. Ganz ähnliche Pläne verfolgt auch Mercedes. Ebenfalls für 2017 hat der Konzern den Aufbau einer Versuchsflotte des Urban eTrucks in niedriger zweistelliger Stückzahl angekündigt. Der lokal emissionsfrei fahrende Lkw für den Verteiler-Verkehr bietet ein zulässiges Gesamtgewicht von bis zu 25 Tonnen, an Zuladung sind bis zu 12,8 Tonnen erlaubt. Technische Daten für das Kleinserienmodell nennt Mercedes nicht. Eine im September 2016 präsentierte Studie wurde von zwei Elektromotoren mit einer Gesamtleistung von 250 kW/340 PS und einem Drehmoment von 1.000 Nm angetrieben. Die drei modularen Batteriepakete mit einer Gesamtleistung von 212 kWh sollen für eine Reichweite von 200 Kilometern gut sein, was für eine Tagestour im Verteilerverkehr üblicherweise voll ausreicht. Die Ladezeit an einer 100-kW-Säule soll nur knapp über zwei Stunden betragen.

Mario Hommen/SP-X

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