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    Zürich

    Präzedenzfall Barcelona? Urteil schreckt Clubs auf

    Der FC Barcelona beklagt nach dem harschen FIFA-Urteil einen weiteren Imageschaden und sieht sich zu Unrecht als Präzedenzfall an den Pranger gestellt.

    Verurteilt
    Der FC Barcelona darf vorerst keine weiteren Spieler verpflichten.
    Foto: Andreu Dalmau - DPA

    Ob das Einkaufsverbot für den spanischen Meister für die kommenden beiden Transferperioden Bestand haben und der Wechsel von Mönchengladbachs Torwart Marc-André ter Stegen vielleicht doch noch platzen wird, entscheiden nun die juristischen Instanzen. In jedem Fall aber verschickte der Fußball-Weltverband mit seiner 61-zeiligen Presseerklärung auch eine unmissverständliche Warnung an alle Vereine in Europa und weltweit.

    «Wir haben natürlich auch andere Clubs im Blick. Unser neues Transferabgleichungssystem TMS beobachtet alles. Es ist wichtig, dass man Schritte ergreift, wenn Regeln verletzt werden», verlautete aus der Verbandszentrale in Zürich. Was aus ter Stegen wird, konnte aber auch die FIFA nicht beantworten. «Wir können auf individuelle Fälle nicht eingehen», sagte eine Sprecherin.

    Klar ist: Sollte der Vertrag zwischen dem deutschen Nationalkeeper und den Katalanen bereits unterzeichnet sein, greift die FIFA-Sanktion nicht. Ter Stegens Berater Gerd vom Bruch äußerte sich aber wieder etwas skeptischer, nachdem er tags zuvor noch recht entspannt auf das Transferverbot reagiert hatte.

    Bei insgesamt zehn Transfers von minderjährigen Spielern soll Barça in den Jahren 2009 bis 2013 gegen die FIFA-Statuten verstoßen haben. Nur in begründeten Ausnahmefällen dürfen Vereine Kinder unter 18 Jahren unter Vertrag nehmen. Das Reglement wird von Fachleuten prinzipiell begrüßt, lässt aber auch Raum für kontroverse Debatten.

    Der Anwalt Jean-Louis Dupont, weltweit bekanntgeworden durch den Fall Bosman, kritisierte die Entscheidung. «Die FIFA hat das Problem korrekt identifiziert, aber ihre Medizin ist nicht die richtige», sagte der Belgier dem katalanischen Radiosender RAC1. «Wenn das Reglement der FIFA verhindert, dass es für einen Jungen und dessen Familie eine bessere Zukunft gibt, ist es falsch. Das Reglement sollte einen Missbrauch unterbinden.» Der Jurist David Sequera meint gar, die FIFA verstoße mit dem Transferverbot gegen geltende Gesetze.

    «Eine Sanktion, die die Freiheit zur Einstellung von Arbeitskräften einschränkt, bedeutet einen Bruch der Rechtsordnung», schreibt der Arbeitsrechtsexperte der internationalen Kanzlei Osborne Clark in der Zeitung «El País». «Das Recht auf unternehmerische Freiheit ist in der spanischen Verfassung und in den EU-Verträgen garantiert.»

    In Spanien herrschte allgemein der Eindruck, dass die FIFA ein Exempel statuieren wolle. «Es ist wahrscheinlich, dass die FIFA sich mit ihrer tiefgreifenden Sanktion den FC Barcelona ausgesucht hat, weil dieser Club weltweit als ein Vorbild gilt», sagte der Professor für Sportphilosophie, José Luis Pérez Triviño. In einer Kolumne für die Zeitung «El Periódico» betonte der Wissenschaftler, dass der Handel mit Kindern im Profi-Fußball ein soziales Drama sei, andere Vereine aber viel skrupelloser vorgingen als der FC Barcelona.

    «Ein oder zwei Clubs aus der Premier League werden heute Morgen sicher Angstattacken haben», schrieb der englische «Daily Mirror» und verwies auf Teenager-Transfers von Manchester United oder FC Chelsea. «Das Thema ist sehr komplex», sagte Uwe Harttgen, der Vorsitzende der Kommission Leistungszentren des Ligaverbandes, der «Frankfurter Rundschau». Grundsätzlich begrüße er die Konsequenz der FIFA. Der internationale Transfermarkt für Kinder und Jugendliche müsse kontrolliert werden, um eine Art professionellen «Kinderhandel» auszuschließen, sagte Harttgen. Andererseits könne es auch für 16- oder 17-Jährige von Vorteil sein, Erfahrungen im Ausland zu machen.

    Das immer wieder gern angeführte Beispiel Lionel Messi greift aber zu kurz: Der heutige Wunderstürmer kam zwar als 13-Jähriger in die berühmte Barça-Nachwuchsakademie La Masia, allerdings wanderte er mit seinen Eltern nach Spanien aus - eine der drei Ausnahmen in den sonst so strikten Transferbestimmungen. Der FC Barcelona kündigte bereits an, vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS ziehen zu wollen. Unabhängig von der juristischen Beurteilung ist das Image des einst glanzvollsten Clubs der Welt nach dem Wirbel um den Neymar-Transfer und den Rücktritt von Präsident Sandro Rosell erneut beschädigt.

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