Archivierter Artikel vom 06.06.2014, 11:20 Uhr
Spiez

60 Jahre «Wunder von Bern»: Auf den Spuren von Fußball-Legenden

In den Alpen wurde geboren, was dem deutschen Fußball heute noch gut tut: der «Geist von Spiez». 60 Jahre nach dem legendären WM-Sieg von Sepp Herbergers Elf wandeln Touristen auf den Spuren der Kicker-Helden.

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Deutschland im WM-Finale 1954 gegen Ungarn
Legendäre Spielstätte: Im Berner Wankdorfstadion entschied 1954 die als Außenseiter geltende deutsche Nationalelf das Finale gegen Ungarn mit 3:2 für sich.
Foto: Museum der Weltmeisterschaft 1954/Came – DPA

Spiez (dpa/tmn) – In den Alpen wurde geboren, was dem deutschen Fußball heute noch gut tut: der «Geist von Spiez». 60 Jahre nach dem legendären WM-Sieg von Sepp Herbergers Elf wandeln Touristen auf den Spuren der Kicker-Helden.

Ausstellung zeigt Erinnerungsstücke von 1954
Erfolgsgeheimnis als Ausstellungsstück: Im WM-Museum ist auch ein Paar der Original-Fußballschuhe zu sehen, mit denen sich die deutsche Elf zum Erfolg schoss. Dank damals neuartiger Schraubstollen kon
Foto: DPA

Das Dinner war großartig, genau wie der Anlass. Angestoßen wurde mit Champagner. Nach Rinderkraftbrühe mit Blätterteigstange gab es Forellenfilet an brauner Butter, als Hauptgang Rindsentrecôte und zum Dessert Vacherin-Eis. So feierte Deutschlands Nationalmannschaft im Hotel Belvédère in Spiez am Thunersee ihren Sieg bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1954.

WM-Helden von 1954 am Thunersee
Elf Freunde müsst ihr sein – plus Ersatzspieler: Sepp Herberger mit Mannschaft vor dem Hotel Belvédère in Spiez am Thunersee.
Foto: Schweiz Tourismus – DPA

60 Jahre nach dem sensationellen 3:2 der Außenseiter über die hochfavorisierten Ungarn im Berner Wankdorfstadion hat die Küche im einstigen Mannschaftshotel der Truppe von Nationaltrainer Sepp Herberger das «Weltmeistermenü» wieder im Angebot. Speziell für Reisegruppen zum Preis von 85 Franken (70 Euro) pro Person – Getränke exklusive.

Berner Altstadt
Turnier an der Aare: 1954 war das schweizerische Bern Austragungsort der Fußballweltmeisterschaft.
Foto: Bern Tourismus – DPA

5 Franken – und damit weniger als eine Bratwurst in Schweizer Fußballstadien – kostet im Belvédère der Eintritt zu einer kleinen Welt der Kicker-Nostalgie: Die Jubiläumsausstellung zum «Wunder von Bern» (26. April bis 30. September) lässt mit vielen Originalstücken die WM-Tage samt nervenzerreißendem Finale aufleben. Eine Bilderschau zeigt «90 legendäre Minuten von Bern» – ein Foto pro Spielminute.

Am Thunersee
Idylle am Thunersee: Auf Spaziergängen entlang des Spiezer Ufers ersann Nationaltrainer Sepp Herberger seine Strategien für die WM-Partien.
Foto: Bildarchiv Gemeinde Spiez – DPA

Da hat man automatisch Herbert Zimmermann mit der wohl berühmtesten Sportübertragung des deutschen Rundfunks im Ohr: «Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen – Rahn schießt – Tooooor! Tooooor Tooooor!»

Thunersee lädt zu Ausflügen ein
Ausflugsziel Thunersee: Sepp Herberger zog die Stille der Berge dem Trubel der Stadt vor – hier konnte er sich ganz auf seine taktischen Überlegungen konzentrieren.
Foto: Interlaken Tourismus – DPA

Angesichts des danach einsetzenden Freudentaumels erscheint es im Rückblick weitsichtig, dass die Direktion des Belvédère dessen damalige Stammkunden über die Einquartierung des deutschen Teams informiert hatte. Sie suchten sich rechtzeitig andere Unterkünfte – die meisten waren Holländer. So konnten damals «kriegsbedingte Konflikte vermieden werden», heißt es im Informationsmaterial der regionalen Tourismusorganisation für Reisende, die sich auf die Spuren der deutschen Kicker-Helden begeben möchten.

Fußballlegenden Horst Eckel und Jenó Buzánszky
Historische Begegnung am historischen Ort: Im April diesen Jahres trafen Weltmeister Horst Eckel (r) und sein damaliger Finalgegner, der Ungar Jenó Buzánszky, im Berner Wankdorf Stadion noch einmal au
Foto: DPA

Eine urbane Alternative ist das nur 40 Kilometer entfernte Bern mit seiner herrlichen Altstadt. Dort gehört wiederum für Fußballbegeisterte ein Besuch am Ort des WM-Finales dazu. Wenngleich im 2006 eröffneten Stade de Suisse kaum noch etwas an das alte Wankdorfstadion erinnert – abgesehen von der sorgsam restaurierten Matchuhr der WM.

Ein Muss für Fans – und kostenlos – ist eine Wanderung am Spiezer Uferweg entlang des Thunersees. Zusammen mit dem Mannschaftshotel gilt er als Wiege des legendären «Geistes von Spiez», jener Mischung aus Wohlfühlen, Harmonie, Kameradschaft und Siegeswillen, die maßgeblich zum Erfolg der «Herberger-Elf» beigetragen haben soll.

Kein Wunder, dass auch spätere Nationaltrainer bei der Auswahl von WM-Quartieren stets den Wohlfühlfaktor im Auge behielten. «Eine reine Legende ist allerdings, dass zum Geist von Spiez der Ausschluss von Ehefrauen oder Freundinnen gehörte», berichtet Johann Schlüper, Fußball-Historiker und Kurator der Jubiläumsausstellung. «Nach Spiez durften sie zwar nicht, aber sie hatten sich auf der anderen Seite des Sees einquartiert. Da fuhr abends so manches Boot rüber.» Herberger habe getan, als wisse er davon nichts.

Am idyllisch-stillen Uferweg soll der Nationaltrainer, der sämtliche Hotelangebote in städtischer Umgebung als zu laut und hektisch zurückgewiesen hatte, seine Taktik für die jeweiligen WM-Spiele überdacht haben. Zudem bot die Route Gelegenheit für Einzelgespräche mit Spielern wie Fritz Walter oder Helmut Rahn.

Allen Dreien begegnet man auf dem Wanderweg von Spiez nach Faulensee, von wo aus man per Dampfer zurückfahren kann, als fröhlichen Holzskulpturen. Bänke laden an der Strecke zum Verweilen ein. Sie sind mit Sinnsprüchen verziert. Natürlich ist auch der wohl berühmteste von Herberger dabei: «Der Ball ist rund! Ein Spiel dauert 90 Minuten und nach dem Spiel ist vor dem Spiel.»

Website von Spiez

Tourismus in der Region

Reiseangebote zu 60 Jahre Wunder von Bern

Informationen von Schweiz Tourismus

Bern

Anreise: Ab München ist Bern mit dem Zug in knapp fünf Stunden zu erreichen.

Währung: Ein Schweizer Franken (CHF) kostet 82 Euro-Cent (Stand: Juni 2014)

Information: Schweiz Tourismus, Roßmarkt 23, 60311 Frankfurt a.M., Tel.: 069/ 25 60 01 30, www.myswitzerland.com.