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    Kolomna

    Bartkos Zwei-Säulen-Konzept: Qualität statt Quantität

    Die Fehler der Vergangenheit begleiten Robert Bartko auf Schritt und Tritt. So auch in Kolomna: Erstmals haben die deutschen Eisschnellläufer keine Medaille von Einzel-Weltmeisterschaften mitgebracht.

    Sportdirektor
    Robert Bartko ist Sportdirektor der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG).
    Foto: Rainer Jensen - dpa

    Die älteren, erfahrenen Athleten sorgten für die besten Leistungen. Erst seit reichlich 400 Tagen amtiert der frühere Bahnradsport-Olympiasieger als Sportdirektor und äußert sich daher nur ungern über das aktuelle Geschehen auf dem Eis. Er spricht dann gern von «Altlasten», Leistungen die zu einer Zeit vorbereitet wurden, als er noch im Sechs-Tage-Oval sein Runden auf dem Rad drehte.

    Doch wenn auch all seine Konzentration der Leistungsentwicklung für die Zukunft dient, so kümmert er sich auch intensiv um die Handvoll Leistungsträger, die 2018 den deutschen Verband möglichst gut bei Olympia repräsentieren sollen. «Das ist Säule 1 meines Konzepts. Die Schaffung optimaler Rahmenbedingungen für die wenigen Top-Athleten, die sich nicht mit Mittelmaß zufrieden geben.»

    Säule 2, die Aufarbeitung der Versäumnisse der Vergangenheit in der Nachwuchsförderung, ist dem 40 Jahre alten Berliner aber mindestens genauso wichtig. Und immer wieder stellt er dabei den Leistungsgedanken in den Mittelpunkt. «Qualität statt Quantität» ist sein Schlagwort. Bei den Weltcups wurde das schon umgesetzt: Nur noch kleine Teams gehen auf die teueren Touren nach Übersee. Wer sich mit Starts in der B-Gruppe zufrieden gibt, bleibt zu Hause.

    «Es gibt ein Riesenloch, was da im Laufe der Jahre gerissen wurde zwischen der ersten Reihe, die ja jahrelang die Medaillen und Titel gewonnen hat, und allen anderen im zweiten Glied», hatte Bartko schon bei den ersten Besuchen in allen Leistungszentren festgestellt. Und auch die Gründe konnte er nicht übersehen: Da sonnte man sich im Erfolg und vernachlässigte den Nachwuchs, da gab es ungesunde Rivalitäten zwischen den Olympia-Stützpunkten, eine Überbewertung der Quantität in den Kader-Zahlen, fehlende Anreize für die zweite Reihe, den Großen Paroli zu bieten.

    «Es wird ein langer Weg, ein harter Weg», sagt Bartko, der den Leistungssport seit 30 Jahren lebt, alle Facetten kennt, auch wenn er auf dem Eis ein Newcomer ist. «Wir müssen jüngere Athleten früher darauf einstellen, was wir von ihnen erwarten», begründete er seine Einzelgespräche mit den rund 45 Kadersportlern. Bartko nimmt sich die Zeit, auch mit den ganz jungen Sportlern zu sprechen. In den vergangenen Jahren hatten selbst Topsportler stets beklagt, dass es überhaupt keine Kommunikation zwischen seinem Vorgänger Günter Schumacher und ihnen gebe.

    Beim Blick auf Olympia 2018 macht sich Bartko keine Illusionen. «Ein Phoenix aus der Asche» sei nicht zu sehen. Somit setzte er auf Claudia Pechstein, Patrick Beckert und Moritz Geisreiter, die auch bei der WM die besten Resultate in den Top Sechs verbuchten. Auch Nico Ihle bescheinigt Bartko trotz total verpatzter Saison die richtige Einstellung.

    Ein wichtige Rolle spielt bei der Durchsetzung von Bartkos Philosophie der neue Bundestrainer Jan van Veen. Am kommenden Wochenende schaut sich der Holländer die Jüngsten bei den Meisterschafen der C/D2-Kader in Chemnitz an. Im April sollen bei der Trainertagung die Strukturen neu definiert und das Konzept des niederländischen Erfolgstrainers vorgestellt werden. Dann soll auch die neue Rahmentrainings-Konzeption vorliegen. «Der erste Schritt ist getan, alle Themen sind angesprochen. Jetzt müssen Taten folgen», forderte der Sportdirektor.

    WM Homepage

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