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    Berlin

    1972 und 2018: München wäre ein Doppelsieger

    Sollte die IOC-Wahl am Mittwoch für München ein gutes Ende finden, hätte die Isar-Metropole einen Olympiasieg ganz eigener Art errungen. Olympische Spiele können auch ein lohnendes Geschäftsmodell sein. Das hat die Stadt 1972 vorgemacht.

    Delegation
    Die deutsche Delegation posiert am Vortag der Entscheidung bei einem Fototermin in Durban.
    Foto: DPA

    Als die Abrechnung der Sommerspiele 1972 feststand, konnte München mit Recht einen eigenen Olympiasieg feiern. Für 171 Millionen Mark (85,5 Millionen Euro) hatte sich die bayerische Metropole eine neue U-Bahnlinie zugelegt, hinzu kamen die Meisterschöpfung Olympia-Park und viele andere Segnungen eines wahren Entwicklungsschubs. Spielt das Internationale Olympische Komitee am Mittwoch in Durban mit, könnte München 2018 seinen zweiten Olympiasieg zelebrieren. So einen Schnäppchenpreis wie damals gibt es allerdings nicht.

    Werberin
    Katarina Witt (r) macht in Durban Stimmung für München.
    Foto: DPA

    Die 171 Millionen Mark sind jene Summe, die München am Ende aus dem eigenen Stadtsäckel berappen musste. Gekostet hatte die Olympia-Sause vor 39 Jahren 1,972 Milliarden Mark. Das ist verglichen mit den knapp drei Milliarden Euro, die die Winterspiele 2018 kosten sollen, extrem günstig. Dabei ist bei diesem Vergleich zu bedenken: Bei einer Inflationsrate von mehr als 100 Prozent müssten die Kosten der Sommerspiele zu heutigen Preisen auf mindestens zwei Milliarden Euro hochgerechnet werden. Zudem machen die Winterspiele als kleinerer Bruder der Sommerspiele etwa 40 Prozent der Wertschöpfung des IOC aus, benötigen also auch einen geringeren Aufwand.

    Vom Gesamtetat gingen bei den 72er Spielen 1,35 Milliarden Mark nach München, dazu kamen «olympiabedingte Kosten» von 527 Millionen Mark. Der durch Eigenmittel gedeckte Haushalt des damaligen Organisationskomitees betrug 1,286 Milliarden Mark. Allein 1,059 Milliarden DM spülten Münzprogramm und Lotterien in die Kasse. Nur knapp ein Drittel der Gesamtkosten (686 Millionen DM) mussten die öffentlichen Hände übernehmen, abzüglich 250 Millionen Mark durch zusätzliche Steuereinnahmen.

    Dass für München am Ende nur 171 Millionen DM an Kosten übrig blieben, lag auch am bayerischen Verhandlungsgeschick. Ursprünglich sollte sich die Stadt die Belastungen mit Bund und Bayern zu je einem Drittel teilen, so wie jetzt auch für die Winterspiele. Doch dann übernahm die Bundesregierung die Hälfte, München und dem Bayern-Land blieben je ein Viertel.

    Der geteilte Haushalt für das Spektakel auf Schnee und Eis soll für die Organisation 1,3 Milliarden Euro betragen, für dauerhafte Investitionen 1,55 Milliarden Euro. Einnahmen durch Münz- und Lotterieprogramme gibt es diesmal für den OK-Haushalt nicht. An die Stelle sind Sponsoren mit einem Zweidrittel-Anteil getreten. Das IOC, wegen angeblicher «Knebelverträge» wiederholt gescholten, garantiert als Mindestsumme 462 Millionen Euro. Diese wird sich durch jüngst abgeschlossene Verträge mit dem US-Fernsehen noch erhöhen.

    Nationale Sponsoren sollen 409 Millionen Euro, der Verkauf von Eintrittskarten 178 Millionen Euro einbringen. Zum Vergleich: 1972 kamen durch das Ticketgeschäft nur umgerechnet 15 Millionen Euro herein.

    Am Investitionshaushalt hat der Verkehr mit 633 Millionen Euro den größten Anteil, wobei allein 582 Millionen Euro davon zu Lasten des Bundes gehen sollen. 462 Millionen sind als Investition in die Münchner Infrastruktur geplant, 206 Millionen davon soll München selbst bezahlen. Das wäre wohl kein Schnäppchen, aber ein günstiger Sonderpreis.

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