Archivierter Artikel vom 19.12.2011, 12:17 Uhr

63. Deutsche Weinkönigin: Ihre Botschaft ist Genuss

Seit 1949 sind Deutsche Weinköniginnen als Botschafterinnen für unsere Weine und Winzer weltweit unterwegs. Die 63. Majestät heißt Annika Strebel und kommt aus Rheinhessen. Ihr verantwortungsvolles Amt hat sie am 30. September in Neustadt angetreten.

Dieser Abend wird in die Ortsgeschichte eingehen: Kurz nach 22 Uhr herrscht in der rheinhessischen Weinbaugemeinde Wintersheim Ausnahmezustand. Straßen, Gassen und Höfe des 330-Seelen-Dörfchens verwandeln sich innerhalb weniger Minuten in eine Partyzone.

Aus gutem Grund: Im rund 65 Kilometer entfernten Neustadt an der Weinstraße ist die Wintersheimerin Annika Strebel eben zur 63. Deutschen Weinkönigin gewählt worden. Viele haben das Ereignis im Fernsehen live verfolgt, andere erfahren via Handy oder durch Nachbarn und Freunde vom Erfolg der 23-Jährigen. Und die strahlt auf der Bühne in Neustadt vor Glück im goldenen Konfettiregen: „Damit habe ich wirklich nicht gerechnet. Ich freue mich riesig, meine Leidenschaft für den deutschen Wein jetzt in die Welt hinaustragen zu dürfen.“

Dass ihr dabei ein paar klitzekleine Tränen die Wangen herunterkullern, versteht in diesem Moment jeder. Auch ihre fünf Mitbewerberinnen, die mit Annika am 24. September bei der Vorentscheidung zur Wahl der Deutschen Weinkönigin den Sprung ins Finale geschafft haben. Aus Rheinland-Pfalz noch dabei: Alina Bäcker von der Ahr und die Moselanerin Ramona Sturm. Komplettiert wird das absolut weinkompetente Sextett durch Madeleine Rossel (Rheingau), Elisabeth Born (Saale-Unstrut) und Juliane Kremtz (Sachsen). Und die jungen Frauen liefern sich an diesem Abend einen wahrhaften Wahlkrimi „mit ganz knapper Entscheidung“, wie später die Geschäftsführerin des Deutschen Weininstituts (DWI), Monika Reule, berichtet. Die Kandidatinnen zeigen in Neustadt allesamt ihre Klasse als charmante, schlagfertige und moderne Weinfachfrauen. Vor den Augen (und Ohren) einer 80-köpfigen Jury, ihren angereisten und mitunter grenzwertig lautstark präsenten Fangruppen im Neustädter Saalbau sowie vor Millionen Fernsehzuschauern stellen sie beispielsweise bei Quizfragen ihr Wissen rund um den Wein unter Beweis, analysieren edle Tropfen, werden als Pantomimen gefordert und dürfen sich schließlich in einer 45-Sekunden-Rede den Vertretern eines der 13 deutschen Weinanbaugebiete als „die perfekte Deutsche Weinkönigin“ anbieten.

Der jungen Rheinhessin gelingt es, das Ganze von Beginn an locker, mit Witz und verblüffender Spiellaune anzugehen. Wie sie pantomimisch eindeutig einem Rateteam beim Begriff „Sexuallockstoff“ auf die Sprünge hilft, sichert ihr Lachsalven im Saal. Den Vogel schießt sie mit ihrer spontanen Empfehlungsrede an die Delegation vom Mittelrhein ab: Sie habe ja durchaus Ähnlichkeit mit der Loreley, „aber ich werde keine Märchen erzählen und auch keine Schiffe versenken“.

Scheinbar endlos lange Minuten müssen die sechs schließlich ausharren, bis die Jury abgestimmt hat und Monika Reule und die an diesem Abend scheidende 62. Deutsche Weinkönigin Mandy Großgarten (Ahr) nacheinander drei Umschläge öffnen, in denen die Namen der neuen Deutschen Weinkönigin und ihrer beiden Prinzessinnen stehen. Elisabeth Born und Ramona Sturm erfahren als neue Deutsche Weinprinzessinnen zuerst Erlösung von der ungeheuren Anspannung. Dann folgt der goldene Umschlag, auf den die vier verbleibenden jungen Frauen zwischen Hoffen und Bangen blicken, als die DWI-Geschäftsführerin ihn öffnet: „Die 63. Deutsche Weinkönigin heißt ... Annika Strebel.“

Der Rest geht im Jubel unter, der vor allem bei den Rheinhessen grenzenlos scheint. Nach 1998/99 und 1999/2000 stellt das größte deutsche Weinanbaugebiet also wieder eine Deutsche Weinkönigin – zum achten Mal in der Geschichte dieser „Disziplin“. Von der Mosel (mit Saar und Ruwer) kamen bisher elf Deutsche Weinköniginnen, aus der Pfalz neun, die Nahe stellte sieben, die Ahr vier und der Mittelrhein eine. Das heißt, Rheinland-Pfalz als größtes Weinbau-Bundesland liegt im Weinköniginnen-Ranking der 13 deutschen Anbaugebiete weit vorn: 40 der bislang 63 Majestäten sind hier zu Hause. Aber alle haben sich in ihrer jeweiligen Amtszeit als perfekte Botschafterinnen für Deutschlands Winzer und Weine erwiesen.

Von unserem Redakteur Helmut Oesterwinter

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