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Johannesburg

«Schande»: Italien verhöhnt seine WM-Versager

Tränen, Trauer und Wut – die fassungslosen Italiener empfangen ihre in Südafrika ins bodenlose gestürzten Weltmeister mit Schimpf und Schande.

Versager
Fabio Cannavaro ist nach dem Ausscheiden von Italien geschockt.

«Das war das schlechteste Italien aller Zeiten», klagte die «Gazzetta dello Sport» nach der 2:3-Pleite gegen die Slowakei, «Schande!», titelte der «Corriere dello Sport» über den historischen Vorrunden-K.o. des Titelverteidigers. Für die «Repubblica» war es das «Waterloo der Azzurri».

Nach dem «Sommermärchen» 2006 in Deutschland erlebte der viermalige Champion in Südafrika einen Winteralptraum. Weinend schlich Kapitän Fabio Cannavaro vom Platz. «Ich schäme mich meiner Tränen nicht. So ein Abschied tut weh. Das war der schwärzeste Tag für unsere Nationalelf. So eine schlechte Leistung hätte ich niemals erwartet», sagte der noch fassungslose Neapolitaner. Noch nie waren die «Azzurri» bei einer WM Gruppenletzter, noch nie blieben sie ohne Sieg.

«Tuttosport» verhöhnte die WM-Versager als «Mozzarelle». Minister Roberto Calderoli beschimpfte Trainer Marcello Lippi als «arrogant» und die Spieler als «verwöhnte Millionäre mit Gelantine-Beinen.» In Berlin war Lippi auf dem Höhepunkt seiner Karriere zurückgetreten, nach seinem Comeback erlebte er in Südafrika einen demütigenden Abgang.

Dass Italien 60 Jahre nach der Schmach von Brasilien 1950 wieder als Titelverteidiger in der Vorrunde gescheitert ist, sei nicht Lippi anzukreiden, erklärte Antonio Di Natale: «Wir sind Schuld», betonte der Stürmer. Auch Gennaro Gattuso meinte zerknirscht: «Jetzt sind wir die Ritter der Schande!» Italiens Fußballverbandspräsident Giancarlo Abete sprach im «Casa Azurri» von «großer Traurigkeit», bevor das Team die Koffer für den Heimflug am Abend packte. Einen Rücktritt schloss er aus.

Die Niederlage gegen die Slowakei war nach den 1:1-Unentschieden gegen Paraguay und Neuseeland der Schlussakt des italienischen WM-Dramas: Im Ellis Park spielten die Italiener 70 Minuten lang wie gelähmt, als seien sie Opfer eines Voodoo-Zaubers geworden. «Die Spieler hatten die Angst in den Beinen», gab Lippi zu. «Hätten wir vorher ein Spiel gewonnen, wäre es anders gekommen. So habe ich auf dem Platz die Anspannung in den Gesichtern der jungen Spieler gesehen», berichtete Cannavaro.

Seit der Niederlage beim Confederations Cup gegen Ägypten erlebten die Weltmeister einen Absturz auf Raten. «Wir sind nicht erst seit gestern nicht mehr konkurrenzfähig», gab Abete zu. Die Abwehr ist löchrig wie nie, das Mittelfeld ideenlos, die Stürmer erfolglos. Als dann auch noch Regisseur Andrea Pirlo mit einer Wadenzerrung und Weltklasse-Keeper Gianluigi Buffon mit einem Bandscheibenvorfall ausfielen, war das ohnehin verunsicherte Team nur noch ein Schatten seiner selbst.

Die alte Garde um Cannavaro wurde unsanft von der großen Fußball- Bühne gekickt. Mit ihrem 62-jährigen Trainer traten auch der 36-Jährige Abwehrchef und Gattuso ab. Lippis Nachfolger Cesare Prandelli (52) soll nun den Generationswechsel einläuten, außer dem Deutsch- Italiener Riccardo Montolivo hat sich bei der WM aber keiner der Jungen empfehlen können. «Der Generationswechsel wird schwierig, das Comeback der Azzurri ist aber unsere Pflicht», sagte Abete.

36 Jahre nach dem letzten Vorrunden-Aus 1974 in Deutschland liegt Italiens Fußball am Boden. «Wir haben strukturelle Probleme», räumte Abete ein. Zwei EM-Bewerbungen scheiterten kläglich, die mit Fan- Gewalt und veralteten Stadien kämpfende Serie A verliert an Attraktivität und den Anschluss an die Top-Ligen in Europa. Inter Mailands Champions-League-Sieg täuscht, weil kein einziger Italiener in Inters Startelf steht. «Ich sehe dunkle Zeiten kommen», meinte Buffon. «Addio Italia!» – Italien hat sich als Hauptdarsteller von der großen Fußball-Bühne für lange Zeit verabschiedet.

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