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    Whistler

    Sprechende Augen treffen sehende Ohren

    Sie kommen immer etwas eher ins Ziel, sie sind trotzdem unauffällig, aber unverzichtbar: die Begleitläufer. Doch der Name ist irreführend. Denn sie begleiten nicht, sie führen. Für die blinden und sehgeschädigten Sportler sind sie die sprechenden Augen – und treffen auf sehende Ohren.

    Läufer-Duo
    Thomas Friedrich führt Verena Bentele einen Anstieg hinauf.

    Für ihre Athleten, die sich mit dem Gehör an Geräuschen und Tönen orientieren, machen sie mit ihrer Stimme Hindernisse erkennbar, Richtungswechsel vollführbar – und sind schlichtweg in vielen Lebenslagen die wertvollsten Helfer.

    «Bei Verena muss er guten Kaffee kochen können», sagte Thomas Friedrich. Er hatte die blinde Biathletin und Langläuferin Verena Bentele aus Tettnang durch den Wald des Callaghan Valleys in Whistler zum zweiten Gold geführt. Nach dem Uhrzeiger- Prinzip leitet der 40-jährige Bonner seine Sportlerin über die Höhen und durch die Tiefen des Parcours. «Zwölf ist geradeaus, elf ist eine leichte Linkskurve», erläuterte er.

    Mit dieser Methode kommt das Duo bestens zurecht, obwohl es erst seit neun Monaten ein Sport-Paar ist. «Das Wesentliche ist, dass ich das zehn Jahre schon gemacht habe und wir uns sehr lange auch schon persönlich sehr gut verstehen», berichtete der «Seher».

    Sportwissenschaftler Friedrich ist sehr erfahren. Bereits 1998 geleitete er Udo Hirsch bei den Paralympics in Nagano zu Langlauf- Bronze. Auch Verenas Bruder Michael hatte er durch die Loipen geführt, nach den Paralympics 2006 in Turin aber seine Begleitläufer- Laufbahn beendet. «Da habe ich mich zur Ruhe gesetzt. Aber weil Verena diese Notsituation hatte, habe ich ein Comeback gegeben», erzählte er.

    Wenn Begleitläufer Fehler machen, können diese fatal sein. Wie bei Friedrichs Vorgänger. Dieser hatte rechts und links verwechselt, Verena Bentele stürzte einen Abhang hinunter. Die Folge: Kreuzbandriss, Kapselrisse an zwei Fingern und Verletzungen an der Leber und einer Niere. Die Paralympics-Siegerin hat seither nur noch eine Niere. «Sie war anfangs sehr verunsichert», berichtete Friedrich.

    Das Gold-Duo verzichtet auf jegliche Hilfsmittel. Andere Sportler setzen hingegen immer mehr auf Technik. Der Begleitläufer ist ausgerüstet mit einem Mikrofon, seine Stimme hallt nach hinten aus einem Lautsprecher oder gar einem Megafon am Gürtel. «Wir haben das auch ausprobiert, sind aber vom Lautsprecher wieder abgekommen, weil ich mit der Stimme mehr variieren kann. Und außer auf der Zielgeraden, wo es wegen der Lautstärke eine einzige Brüllerei ist, hat man keinen Vorteil mit dem Lautsprecher», sagte Friedrich.

    Nicht weniger diffizil ist die Aufgabe des Begleitläufers am Alpinhang. Drei, vier Jahre hatte Paralympics-Sieger Gerd Gradwohl (Kempten) nach einem geeigneten Partner gesucht, «bis ich dann den Heinz gefunden habe». Karl-Heinz Vachenauer führt den 50-Jährigen durch Slalomstangen und über Sprünge. Nach der langen Suche hatte es noch einmal drei Jahre gedauert, bis beide bestens aufeinander eingestellt waren. «Er muss sehr gut Ski fahren können. Denn durch die Tore zu fahren, das Tempo zu variieren, sich unterwegs umzudrehen und Kommandos zu geben – das ist eine große Leistung», meinte Gradwohl.

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