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4280 Kilometer zu Fuß durch die USA

Der Weg führt durch die Wüste und über schneebedeckte Gipfel, durch Busch- und Bärenland. Dazu kommen die körperlichen Strapazen, ständiger Hunger und mangelnder Komfort. Dennoch versuchen sich jedes Jahr wieder Fernwanderer am Pacific Crest Trail in den USA.

Tägliches Laufpensum ist hoch
Oft passiert es, dass viele PCT'ler für die Schönheit der Landschaft keinen Blick mehr haben, denn das tägliche Laufpensum ist hoch, wenn man das Ziel in Kanada rechtzeitig erreichen möchte.
Foto: Rya – dpa

Los Angeles (dpa/tmn) – 4280 Kilometer, 20 Kilogramm Gepäck, sechs Monate Zeit und ein großes Ziel: einfach ankommen. Jedes Jahr machen sich etwa 3500 Menschen auf, um den Pacific Crest Trail (PCT) an der US-Westküste zu gehen.

Joshua Trees
Sonnenaufgang in der Mojave-Wüste: Am Wegrand warten Joshua Trees auf die Wanderer.
Foto: Ryan Weidert – dpa

Einen Fernwanderweg von der mexikanischen zur kanadischen Grenze, einmal quer durch die Wildnis. Längst nicht alle kommen an. Wer den PCT laufen will, braucht nicht nur eine Auszeit von der Arbeit oder vom Studium, sondern vor allem die Bereitschaft, sich zu quälen. Denn der PCT ist eine gewaltige Schinderei.

Großes Abenteuer
Großes Abenteuer: Die beiden Studenten Marieke und Jan haben den PCT in Angriff genommen.
Foto: Hildegard Wewers – dpa

In einer Ferienwohnung in Wrightwood in der Nähe von Los Angeles sitzt der 52-jährige Eugen aus München und klebt Pflaster auf seine Füße. Vor vier Wochen hat er im Grenzort Campo im Süden der USA sein PCT-Abenteuer begonnen. Dafür hat sich der Arzt eine Auszeit vom Job genommen: „Nach 25 Berufsjahren mal sechs Monate das Handy abschalten und die Seele komplett baumeln lassen“ – so hat er sich das vorgestellt.

Little Crater Lake
Stopp am Little Crater Lake: Sabine aus München ist allein auf dem PCT unterwegs.
Foto: Sabine Baumgartner – dpa

Von dem Trip hatte er vor vielen Jahren gehört und sich vorgenommen, das irgendwann zu probieren: „Der Gedanke erschien einfach so verrückt und schön zugleich, dass es mich total gepackt hat.“

Mojave-Wüste
Kaum Zivilisation: In der Mojave-Wüste macht den Wanderern vor allem die Hitze zu schaffen.
Foto: Ute Wessels – dpa

Tagelang durch die Wildnis

Mount Whitney
Der Gipfel: Eugen (rechts) sowie Alex und Melanie haben den Mount Whitney (4421 Meter) erreicht. Der Berg liegt in der Sierra Nevada.
Foto: Ute Wessels – dpa

Etwa 35 Kilometer am Tag marschieren PCT'ler, zwischendurch gibt es Ruhetage. Oft sehen sie tagelang keine Siedlung, keine Straße, keine Dusche, keinen Laden. Das heißt: Essen und Wasser für mehrere Tage mitschleppen und gut einteilen. In Südkalifornien sind Wasserquellen knapp, und wer nicht genug zu trinken hat, bringt sich in Lebensgefahr. Handyempfang gibt es über weite Strecken nicht – dafür Waldbrände, Klapperschlangen und weiter nördlich bisweilen Bären.

Crater Lake
Berühmt für seine tiefblaue Farbe: Der Pacific Crest Trail führt auch am Crater Lake im Bundesstaat Oregon vorbei.
Foto: Ute Wessels – dpa

Die Saison beginnt im April, da ist es in Südkalifornien und vor allem in der Mojave-Wüste noch nicht zu heiß und später in der High Sierra auf 4000 Höhenmetern in der Regel nicht mehr zu winterlich. Wer das tägliche Meilenpensum nicht halten kann, schafft es nicht rechtzeitig ins Ziel. Denn in Kanada ankommen sollten die Hiker Ende September, ehe es dort zu viel Schnee gibt.

Rund 35 Kilometer pro Tag
Rund 35 Kilometer pro Tag legen die Wanderer auf dem Pacific Crest Trail zurück.
Foto: Ute Wessels – dpa

Ungemütliche Nächte

Mount Whitney
Vom Pacific Crest Trail geht der Blick auf den Mount Whitney.
Foto: Ryan Weidert – dpa

Eugen hat in Wrightwood zwei Ruhetage eingelegt, bei der Post sein Essenspaket abgeholt und zieht nun wieder los. Ob er mal ans Aufgeben gedacht hat? „Ja, absolut. Wie die meisten.“

Mit Schildern markiert
Der PCT ist mit Schildern markiert. Viele Wanderer orientieren sich aber an einer Handy-App.
Foto: Chris Sanderson – dpa

Abends schlagen die Wanderer ihre Zelte auf, gönnen sich eine Suppe und kriechen erledigt in ihre Schlafsäcke. Die Nächte sind kalt und unbequem, in den Zelten sammelt sich Kondenswasser, die Klamotten werden klamm, der Körper schmerzt. Und im Morgengrauen geht es schon wieder weiter. Immer weiter.

Glacier Peak Wilderness
Die Glacier Peak Wilderness erstreckt sich im Bundesstaat Washington.
Foto: Ryan Weidert – dpa

Als Eugen zehn Tage später in der Wüstenstadt Tehachapi Pause macht, trifft er zwei Studenten aus Münster. Marieke und Jan sitzen in einer Bäckerei, es gibt Kaffee und Zimtschnecken – Hauptsache Kalorien! PCT'ler können kaum so viel essen, wie sie essen müssten, um ihren Kalorienverbrauch auszugleichen.

Kings Canyon Nationalpark
Seen, Wälder, Berge: Der Pacific Crest Trail führt auch durch den Kings Canyon Nationalpark.
Foto: Brandon Sharpe – dpa

Lust oder Überwindung

Middle und North Sister
Wildnis soweit das Auge reicht: Middle und North Sister erheben sich über der Mount Washington Wilderness.
Foto: James Parsons – dpa

Marieke ist auf den PCT über den Film „Wild – Der große Trip“ mit Reese Witherspoon aufmerksam geworden. „Danach stand für mich fest, dass ich den Trail wandern will“, erzählt die 22-Jährige. Bei einer Tour in Norwegen hat sie sich mit ihrem Freund vorbereitet. Nach anfänglichen Problemen mit Blasen an den Füßen haben sich die beiden jetzt gut eingelaufen. „Man muss konstant bleiben und jeden Tag Lust haben – oder sich überwinden – mindestens acht Stunden zu wandern“, sagt Marieke.

Zu dritt starten sie den nächsten Abschnitt. Es geht in die High Sierra. Ein später Wintereinbruch macht den Wanderern in dieser Saison zu schaffen. Die Schneefelder weichen im Laufe des Tages auf, so dass sie bei jedem Schritt einsinken, teilweise bis zur Hüfte. Dazu kommen jede Menge Bäche und Flüsse, die durchquert werden müssen. Mit nassen Füßen geht es im Schnee weiter.

Nicht jeder hält durch

Einige Wochen später entscheidet sich Jan auszusteigen. Das Paar kam nicht schnell genug voran, um Kanada rechtzeitig erreichen zu können. Zwangspausen – wegen Mariekes Verletzung oder als ein Paket mit nachbestellter Ausrüstung nicht ankam – kosteten Zeit. Der 23-Jährige hat schlichtweg keine Lust mehr: „Das Gefühl, das Schönste und Spannendste schon gesehen zu haben – die High Sierra. Dazu mangelnder Komfort, keine Toiletten, immer das gleiche Essen.“ Marieke will nun alleine weitergehen, so weit, wie sie es bis zum Herbst eben schafft.

Und Eugen? Der hat nach der High Sierra – „ein unvergleichliches Erlebnis“ – in Mammoth Lakes Pause gemacht. Zehn Wochen ist er nun unterwegs, hat etliche Kilo Körpergewicht verloren, und seine Füße und Gelenke schmerzen. Einmal noch rafft er sich auf und packt. Sein Ziel ist nicht mehr Kanada, sein Ziel ist die 1000-Meilen-Marke. Ihm fehlt die Motivation, weitere drei Monate zu zelten, schlecht zu schlafen, sich von Müsliriegeln und Suppe zu ernähren – zumal die schönste und zugleich härteste Passage hinter ihm liegt.

Als Niederlage empfindet er das nicht. „Weil auch „nur“ 1600 Kilometer zu Fuß durchs völlige Niemandsland eine irre Strecke sind.“ Morgens um Sieben schultert er seinen Rucksack und zieht los. Am Nachbargrundstück steht ein älterer Mann und gießt die Blumen in seinem Vorgarten. Als er Eugen vorbeimarschieren sieht, ruft er ihm fröhlich und voller Respekt zu: „Ihr PCT'ler seid doch nicht normal.“

Pacific Crest Trail Association

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Nach dem Martinszug ziehen die Laternenkinder mit ihren Eltern nochmal los. Sie klingeln an Haustüren, singen Martinslieder und bekommen dafür Mandarinen, Nüsse oder Süßigkeiten. Dieser Brauch heißt je nach Region Schnörzen, Dotzen oder Gribschen. Aber gibt es diese Tradition überhaupt noch?

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