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Wien

Nach Gomez-Glück: Kraftakt mit zwei Notspielern

dpa

Der glückliche Sieg gegen Österreich war schnell abgehakt – Joachim Löw musste vor dem letzten Kraftakt der Saison in Aserbaidschan noch in Wien als Krisenmanager ran.

Irritiert
Bundestrainer Joachim Löw nimmt an einer Pressekonferenz in Wien teil.
Foto: DPA

Auf die ohnehin schon lange Ausfall-Liste kamen nach dem 2:1 im Nachbarschaftsduell noch Sami Khedira und Simon Rolfes. Der Bundestrainer stand am Sonntag plötzlich nur noch mit 14 Feldspielern da. «Damit beschränken sich die Möglichkeiten für einen Trainer schon enorm», erklärte Löw und ließ in einer Blitzaktion die U 21-Spieler Lewis Holtby (20) von Mainz 05 und Sebastian Rudy (21) von 1899 Hoffenheim einfliegen.

Angesichts der Personalsorgen – von den 23 nominierten Akteuren sind inzwischen sieben weg – wird der Trip ans Kaspische Meer an diesem Montag noch einmal zu einer heiklen Mission. Eine lange Anreise, drei Stunden Zeitverschiebung, ein schlechter Platz und die laut Löw «aufsässige» Spielweise des Gegners erwarten das DFB-Notteam. «Wir müssen diese Probleme lösen und die Punkte holen», sagte Löw in Wien kämpferisch und ergänzte: «Wenn wir dann 21 Punkte haben – wer soll uns da noch einholen?»

Ganz andere Probleme hat Aserbaidschan-Coach Berti Vogts. Der ehemalige Bundestrainer steht nach dem 1:2 in Kasachstan in Baku im Kreuzfeier der Kritik, am Sonntag kam es nach eigenen Angaben zu körperlichen Angriffen gegen Vogts. «Das ist unmöglich. Das ist ein No-Go, das jemand tätlich attackiert wird», kommentierte Löw.

Sechs Siege in sechs Spielen um das EM-Ticket sind schon jetzt Rekord für Deutschlands Nationalmannschaft. Auch deshalb wollten sich Löw und Matchwinner Mario Gomez gar nicht mehr intensiv mit den Unzulänglichkeiten des Spiels gegen die Österreicher beschäftigen. «Am Ende stehen drei Punkte, und wir haben das Tor ganz weit aufgestoßen zur Qualifikation», betonte Doppel-Torschütze Gomez.

Ausgerechnet Gomez, der sich bei der EURO 2008 an gleicher Stätte nach einer ausgelassenen Riesenchance noch als Depp fühlen musste, hatte am Freitagabend vor 47 500 Zuschauern im Ernst-Happel-Stadion mit seinem dritten Doppelpack im Nationalteam (44./90. Minute) gegen die «Ösis» alles klargemacht. «Für das Pech, das ich damals hatte, hatte ich jetzt das Glück. Der Fußball ist verrückt», sagte Gomez.

Eine verrückte Geschichte erlebten auch die in der Not geholten Rudy und Holtby. Am Dienstag hatten beide noch in Portugal mit den deutschen Junioren gespielt (2:4). Rudy wurde aus seinem Urlaub im italienischen Bibione geholt, Holtby auf der Hochzeit seines Mainzer Club-Kollegen Malik Fathi erreicht. Über den Umweg Berlin, wo die beiden Nachrücker in der aserbaidschanischen Botschaft ihr Visum besorgen mussten, reisten sie zum Team nach Wien.

Sie trainierten bereits mit der Mannschaft auf einem Nebenplatz des Ernst-Happel-Stadions. Bei der Übungseinheit fehlte Arne Friedrich, der Eigentorschütze gegen Österreich, wegen einer Prellung am linken Fuß. Der 32 Jahre alte Innenverteidiger soll aber in Baku einsatzfähig sein, versicherten die DFB-Mediziner.

Wie Löw am Dienstag im Bachramow-Stadion sein personell geschrumpftes Mittelfeld besetzen wird, wusste er in Wien noch nicht. «Wir müssen die Situation so nehmen, wie sie ist. Das beunruhigt mich auch nicht gegen Aserbaidschan, weil ich uns schon in der Lage sehen, das Spiel erfolgreich zu bestreiten», sagte der Coach, der auch auf Ersatztorwart Tim Wiese verzichten muss. Der Bremer reiste wegen einer Operation seines Vaters nach Hause.

Schon gegen die Österreicher war deutlich zu spüren, dass der Energieverlust vor allem bei den WM-Assen wie Mesut Özil groß ist. «Man spürt, dass die Spieler am Limit ihrer Kräfte sind. Tempospiel war nicht möglich», sagte Löw nochmals zum Spiel gegen Österreich. Der Verzicht auf die muskulär angeschlagenen Khedira und Rolfes ist auch eine Vorsichtsmaßnahme – und Rücksichtnahme auf deren Clubs.

Mats Hummels, der in Baku wieder in der zentralen Abwehr spielen wird, hält das deutsche Notteam trotzdem für gerüstet: «Der Akku ist voll genug, um noch mal Vollgas zu geben. Jeder weiß, dass dann Urlaub ansteht. Da kann man sich noch einmal auspowern». Mit einem weiteren «Dreier» würde das DFB-Team mit der makellosen Bilanz von sieben Quali-Siegen in die Sommerpause gehen. «Das wäre eine insgesamt überragende Leistung in der Nach-WM-Saison», bemerkte Löw.

Nur einmal, in der Qualifikation zur WM 1982, konnte Deutschland eine solche Serie hinlegen. Damals gab es sogar acht Erfolge – in der EM-Quali hat man jetzt schon eine bemerkenswerte Bestmarke gesetzt.

Voll im Saft steht noch Gomez, der «vor Selbstbewusstsein strotzt», wie Löw bemerkte. «Ich will so weitermachen, dann hat der Bundestrainer die Qual der Wahl», sagte der Torschützenkönig der Bundesliga zur Konkurrenzsituation mit dem verletzten Miroslav Klose, der Stürmer Nummer eins bei Löw ist. «Mario war für mich schon lange ein Stammspieler. Jetzt ist Miro Klose nicht da. Daher ist es müßig, über diese Dinge zu reden», bemerkte Löw. Und auch Gomez hielt sich – zumindest verbal – zurück: «Es gibt keine Kampfansagen.»

Die voraussichtliche Aufstellung gegen Aserbaidschan: Neuer – Lahm, Friedrich, Hummels, Schmelzer – Kroos – Müller, Götze, Özil, Schürrle – Gomez.

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