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Pyeongchang

Der große Tag: Heute muss Jacqueline Lölling Nervenstärke beweisen

Marco Rosbach

Die Bewunderung klingt in jedem Satz durch, wenn Bernhard Lehmann über Jacqueline Lölling spricht. „Man muss sich das vorstellen, was ihr durch den Kopf geht, wenn sie da oben am Start steht“, sagt der frühere Trainer der Skeletonpilotin aus Brachbach, für die am heutigen Freitag bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang der wichtigste Wettkampf ihrer Karriere beginnt.

Das Warten hat ein Ende: Heute betritt Jacqueline Lölling zum ersten Mal die große olympische Bühne. In insgesamt vier Läufen geht es um die Medaillen, die Entscheidung fällt am Samstagmittag.  Fotos: Imago
Das Warten hat ein Ende: Heute betritt Jacqueline Lölling zum ersten Mal die große olympische Bühne. In insgesamt vier Läufen geht es um die Medaillen, die Entscheidung fällt am Samstagmittag. Fotos: Imago
Foto: imago/VI Images

„Jacka weiß genau, dass sie durch ihr Handicap am Start in der Bahn immer zwei Zehntel und mehr auf die Konkurrenz rausholen muss, um eine Chance zu haben“, sagt Lehmann. „Wie sie diesem Druck standhält, das ist phänomenal. “Die Schwäche am Start, die Stärke in der Bahn: Lehmann, einst als Aktiver einer der besten Bobpiloten der Welt, kennt diese Debatte nur zu gut. „Ich habe immer gesagt: Lasst das Mädel doch starten, Sportler sind nicht alle gleich“, erinnert sich der 69-Jährige. Sein Ansatz ist und war ein anderer. Er weigert sich, Skeleton rein auf Startleistungen zu reduzieren und wünscht sich, die Gesamtheit der Fahrten zu sehen. „Die Athletik kommt mit der Zeit, auch bei Jacka. Doch diese Zeit lässt sich heute leider kaum noch einer“, bedauert er. Vielmehr gelte allzu oft die Devise, lieber einen Athleten auf die Schnelle nach oben zu pushen, anstatt ihn langsam aufzubauen. „Bei Jacqueline habe ich sofort gesehen, welch großes Talent sie hat“, schwärmt Lehmann. „Sie liegt wie ein Brett auf dem Schlitten, das ist exzellent.“ Wo andere die „Landeklappen ausfahren, um Fehler zu korrigieren“, wie er die Fußbewegung zur Steuerung des Schlittens nennt, fahre Lölling spielerisch leicht die beste Linie, ohne überhaupt regulierend eingreifen zu müssen.

Einer der Förderer von Jacqueline Lölling: Bernhard Lehmann.
Einer der Förderer von Jacqueline Lölling: Bernhard Lehmann.
Foto: Imago

Diese besondere Begabung des Ausnahmetalents weiterzuentwickeln, das war Lehmanns Aufgabe, als er die Pilotin als Talent aus dem von Uwe Schupp trainierten Landeskader übernahm. Es folgte eine prägende Zeit – für Lölling und Lehmann wohl gleichermaßen. Die Pilotin war auf dem Weg nach oben, stets das Ziel vor Augen, den Sprung von den Junioren zu den Erwachsenen zu schaffen. Der Trainer hingegen bewegte sich bereits auf der beruflichen Zielgeraden. „2014 bin ich in Ruhestand gegangen“, blickt Lehmann zurück. Den Durchbruch seiner besten Fahrerin erlebte er aber noch hautnah mit. „Bis zur WM 2015 in Winterberg habe ich weitergemacht“, berichtet er. Es war ein entscheidender Wettkampf. Als Junioren-Weltmeisterin durfte Lölling nicht nur auf ihrer Heimbahn starten, sondern gewann auch sensationell die Silbermedaille. Im Nachhinein könnte man sagen, es war das Meisterstück am Ende einer erfolgreichen Zusammenarbeit. Dass der Kontakt danach nicht abgerissen ist, verwundert kaum.

Der erste von vier Läufen beginnt an diesem Freitag um 12.20 Uhr (MEZ). Jacqueline Lölling geht als siebte Starterin ins Rennen. Durchgang 2 ist ebenfalls am Freitag. Um die Medaillen geht's dann am Samstag in Durchlauf 3 und 4.

Fährt Lölling in Winterberg, wo Lehmann seit Jahren lebt, steht ihr früherer Trainer und Förderer an der Bahn und fiebert mit, auch sonst tauschen sich die beiden gerne aus. Vor den Olympischen Spielen war das nicht anders. „Ich habe ihr geschrieben, sie soll das alles ruhig angehen“, sagt der 69-Jährige, der sich besser als kaum ein anderer in die Situation seines einstigen Schützlings hineinversetzen kann. 1976, 1984 und 1988 war Lehmann selbst als Sportler bei den Olympischen Spielen, in Innsbruck (Gold als Anschieber im Viererbob von Meinhard Nehmer), in Sarajevo (jeweils Silber als Pilot im Vierer- und Zweierbob) und in Calgary (Bronze als Pilot im Zweierbob) gewann der gebürtige Brandenburger für die DDR insgesamt viermal Edelmetall.

Auch wenn sich der Rahmen in Zeiten der Kommerzialisierung gravierend verändert hat, so gibt es doch Dinge, die der erfahrene Olympionike der Debütantin noch mit auf den Weg geben kann. „Jacka soll versuchen, das Flair der Spiele wahrzunehmen, es zu genießen“, rät ihr Lehmann. „Es bringt nichts, sich unter Druck zu setzen und zu meinen, jetzt eine besondere Leistung abrufen zu müssen. Das ist ein Wettkampf, dem sie nervlich standhalten muss. Darauf kommt es an.“ Dass Lölling das kann, daran hat Lehmann keine Zweifel. „Sie muss einfach so fokussiert bleiben, wie sie immer ist“, sagt der erfahrene Wintersportler, der es als Vorteil sieht, dass die Entscheidung im Alpensia Sliding Centre in vier Läufen (Freitag und Samstag, jeweils ab 12.20 Uhr) fällt. „Da gibt es die Möglichkeit, kleinere Fehler auch mal geradezubiegen“, begründet Lehmann. Nur eine Situation sei an diesem Modus kritisch. „Wenn du nach dem ersten Tag knapp vorne liegst, wünschst du dir, dass schon alles vorbei ist“, sagt er und lacht.

Doch damit, da ist sich der 69-Jährige sicher, könne Jacqueline Lölling ganz gewiss umgehen. „Sie ist fahrerisch eine Ausnahmeerscheinung und nervlich ganz stark“, weiß ihr früherer Trainer und fügt bewundernd hinzu: „Jacka wird auf den Punkt konzentriert sein und noch einen draufsetzen.“

Auf dem Weg zu Gold

Skeletonpilotin Jacqueline Lölling aus Brachbach gehört im südkoreanischen Pyeongchang zu den großen deutschen Goldhoffnungen. Bis zu ihrem Wettkampf stellen wir die 23-Jährige, ihren Werdegang und ihr Umfeld vor.

Teil 1: Das Abenteuer beginnt
Teil 2: Der Weg nach oben
Teil 3: Der große Rückhalt
Teil 4: Der Bundestrainer
Teil 5: Die Vertraute
Teil 6: Die Materialfrage
Teil 7: Der große Tag

Von unserem Redakteur Marco Rosbach

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