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Pyeongchang

Jubel in Pyeongchang: Jacqueline Löllings Silber fühlt sich wie Gold an

Marco Rosbach

Ton in Ton, einfach stimmig: In der silberfarbenen Kleidung von Team Deutschland hat Jacqueline Lölling aus Brachbach am Sonntagmittag den größten Moment ihres Lebens genossen. Als Zweite betrat die 23-Jährige das olympische Siegerpodest und nahm sichtlich bewegt, aber lächelnd die Silbermedaille in Empfang, für die sie an den beiden vorangegangenen Tagen so hart hatte kämpfen müssen und die sie in der Nacht von Pyeongchang so ausgelassen gefeiert hatte.

Eine Medaille für die Weltmeisterin, am besten die goldene: Fast schien es, als sei das bei den Winterspielen in Südkorea eine Selbstverständlichkeit. In Pyeongchang hatte die Brachbacherin vor einem Jahr den bis dato einzigen Wettkampf dominiert, gleiches galt für die vergangenen beiden Winter im Weltcup. Wer, wenn nicht Jacqueline Lölling? Doch so einfach ist der Sport nicht, so einfach sind vor allem Olympische Spiele nicht. Im Training trumpfte die Favoritin zwar zum Abschluss auf, in der Woche vor dem wichtigsten Wettkampf ihres Lebens konnte sie aber keine rechte Freundschaft schließen mit dem in allen Konkurrenzen unberechenbaren Eiskanal im Alpensia Sliding Centre.

„Sie hatte wohl einige Probleme“, hatte Bernhard Lehmann, ihr früherer Trainer, in Erfahrung gebracht. „So etwas macht die Sache natürlich schwer.“ Und spannend. Schon am ersten Tag waren die Abstände zwischen den besten Pilotinnen minimal, was Führungswechsel in allen Durchgängen belegen. Erst war Lizzy Yarnold vorne, dann Jacqueline Lölling, ehe im dritten Durchgang die Beständigste die Spitzenposition übernahm: Janine Flock aus Österreich. Zweimal die drittbeste Zeit, einmal die viertbeste – in der Summe schien diese Konstanz in einer wechselhaften Konkurrenz das beste Erfolgsrezept zu sein.

„Wenn Flock hier natürlich einen Lauf wie den anderen in die Bahn setzt, dann wird es schwer für alle anderen“, mutmaßte Experte Lehmann beim Public Viewing in Löllings Heimatort Brachbach und schob hinterher: „Wichtig wäre natürlich, dass Jacka den dritten Platz hält. Sonst wäre das enttäuschend, vor allem für sie.“

Auch Tina Hermann ist begeistert

Auch mit gerade einmal 23 Jahren ist Lölling schon eine erfahrene Sportlerin. Vor sechs Jahren gewann sie Gold bei der Jugend-Olympiade, danach holte sie Titel und Medaillen auf allen Ebenen und Weltcupsiege in Serie. Doch diese Situation war auch für die Brachbacherin neu. „Sie hatte einen riesigen Druck als Weltmeisterin, Europameisterin und Gesamtweltcupsiegerin“, sagte auch Tina Hermann, ihre Teamkollegin, und lobte mit Blick auf Löllings Nervenstärke. „Das hat sie wirklich sehr, sehr gut gemacht.“

Gut für die Athletin, auf die in diesem Moment eine ganze Sportnation blickte: Sie war nicht allein. Die Eltern, die Schwester und den Freund wusste sie an der Bahn, zudem war Heimtrainerin Kathi Wichterle an ihrer Seite. „Ich habe versucht, sie positiv auf das Rennen einzustellen“, sagte Wichterle, die keine Erwartungshaltung aufbauen wollte, sondern das Vertrauen hatte, „dass sie das schafft“.

Auch 8623 Kilometer Luftlinie von Pyeongchang entfernt glaubten alle an ihre „Jacka“. Rüdiger Popp, ihr Onkel, hielt sogar ein goldenes Wunder für möglich. „Sie macht das“, sagte er beim Public Viewing in der Brachbacher „Bärenschenke“. „Zuletzt in Königssee war sie sogar nur Vierte nach dem ersten Durchgang und hat dann noch gewonnen.“ Ganz so kam es dann zwar nicht, der Jubel an der heimischen Sieg war dennoch grenzenlos, als Lölling den vierten Lauf nach unten gebracht hatte und im letzten Moment die Zeitanzeige von Rot für Rückstand auf Grün für Führung umgesprungen war. Ihre Jacka war vorne, nur noch zwei Pilotinnen standen oben – das war die Medaille, nach der sich alle so gesehnt hatten. Matthias Keuchel hatte sich vor dem finalen Durchgang nur gewünscht, „dass sie gut und gesund durchkommt“. Jetzt sprang der Vorsitzende des Fanclubs von seinem Stuhl, riss die Arme nach oben und fiel ins allgemeine Umarmen ein.

An Mitbringseln wird es Jacqueline Lölling nicht mangeln. Noch bevor ihr die Silbermedaille überreicht wurde, gab's für die 23-Jährige an der Bahn die obligatorische Deutschlandflagge, bei der Blumenzeremonie das Maskottchen der Olympischen Spiele von Pyeongchang und später im Deutschen Haus noch einen Pfannkuchen in Form eines Skeletonpiloten.
An Mitbringseln wird es Jacqueline Lölling nicht mangeln. Noch bevor ihr die Silbermedaille überreicht wurde, gab's für die 23-Jährige an der Bahn die obligatorische Deutschlandflagge, bei der Blumenzeremonie das Maskottchen der Olympischen Spiele von Pyeongchang und später im Deutschen Haus noch einen Pfannkuchen in Form eines Skeletonpiloten.
Foto: dpa

In vier Jahren geht's weiter

Bronze war sicher. Und es schien, dass es dabei bleiben sollte, weil Lizzy Yarnold und Janine Flock bis dahin einfach stabiler waren. Die Britin Yarnold setzte einen Traumlauf in die Bahn und wiederholte damit vier Jahre nach dem Triumph von Sotschi verdientermaßen ihren Olympiasieg, während Flock Nerven zeigte und damit den Weg zu Silber für Jacqueline Lölling ebnete. Als der 23-Jährigen das bewusst wurde, nahm sie die Hände vors Gesicht. Es wirkte so, als hätte sie damit selbst nicht mehr gerechnet. Dass es nicht zum Sieg gereicht hat, war in diesem Moment kein Thema mehr. Außerdem lässt sich das ja nachholen nach den Silberspielen von Pyeongchang.

Auf die Frage, ob jetzt in vier Jahren Gold fällig sei, sagte Jacqueline Lölling: „Mal schauen. Ich will auf jeden Fall vier Jahre weiterfahren. Dann werde ich sehen, was dann kommt und wie’s dann läuft.“ Die Konkurrenz wird die Ansage der Brachbacherin vernommen haben. Und die Verantwortlichen im Team Deutschland können schon mal überdenken, wie sie ihre Athleten dann für die Siegerehrung einkleiden, damit es wieder Ton in Ton aufs Podest geht...

Von unserem Redakteur Marco Rosbach
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