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London

Mourinho trickst Chelsea aus – Ballack: «Tut weh»

Am Ende hätte der frustrierte Michael Ballack bei der großen Ernüchterung an der Stamford Bridge am liebsten weggeschaut. Ausgewechselt, ausgeschieden, ausgeträumt – seine Karriere ist weiter unvollendet.

Gestrauchelt
Michael Ballack (l) kämpft mit Goran Pandev von Inter Mailand um den Ball.

Nach dem frühen K.o. seines FC Chelsea im Champions League-Achtelfinale muss der Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft weiter auf seinen ersten internationalen Titel warten. Und während Chelseas Ex-Coach José Mourinho nach dem 1:0-Triumph mit Inter Mailand an alter Wirkungsstätte auch von Englands Medien gefeiert wurde und sich als der Größte fühlte, fühlte der deutsche Vorzeige-Kicker die große Leere. «Es tut weh, so früh auszuscheiden», gab der Mittelfeldstar nach der ebenso schmerzlichen wie folgenschweren ersten Heimschlappe in der Königsklasse seit gut vier Jahren zu.

Denn der bald 34-Jährige weiß, dass ihm viele Gelegenheiten zum Coup auf der großen Fußball-Bühne nicht mehr bleiben. Mit der Nationalelf kann er auf den WM-Titelgewinn im Sommer in Südafrika und vielleicht noch bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine hoffen. Bei Chelsea, wo er gerade um die Verlängerung seines im Sommer endenden Vertrags kämpft, hat er auch höchstens wohl noch zwei Chancen in Europas Meisterliga. Nach dem unverhofften Aus will er sich in der Premier League im Dreikampf mit Manchester United und dem FC Arsenal schadlos halten, sagte er. «Wir müssen das schnell abhaken. Jetzt ist die Liga unser großes Ziel.»

Erst zum zweiten Mal binnen sieben Jahren erreichten Ballacks ambitionierte, aber in Europas Königsklasse noch stets gescheiterte «Blues» nicht mindestens das Halbfinale. «Nachdem wir die Champions League in den letzten Jahren mit dominiert haben, ist das schon enttäuschend. Die haben uns den Zahn gezogen mit ihrer Cleverness», sagte Ballack mit Blick auf das unerwartet frech auftrumpfende Inter-Team. Zu seinem sichtlichen Unwillen wurde er nach 62 Minuten auch noch von Trainer Carlo Ancelotti ausgewechselt.

Aber nicht der sieggewohnte italienische Chelsea-Coach, sondern dessen Vor-Vorgänger Mourinho, der Chelsea bis zu seiner Entlassung im September 2007 drei Jahre lang mit viel Erfolg geführt hatte, war nach seiner «perfekten» Revanche obenauf. «So habe ich in der Kabine noch nie gejubelt. Das war eine unglaubliche Leistung», erklärte der charismatische Portugiese, der sich in seinem «Wohnzimmer» der Arena an der Stamford Bridge öffentliche Triumph-Gesten erst ganz verkniff – mit dem Schlusspfiff verschwand er sofort in den Katakomben.

«Heute war Inter viel besser als Chelsea», lobte er zurecht seine Akteure, ehe wieder der «alte» Mourinho auftrat. «Dieses Ergebnis beweist, dass ich hier zu Hause bin. Denn hier gewinne ich immer – mit oder gegen Chelsea», meinte der Portugiese stolz. Chelseas Europa-Bilanz trotz der Investition in Höhe von 750 Millionen Euro durch Club-Eigner Roman Abramowitsch beschreibe er als «Geschichte der Frustration». Inters Clubchef Massimo Moratti, der in 15 Jahren rund eine Milliarde Euro ins Team gesteckt hat, kann nach dem Siegtor durch Samuel Eto'o (78. Minute) dagegen weiter seinem jahrelang gehegten Traum vom Triumph bei den Champions nachgehen.

«Die erste Halbzeit war noch o.k., aber in der zweiten haben wir keine Antworten mehr gefunden. Wir sind alle ein wenig konsterniert. In ähnlichen Situationen haben wir sonst mit Wucht noch eine Wende erzwingen können», so Ballack, der Mourinho und der von ihm glänzend eingestellten Inter-Elf Respekt zollte. Für seine Leistung erntete er von Englands Sportpresse dagegen Kritik. «The Sun» gab Ballack wie dem für ihn eingetauschten Joe Cole mit einer «5» die mieseste Note. «Warum hast Du ihn rausgeworfen, Rom?», wollte «The Sun» dagegen von Abramowitsch wissen. «Mourinho ist zurückgekehrt, um sich ein letztes Mal in Chelseas Geschichtsbuch einzutragen», schrieb «The Guardian», «genauer gesagt – einen hässlichen Klecks in die Annalen des Clubs.»

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